Gaby Fringer und Claudio Ludwig haben ihr Haus verkauft, ihre Jobs gekündigt und sich aus der Schweiz abgemeldet. Heute leben sie dauerhaft in ihrem MAN-Expeditionsfahrzeug Manny. Nach anderthalb Jahren Vorbereitung und einer dreimonatigen Generalprobe in Marokko führt ihre geplante Route über den Balkan, die Türkei und Zentralasien bis zum Pamir Highway und in die Mongolei.
Gabriela und Claudio hatten, was gemeinhin als erstrebenswert gilt: ein Haus, zwei sichere Jobs, zwei erwachsene Töchter und ein geregeltes Leben in der Schweiz.
Dann begannen sie, dieses Leben infrage zu stellen.
46 Wochen im Jahr arbeiten, um sechs Wochen Ferien zu haben. Besitz anhäufen, verwalten und erhalten. Auf die Pension warten – in der Hoffnung, dann noch gesund, neugierig und mutig genug zu sein. Für Gabriela und Claudio ging diese Rechnung irgendwann nicht mehr auf.
Also fingen sie an zu rechnen.
Was würde passieren, wenn sie ihr Haus, ihren Haushalt und einen großen Teil ihres Besitzes verkauften? Würde das reichen, um ihre Jobs aufzugeben? Könnten sie daraus nicht nur eine lange Reise, sondern ein anderes Leben machen?
Die Antwort lautete: Ja.
Die Nachricht von ihrem Ausstieg servierten sie ihrem Chef eineinhalb Jahre vor dem Aufbruch bei einer Portion Capuns in Manny. Beide arbeiteten damals bei Schenker Storen in Chur: Claudio als Geschäftsführer der Kundengesellschaft, Gaby in der Administration. Ihr Chef freute sich für sie, obwohl er damit gleich zwei Mitarbeitende verlieren würde. Dass ihr Abschied Spuren hinterlassen hat, merken sie heute, wenn ehemalige Mitarbeitende schreiben, dass sie die beiden und Claudios Art zu führen vermissen.
Dann wurde es konkret: Gaby und Claudio verkauften ihr Haus, zogen vorübergehend in eine Mietwohnung und begannen, ihren Besitz konsequent zu reduzieren.
Was braucht man wirklich, wenn künftig das gesamte Leben in ein Expeditionsfahrzeug passen muss? Was darf mit? Was wird verkauft? Und welche Dinge, die einmal wichtig erschienen, sind plötzlich nur noch Dinge?
Im Oktober 2025 zogen Gaby und Claudio vollständig in Manny ein. Zunächst noch am bisherigen Wohnort, während die letzten Monate ihres alten Lebens weiterliefen.
Ihr Aufbruch begann nicht mit dem Drehen eines Zündschlüssels. Er begann mit Berechnungen, Kündigungen, Entscheidungen – und sehr viel Aussortieren.
Wenn nicht jetzt, wann dann? Ein Morgen kommt vielleicht nicht mehr.
Seit vielen Jahren schreiben sie sich in der Familie zu allen möglichen Anlässen Grußkarten. In einer davon schrieben die beiden Töchter den Satz, der Gaby und Claudio die letzte Sicherheit für ihren Aufbruch gab: „Wir sind unglaublich stolz darauf, dass ihr das macht und euren Traum lebt, der euch erfüllt. Wir stehen zu 100 Prozent hinter euch!“ Heute sind manche Gespräche über FaceTime sogar intensiver als früher, weil sie sich bewusster Zeit füreinander nehmen. Und wenn sie einander wirklich brauchen, fliegen Flugzeuge in beide Richtungen. Trotzdem blutet das Mutterherz manchmal – auch wenn Gaby sich auf ihre „Nachelternzeit“ freut.
Drei Monate Generalprobe in Marokko
Bevor sie sich endgültig aus der Schweiz abmeldeten, wollten Gaby und Claudio wissen, ob ihr Plan auch außerhalb von Messen, Grundrissen und Excel-Tabellen funktioniert.
Von November 2025 bis Januar 2026 reisten sie knapp drei Monate durch Marokko. Dort zeigte sich, ob Manny auch als dauerhaftes Zuhause taugte: Was funktioniert? Was fehlt? Was muss optimiert werden? Und was hat Platz beansprucht, ohne unterwegs irgendeinen Nutzen zu haben?
Auch Mannys Küche veränderte sich in Marokko. Gaby und Claudio entdeckten Tajine, die lokalen Gewürze und vor allem die Kombination von Ingwer mit Pflaumen oder Aprikosen für sich. „Ingwer kannten wir Banausen eigentlich nur im Tee“, geben sie zu. Die süß-würzige Mischung reist seither mit.
Auch abseits des Wohnbereichs wurde der MAN geprüft. Auf marokkanischen Tracks verfransten sie sich in Bachbetten, manövrierten durch enge Passagen und mussten ganze Abschnitte rückwärts wieder herausfahren. Wenn der Untergrund schlammig wurde, half manchmal nur noch entschlossenes Weiterfahren. Oder Buddeln.
„In der Situation wird es laut und hektisch. Im Nachhinein sind es immer herrliche Erinnerungen.“
Die drei Monate bestätigten ihnen, dass nicht nur das Fahrzeug funktionierte. Auch ihr Plan tat es. Ende Mai 2026 waren die Jobs beendet und der Haushalt aufgelöst. Seit dem 1. Juli sind Gaby und Claudio nicht mehr in der Schweiz gemeldet. Aus der Generalprobe war ihr Leben geworden.
Raus aus dem Hamsterrad, rein ins Abenteuer
Finanziert wird dieses Leben durch das, was sich Gaby und Claudio zuvor aufgebaut haben. Der Verkauf ihres Hauses und ihres Besitzes schuf die Grundlage dafür, nicht mehr arbeiten zu müssen und gleichzeitig die laufenden Fixkosten deutlich zu reduzieren.
Manny zeigt allerdings, dass es hier nicht um einen improvisierten Low-Budget-Ausstieg geht. Der MAN TGM mit Expeditionskabine von Krug steht für eine lange Familien- und Berufsphase, in der sich Gaby und Claudio etwas erarbeiten konnten.
Das Geld machte den Ausstieg möglich. Aber wer viel hat, hat auch viel zu verlieren: Haus, Einkommen, Komfort, Sicherheit. Gaby und Claudio hätten bleiben können. Sie gingen trotzdem.
MAN, Krug – und ein dauerhaftes Projekt
Bevor sie sich für Manny entschieden, verglichen Gaby und Claudio verschiedene Hersteller, besuchten Messen und sahen sich zahlreiche Fahrzeuge und Ausbaukonzepte an. Am Ende überzeugten sie das Gesamtpaket von Krug und die Menschen hinter der Marke.
Heute würden sie sich wieder für einen MAN und eine Kabine von Krug entscheiden. Ob es noch einmal exakt dieser Grundriss und ein MAN TGM wären, ist weniger sicher. Claudio braucht laut Gaby schließlich immer ein Projekt, über das er nachdenken kann. Manny (zur Roomtour) dürfte deshalb nicht nur ihr Zuhause bleiben, sondern auch ein dauerhaftes Projekt im besten Sinne.
Über den Pamir bis in die Mongolei
Ursprünglich wollten Gaby und Claudio den Winter auf der Arabischen Halbinsel verbringen. Die politische Lage änderte ihre Pläne. Kurz vor der Abfahrt verloren sie auch noch ihren geliebten Cavalier King Charles Spaniel Maylo. Für die beiden war er ein wichtiges Familienmitglied – und sollte auch ihr neues Leben mit ihnen teilen. Ohne Hund aufzubrechen, kam für sie aber nicht infrage. Deshalb warteten sie auf einen Welpen. Route und Zeitplan waren da zweitrangig.
Nun führt der Weg über Slowenien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien und Griechenland in die Türkei. Im darauffolgenden Frühjahr soll es über Georgien und Russland nach Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan gehen. Danach warten der Pamir Highway und die Mongolei.
Zumindest ist das der Plan. Nach einem Leben voller Termine genießen Gaby und Claudio heute vor allem das, was sich kaum kaufen lässt: Zeit, Wärme, Natur und die Freiheit, bleiben zu können.
Sie wissen nicht, wie lange dieses Leben dauern wird. Sie wissen auch nicht, welche Länder ihre geplante Route tatsächlich zulassen oder wohin sie danach weiterfahren werden.
Aber genau darum geht es. Sie hatten ein Haus, zwei Jobs und einen Plan bis zur Pension. Heute haben sie Manny, eine ungefähre Richtung – und müssen am Montag nirgendwo mehr sein.