Greetings from Hokkaido, Japan

Greetings from Hokkaido, Japan

GREETINGS FROM ... sind kurz Field Notes. Friends of OLLI senden uns ihre Eindrücke von unterwegs.

Hokkaido, Japan: Es ist die nördlichste und zweitgrösste Insel Japans und bekannt für ihre beeindruckende Natur. Weite Landschaften, Berge, Wälder und im Winter besonders viel Schnee prägen das Bild. Hokkaido ist ausserdem berühmt für seine Wildtiere – unter anderem leben dort die seltenen Hokkaido-Braunbären. Die Insel gilt als eher ruhig und weniger dicht besiedelt als andere Teile Japans.


Liebe Reisebegeisterte

Bevor wir anfangen, ein paar Worte dazu, wie wir eigentlich hier gelandet sind.

2023 haben wir in Japan zwei Motorräder gekauft. In den folgenden drei Jahren verbrachten wir insgesamt fast ein ganzes Jahr damit, durch das Land zu fahren, und legten dabei weit über 25’000 Kilometer zurück. Von all den Orten, die wir auf unseren Reisen durch Japan gesehen haben, schicken wir euch unsere Grüsse aus Hokkaido.

Dafür gibt es zwei Gründe: Hokkaido unterscheidet sich sowohl in seiner Geschichte als auch landschaftlich ziemlich stark vom Rest Japans. Und unter japanischen Motorradfahrern gilt die Insel als Motorradparadies – wobei euch die Gründe dafür vielleicht überraschen werden.

Hokkaido macht mehr als 20 Prozent der Fläche Japans aus, hier leben aber nur rund vier Prozent der Bevölkerung. Entsprechend wild und weit wirkt die Insel: Berge, tiefe Seen, Wälder, Vulkane und zerklüftete Küsten. All das gibt es auch im restlichen Japan – nur nicht in diesem Massstab.

Die Städte sind kleiner, die Strassen breiter, dazwischen liegen riesige Ackerflächen mit Scheunen wie aus dem amerikanischen Mittleren Westen. Wenig Verkehr, wenige Ampeln, viel Platz.

Das allein reicht eigentlich schon, um zu verstehen, warum Motorradfahrer Hokkaido lieben. Endlich kann man den Gasgriff aufdrehen und geradewegs dem Horizont entgegenfahren. Ausgerechnet die langen, schnellen Geraden machen hier einen grossen Teil des Reizes aus – was ein bisschen lustig ist, schliesslich leben Motorradfahrer normalerweise für Kurven.

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Dazu kommen jede Menge Offroad-Möglichkeiten, grossartige Campingplätze und spezielle Unterkünfte für Motorradreisende, sogenannte Rider Houses.

Die Begeisterung merkt man auch unterwegs. Jeder Motorradfahrer, dem wir begegneten, winkte uns wild und begeistert zu – statt des höflichen Nickens oder der kurz erhobenen Hand, die man sonst bekommt. Auf den Campingplätzen präsentierten Motorradfahrer stolz ihre gemütlichen Setups mit Mini-Grill und Lichterketten. Wir waren wirklich beeindruckt, wie viel Zeug auf eine kleine Honda Super Cub passt!

Aber da ist noch etwas anderes: Japans nördlichsten Punkt am Kap Soya zu erreichen – und auf dem Weg dorthin möglichst viele weitere «nördlichste» Dinge abzuhaken.

Der nördlichste Bahnhof. Die nördlichste Tankstelle. Der nördlichste McDonald’s. Der nördlichste Getränkeautomat. Die nördlichste öffentliche Toilette.

Wir sagen oft, Japan sei ein hervorragendes Land, um sich irgendwelche Nebenquests auszudenken. Das hier ist eine davon. Irgendetwas an diesem Land weckt einfach den Sammler ungewöhnlicher Dinge in einem. Aga schämt sich übrigens keineswegs dafür, auf ihrem Handy inzwischen eine ziemlich beachtliche Fotosammlung verschiedenster Kanaldeckel-Designs aus ganz Japan zu haben.

Neben den weiten Strassen und der wunderschönen Natur fanden wir vor allem die Vergangenheit der Insel faszinierend.

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In der Geschichte Hokkaidos geht es weniger um Samurai und Kriege zwischen Clans, sondern vielmehr darum, Land in Besitz zu nehmen, Wildnis zu bezwingen und moderne westliche Methoden anzuwenden, um einen Ort und seine Menschen den Bedürfnissen anderer anzupassen. Nachdem wir selbst in Australien gelebt und das Land bereist hatten, kam uns vieles davon erstaunlich bekannt vor.

Hokkaido war früher als Ezo bekannt – ein Name, den die Japaner mit Schriftzeichen schrieben, die «Garnelen-Barbaren» bedeuteten. Wie dieser Name bereits vermuten lässt, war das Land keineswegs leer und wartete nur darauf, in Besitz genommen zu werden.

Es ist die Heimat der Ainu, die hier schon lange lebten, bevor irgendjemand beschloss, dass die Insel zu Japan gehören sollte. Sie haben eine eigene Sprache, die mit dem Japanischen nicht verwandt ist, eigene Glaubensvorstellungen und eine Lebensweise, die traditionell auf Jagd und Fischfang statt auf Reisanbau basiert.

1869 tauchte der Name Hokkaido auf, als die Regierung eine Kommission einsetzte, um die Insel zu kolonisieren und zu entwickeln. Es folgten jahrzehntelange Assimilierungsmassnahmen gegen die Ainu sowie gewaltige Infrastruktur- und Entwicklungsprojekte, die zu einem grossen Teil von Gefangenen errichtet wurden, die man vom japanischen Festland hierhergebracht hatte.

Überall auf der Insel gibt es Orte, die unterschiedliche Teile dieser Geschichte erzählen: vom Upopoy Museum und dem Akanko Ainu Village bis zum Abashiri Prison und dem Historical Village of Hokkaido ausserhalb von Sapporo.

Was uns dabei besonders auffiel: Dieselben Ereignisse werden teilweise völlig unterschiedlich beschrieben – je nachdem, wer die Geschichte erzählt. Manche Entscheidungen werden hervorgehoben, manche Konsequenzen weggelassen, manche Dinge überhaupt nicht erwähnt.

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Hoffentlich konnten wir euch damit einen kleinen Eindruck davon vermitteln, warum sich Hokkaido ein bisschen anders anfühlt als der Rest Japans.

Und trotzdem verliert die Insel nie ihr japanisches Gefühl. Nach einem Tag auf der Strasse kann man sich noch immer einen Snack im Convenience Store holen – Hokkaido hat mit Seicomart sogar seine eigene Kette –, zum Abendessen eine Schüssel Ramen essen, an einem Schild verzweifeln, das man nicht lesen kann, und den Tag nackt in einer heissen Quelle ausklingen lassen.

Vielleicht ist genau das der eigentliche Reiz für japanische Motorradfahrer: Hokkaido fühlt sich anders genug an – bietet aber trotzdem all den Komfort und die Annehmlichkeiten des restlichen Japans.

Grüsse aus Hokkaido
Aga & Yan
FarWayOut

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💡 Wusstest du…? 

Hokkaido ist die Heimat des Ussuri-Braunbären, eines nahen Verwandten des nordamerikanischen Grizzlys und eines der grössten Braunbären der Welt.

Immer wieder begegneten uns Warnschilder, die auf Bärensichtungen in der Umgebung hinwiesen. Campingplätze oder Wanderwege können danach kurzfristig geschlossen werden. Trotzdem schienen die Vorsichtsmassnahmen deutlich geringer zu sein als in den USA oder Kanada: keine bärensicheren Aufbewahrungsboxen, keine ausführlichen Anweisungen zur Lagerung oder Zubereitung von Lebensmitteln.

Einfach eine Glocke mitnehmen, Bärenspray dabeihaben und Lärm machen.

Natürlich ist der Bär längst zu einem Symbol Hokkaidos geworden. Und das ist auch der Werbe- und Souvenirindustrie nicht entgangen. Man bekommt so ziemlich alles mit einem Bären darauf: Aufkleber, Tassen, Unterwäsche – je nach Geschmack von niedlich bis furchteinflössend.

Am meisten zum Lachen gebracht hat uns allerdings das Maskottchen der Stadt Yubari.

In Japan hat fast jede Region und jede Stadt ein eigenes Maskottchen, meist inspiriert von lokalen Sehenswürdigkeiten, Legenden oder Spezialitäten. Yubari hatte die geniale Idee, seine berühmten und sündhaft teuren Melonen mit dem Ussuri-Braunbären zu kombinieren.

Das Ergebnis: der Melon Bear.

Ihr müsst zugeben: Er sieht grossartig aus.

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