XT Adventures – Mit dem Motorrad einmal um die Welt
Drei Jahre, zwei Motorräder, eine Weltreise: XT Adventures haben die halbe Welt bereist – und gelernt, dass 99 Prozent der Menschen gut sind. Ein Gespräch über Mut, Verzicht, Begegnungen und die Kunst, unterwegs das Wesentliche zu finden.
Wir sprechen mit Menschen, die ihr Leben anders leben – bewusst, mutig, manchmal radikal. Nicht, um zu beeindrucken. Sondern um zu inspirieren, zu hinterfragen und zu zeigen: Es geht auch anders. Und das ist okay.
Hier geht’s nicht um Floskeln. Nicht um Hochglanz. Sondern um echte Antworten – auf die Fragen, die man sich am Lagerfeuer stellt, wenn keiner mehr Smalltalk macht. Denn wer unterwegs ist, hat viel zu erzählen. Und oft mehr zu geben, als man denkt.
„Zwei Motorräder, ein gemeinsamer Traum – und die Welt als Zuhause.“ – Ein Gespräch mit XT Adventures
XT Adventures – das sind Xenia und Tinu. Seit 2012 ein Team, seit 2017 auf Weltreise: Über drei Jahre lang fuhren sie mit ihren Motorrädern rund um den Globus – bis die Pandemie sie 2020 in Äthiopien stoppte. Heute leben sie wieder in der Schweiz, planen aber bereits den nächsten Vortrag und neue Filmprojekte.
In diesem Gespräch erzählen sie von der Kunst, als Paar unterwegs zu sein, von Begegnungen, die Weltbilder verändern – und davon, warum ungeteerte Straßen oft die besseren Lektionen bereithalten als jedes Klassenzimmer.
Über euch und euren Weg
Erzählt kurz von euch: Wer seid ihr? Wo seid/lebt ihr gerade? Und was steht als Nächstes an?
Uns als Team gibt es seit 2012 – verliebt haben wir uns allerdings nicht in der Schweiz, sondern in Cusco, Peru. Ein passender Ort für zwei Menschen, die schon immer vom Reisefieber gepackt waren.
Nach vielen gemeinsamen Touren auf den Balkan, in den Oman, nach Island, auf die Philippinen, nach Indonesien, Marokko und Tansania beschlossen wir, dass es Zeit für ein größeres Abenteuer war. So begannen wir, unsere Weltreise mit den Motorrädern zu planen.
Im Februar 2017 starteten wir in der Schweiz und waren über drei Jahre rund um den Globus unterwegs – ohne auch nur einmal nach Hause zurückzukehren. Erst die weltweite Pandemie stoppte uns im März 2020 in Äthiopien. Wir mussten unsere Motorräder und uns selbst zurück in die Schweiz fliegen. Seither leben wir wieder hier – doch die Reiselust ist geblieben, und wir sind nach wie vor gerne unterwegs, mit und ohne Motorräder.
Erinnert ihr euch an den Moment, an dem ihr zum ersten Mal gespürt habt: Ich will raus. Ich will mehr vom Leben?
Xenia: Die Reiselust war bei mir eigentlich schon immer da. Mit 18 war ich zum ersten Mal alleine mit dem Rucksack in Ägypten unterwegs. Kurz darauf bin ich mit 19 für ein Jahr nach Australien und Südostasien gereist. Danach wollte ich immer mehr von der Welt sehen. So folgte ein weiteres Jahr in Zentral- und Südamerika sowie viele andere Reisen in den Jahren danach.
Tinu: Bei mir kam das etwas später. Mitte zwanzig habe ich anderthalb Jahre in den USA gelebt und gearbeitet. Danach wollte ich unbedingt mehr von der Welt sehen – deshalb ging ich mit einem Freund für ein halbes Jahr auf Motorradtour durch Südamerika.
Wie sah euer Alltag unterwegs aus – oder gab es den gar nicht?
Xenia: Wir sind wieder zurück von unserer langen Reise, aber unseren Alltag während der langen Reise haben wir extra einmal als Video erstellt.
„Es braucht Mut, einen sicheren Job und die Wohnung aufzugeben. Doch man macht sich oft zu viele Gedanken. Wer flexibel ist, findet sich immer wieder zurecht.“
„Reisen bedeutet Lebensschule. Es ist die beste Investition, um sich selbst kennenzulernen, den Horizont zu erweitern und die eigenen Grenzen auszuloten.“
Was war der schönste Ort, an dem ihr auf eurer Reise länger geblieben seid – und warum?
Unser absolutes Lieblingsland ist bis jetzt Kirgistan. Dort haben wir zwei Monate verbracht. Es ist ein wirklich tolles Abenteuerland für Leute, die gerne wilde Natur und ungeteerte Straßen mögen. Die Leute sind freundlich und unaufdringlich und man kann überall sein Zelt aufstellen.
Auch Namibia hat uns deswegen besonders gut gefallen. Generell sind wir überall gerne, wo es viel unberührte Natur gibt, wo wir auf ungeteerten Pisten oder Offroad die Gegend erkunden können. Daher ist die Mongolei immer noch sehr weit oben auf unserer Liste.
„Die wichtigste Lektion unserer Reisen: 99% aller Menschen auf dieser Welt sind gut. Egal welche Religion, Hautfarbe oder Kultur – alle haben die gleichen Bedürfnisse, Träume und Sorgen.“
Gab es während eurer Reise Momente, an denen ihr alles hinschmeißen wolltet?
Ja, die gab es auf jeden Fall. Nicht, weil uns das Reisen nicht gefallen hat, aber man kommt immer wieder an seine mentalen wie auch körperlichen Grenzen. Solche Reisen haben nichts mit Ferien zu tun. Klar gibt es diese „Ferien-Momente“, aber meistens muss man viel organisieren, weiß oft nicht, wo man am Abend schlafen wird, oder kommt in unbequeme Situationen. Gerade mit einem kleinen Budget muss man auf vieles verzichten und lebt halt dauernd etwas außerhalb der Komfortzone. Aber genau das suchen wir auch – und wollen uns daher nicht beklagen.
Wenn ihr eurem früheren Ich einen Satz mitgeben könntet, bevor ihr losgezogen seid – wie würde er lauten?
Nimm dir noch etwas mehr Zeit, um einfach mal an einem Ort zu bleiben, und fokussiere dich stärker auf das Hier und Jetzt.
Die Frage, die sich alle stellen
Wie habt ihr eure Reise finanziert? Und wie seid ihr mit der Unsicherheit umgegangen, die damit verbunden war?
Wir haben einfach rigoros gespart und uns ein Budget fixiert. Als Schweizer haben wir das Glück, dass wir, wenn wir uns disziplinieren, etwas mehr Geld auf die Seite legen können als in anderen Ländern. So konnten wir pro Person um die 1000 CHF sparen pro Monat. Da lag aber dann nicht viel drin – also kein Feierabendbier, auswärts essen oder Kino. Das haben wir zwei Jahre lang so gemacht und konnten so genug zusammen sparen, zumal wir beide auch schon etwas Erspartes auf der Seite hatten.
Auf unserer Webseite haben wir auch ganz genau angegeben, wie viel wir für was ausgegeben haben. Außerdem haben wir uns auch während der Reise zurückgehalten und das Geld für Erlebnisse und nicht für Bequemlichkeiten ausgegeben. In Australien konnten wir auch ein paar Mal mit anpacken und uns so etwas Geld oder Kost und Logis erarbeiten.
Es braucht sicherlich etwas Mut, einen gut bezahlten, sicheren Job aufzugeben und die Wohnung zu kündigen. Doch man macht sich oft zu viele Gedanken. Wenn man flexibel ist, kann man sich eigentlich immer wieder zurechtfinden.
„Die Gastfreundschaft im Iran, Pakistan und Australien hat uns gezeigt, wie schön es ist, offen mit Fremden umzugehen. Dieses Prinzip leben wir heute auch zu Hause.“
Unterwegssein als Lebensprinzip
Was hat Reisen für euch bedeutet – jenseits von Postkartenmotiven und Bucketlists?
Lebensschule. Es ist definitiv die beste Investition, die man machen kann, um sich besser kennenzulernen, seinen Horizont zu erweitern und seine Grenzen kennenzulernen. Das bringt einem auch im Arbeitsleben und im Privaten sehr viel weiter. Wir haben das bei unseren ersten langen Auslandsaufenthalten bereits gemerkt, und daher war es für uns sicher etwas leichter, wieder aufzubrechen.
Hat sich euer Blick auf die Welt durch die lange Reise verändert?
Man lernt viel über sich und die Welt auf einer solchen Reise. Die wichtigste Lektion, die wir durch unsere vielen Reisen gelernt haben, ist sicherlich, dass 99% aller Menschen auf dieser Welt gut sind. Egal welche Religion, welche Hautfarbe oder Kultur: Alle haben die gleichen Bedürfnisse, Träume und Sorgen.
Gab es Begegnungen, die euch besonders geprägt oder verändert haben – eine, die ihr nie vergessen werdet?
Jede Begegnung hat uns wohl in einer Art und Weise geprägt, manche mehr und manche weniger. Speziell die Gastfreundschaft im Iran, Pakistan und Australien hat uns einmal mehr gezeigt, wie schön es ist, wenn man offen mit Fremden umgeht. Dieses Prinzip versuchen wir hier zu Hause auch anzuwenden.
Welche Rolle spielt „Zuhause“ für euch – und wo würdet ihr heute sagen: Hier bleibe ich?
Gerade weil wir so viel gereist sind, schätzen wir unser Leben in der Schweiz sehr. Wir haben einen hohen Lebensstandard hier, der nicht selbstverständlich ist. Wir werden immer viel und gerne reisen, aber die Schweiz ist vorerst sicher unsere Homebase. Wir könnten uns aber vorstellen, mal auszuwandern, wenn wir pensioniert sind.
„Solche Reisen haben nichts mit Ferien zu tun. Klar gibt es diese Momente – aber meistens lebt man dauernd etwas außerhalb der Komfortzone. Genau das suchen wir auch.“
Sinn & Spuren
Was wollt ihr hinterlassen – nicht im Sand, sondern bei den Menschen, denen ihr begegnet?
Offenheit, Toleranz und den Mut, seine Träume zu verfolgen. Gerade deshalb halten wir auch sehr gerne unsere Vorträge.
Was treibt euch an, wenn’s schwer wird?
Der Gedanke, dass wir es verdammt gut haben und uns nicht beklagen dürfen – ob während der Reise oder jetzt zu Hause. Wir haben gesehen, wie es an anderen Orten auf der Welt zu- und hergeht, wie klein die Chancen auf ein gutes Leben sind, wie schwer es sein kann, überhaupt den Tag zu überstehen. Daher ist es für uns leichter, immer das Positive zu sehen.
Wovon träumt ihr noch – ganz persönlich, ganz ehrlich?
Gesundheit bis ins hohe Alter, damit wir noch viele Reisen machen können – und eine Welt, die dies überhaupt noch zulässt.
„Wir haben gesehen, wie schwer es anderswo sein kann, überhaupt den Tag zu überstehen. Das macht es leichter, immer das Positive zu sehen.“
Zum Schluss: Gibt es etwas, das ihr gerne teilen möchtet?
Wir haben nun wieder etwas mehr Zeit unser Video- und Fotomaterial weiter zu bearbeiten und möchten diesen Winter gerne bis nach Afrika kommen mit unseren Videos. Auf Youtube findet man unseren Kanal und unsere Website hat schon einigen geholfen bei der Reiseplanung. Nächstes Jahr werden wir ausserdem endlich unseren Afrikavortrag fertig haben.
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„Offenheit, Toleranz und den Mut, seine Träume zu verfolgen – das wollen wir hinterlassen.“