Greetings from Peru
GREETINGS FROM … sind kurze Field Notes. Friends of OLLI senden uns ihre Eindrücke von unterwegs.
Cusco, Peru. Es gibt Länder, die beeindrucken mit spektakulären Landschaften – und dann gibt es Länder, die einen tief im Herzen berühren. Peru ist für Anna und Michi beides. Zwischen uralten Kulturen, endlosen Hochebenen und unvergesslichen Begegnungen haben sie einmal mehr erlebt, dass die schönsten Erinnerungen oft nicht an berühmten Sehenswürdigkeiten entstehen, sondern durch die Menschen, denen man begegnet.
Hallo zusammen!
Wir sind Anna und Michi und das hier sind Grüße aus Cusco, Peru. Unterwegs sind wir mit Greeny, unserem selbstgebauten MB 1017, einem alten Feuerwehrlaster, den wir drei Jahre lang zu zweit von Grund auf neu aufgebaut haben. Pastell-grün, charmant, gemütlich eigentlich sollte er ein Büffel werden, aber ein grüner Büffel? Da blieb's dann beim Namen. Greeny ist längst ein vollwertiges Familienmitglied, low-budget-ausgebaut, wenig Schnickschnack, viel Charme. Wie ein Van, der irgendwann zu groß geworden ist.
Seit 2023 sind wir unterwegs, gestartet in Halifax, Kanada, seitdem rund 50.000 Kilometer durch Nord-, Zentral- und Südamerika. Irgendwann auf dem Weg wurden wir auch digitale Nomaden und helfen heute von unterwegs jungen Start-ups beim Wachsen, mal aus einem Tal heraus, mal von einer Hochebene auf 4.000 Metern.
Ich erinnere mich noch gut an einen Moment während des Aufbaus: Ich lag im Winter unter Greenys Bauch, schrubbte mit einer Zahnbürste und Bremsenreiniger den Unterboden, Fettklümpchen fielen mir ins Gesicht, und Bob Marley lief aus dem Lautsprecher. Ich sah Michi an und sagte: „Weißt du eigentlich, wie sehr ich dich liebe?" Kalt, dreckig, aber zufrieden.
Jetzt stehen wir in Cusco, auf einem Campingplatz, auf dem sich gefühlt alle Reisenden der Welt früher oder später treffen. Nachts leuchten die Lichter von Nueva Cusco die Berghänge hinauf, die Altstadt liegt tief unten im Kessel, und wenn der Wind richtig steht, hören wir die Gesänge vom Plaza de Armas noch bis zu uns herauf. Der Juni ist Perus Festmonat: Jeden Tag Paraden, bunte Trachten, Trommeln, Gesänge, Schreie, Lachen. Das Inti Raymi, das jahrtausendealte Sonnenfest der Inka, macht Cusco gerade zu einem einzigen, riesigen Fest.
Aber das Größte in Peru sind nicht die Monumente. Es sind die Menschen. Das haben wir schon in Mexiko gespürt, von der allerersten Minute an: ein Lächeln im Gesicht, obwohl viele weitaus weniger haben als wir. Eine Herzlichkeit, die man nicht kaufen und nicht spielen kann. In Guatemala hat uns das besonders berührt. Michi erwischte das Dengue-Fieber, und Maria, unsere Lehrerin an der Sprachschule, kümmerte sich um uns wie eine alte Freundin. Sie brachte uns Ponche, einen traditionellen guatemaltekischen Punsch aus Ananas, Kokosnuss und vielem mehr. Seitdem kochen wir ihn jedes Weihnachten selbst. Maria ist heute eine echte Freundin. Diese Art von Begegnungen ist der Grund, warum wir das alles machen.
Peru selbst hat uns mit seiner Kulturtiefe schlicht überwältigt. Chan Chan, die größte Adobe-Stadt der Welt, hat uns mehr bewegt als Machu Picchu. Man steht allein in der Wüste, vor sich ein kleines grünes Tal, und begreift langsam: Hier war einmal eine Weltstadt. Kein Rummel, keine Menschenmassen, nur Stille und Ehrfurcht. Am meisten ans Herz gegangen sind uns aber die Hochebenen: die Weite, der Wind, die Vicuñas und Lamas, die wie selbstverständlich durch die Landschaft ziehen.
💡 Wusstet ihr, dass in den peruanischen Hochebenen die meisten Hirten Frauen sind? Oft sieht man sie in ihren weit ausgestellten, bunten Röcken und traditionellen Hüten auf den windgepeitschten Puna-Flächen und was wie ein pittoreskes Bild wirkt, ist knallharte Arbeit. Sie hüten Lama- und Alpakaherden, verarbeiten die Wolle und tragen dabei eine Tracht, die seit Jahrhunderten nahezu unverändert geblieben ist. Stärke und Tradition in einem.
Bolivien wäre eigentlich unser nächstes Ziel gewesen, aber der aktuelle Ausnahmezustand macht das unmöglich. Wir sind ein bisschen traurig darüber, ehrlich gesagt. Stattdessen geht's jetzt weiter Richtung Chile und irgendwann bis ans Ende der Welt: Feuerland. Und danach? Nochmal rauf. Denn Bolivien holen wir uns auf dem Rückweg.
Hasta pronto, Anna & Michi Overlandbueffel 🦬
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