Weil manchmal genau das falsche Auto der Anfang von allem ist.
Es gibt diese Momente, die man sofort versteht, auch wenn man nie selbst dort war. Jemand erzählt von einer Reise durch Afrika, von Monaten unterwegs, von Staub, Hitze und Strassen, die irgendwann einfach verschwinden – und noch bevor es um Länder, Begegnungen oder Erlebnisse geht, taucht diese eine Frage auf, die immer kommt:
Mit was bist du gefahren?
Man erwartet keine Überraschung. Einen Toyota Land Cruiser vielleicht, oder einen Land Rover Defender. Fahrzeuge, die genau für solche Geschichten stehen, weil sie dafür gebaut wurden oder zumindest genau dafür gedacht sind.
Und dann sagt Nikolai Fromm einfach: "Ein BMW X3."
Keine Effekthascherei, kein Augenzwinkern, kein Versuch, daraus mehr zu machen, als es ist. Und genau deshalb bleibt es hängen. Weil es nicht ins Bild passt. Weil es dieses leise Unbehagen auslöst, dass man sich vielleicht zu sehr an dieses Bild gewöhnt hat.
„Mit einem Defender oder Land Cruiser kann ja jeder um die Welt fahren – und ich bin ja nicht jeder.“
Man kann das als Trotz lesen. Oder als kleine Spitze in Richtung Szene. Tatsächlich ist es etwas viel Ruhigeres. Es ist die Entscheidung, nicht erst dann anzufangen, wenn alles perfekt ist, sondern mit dem zu arbeiten, was da ist – und unterwegs herauszufinden, was wirklich fehlt.
Dieser Gedanke entsteht nicht in Afrika, sondern deutlich früher. Balkan, Griechenland, fünf Monate unterwegs, ohne Plan, ohne Setup, ohne den Anspruch, daraus eine große Geschichte zu machen. Der X3 ist zu diesem Zeitpunkt nichts Besonderes. Serienzustand, Sommerreifen, Alltag.
Und trotzdem reicht genau diese Reise, um etwas in Bewegung zu setzen. Kein Moment, den man festhalten könnte, eher eine Verschiebung im Denken. Die Erkenntnis, dass es weniger um das richtige Fahrzeug geht als um die Frage, ob man überhaupt losfährt.
Die naheliegende Reaktion wäre klar gewesen: Fahrzeug wechseln, aufrüsten, absichern. Mehr Bodenfreiheit, mehr Reserven, mehr von allem. Also sucht Niko. Vergleicht, testet, rechnet. „Nachdem die monatelange Suche und mehrere Probefahrten nicht erfolgreich waren, traf ich die Entscheidung, meinen X3 für die nächsten Reisen aufzurüsten und vorerst bei diesem Fahrzeug zu bleiben.“ Was danach kommt, ist keine klassische Abenteuergeschichte.
29.200 Kilometer. 19 Länder. 11 Monate.
Der Alltag ist einfacher, als man ihn sich vorstellt. Geschlafen wird im Auto, irgendwo draußen, nicht aus Prinzip, sondern weil es sich ergibt.
„Geschlafen habe ich zu 97 Prozent in meinem Auto, irgendwo in der Wildnis unter dem Sternenhimmel.“
Das klingt nach Freiheit. Ist es auch. Aber es ist gleichzeitig eine Form von Klarheit, die wenig Raum für Illusion lässt. Man ist näher dran. An den Orten. An den Situationen. An sich selbst.
Die Strecke führt durch alles, was Afrika ausmacht: losen Sand in der Sahara, schweren Matsch in Westafrika, steinige Tracks in Namibia, Küsten, Regenwald, Grenzen, die keine Kulisse sind. Und während sich die Bedingungen ständig verändern, passiert etwas, das man erst im Rückblick versteht.
Die Frage nach dem richtigen Fahrzeug verschwindet.
„Größere und problematische Pannen gab es nie wirklich.“
Was bleibt, sind Dinge, die auf jeder langen Reise passieren. Egal welches Auto man fährt. Drei schleichende Platten, einer selbst geflickt, zwei in kleinen Werkstätten unterwegs. Kein Drama. Keine Geschichten, die man aufblasen müsste.
Und dann dieser eine Moment, der alles hätte verändern können. Namibia. Sandwich Harbour. Dünen, die ins Meer laufen. Sand, der keine Fehler verzeiht. „Hier habe ich mir meinen Kühler zerschossen …“ Man könnte erwarten, dass es jetzt komplizierter, vielleicht auch spektakulärer wird.
Passiert nicht. „Dank eines Freundes konnte ich diesen innerhalb von 4 Stunden vor Ort und Stelle am Strand ausbauen und flicken.“ Vier Stunden im Sand. Mit dem, was da ist. Ohne großes Erzählen. „Anschließend habe ich die 30 Kilometer zur Asphaltstraße wieder heile zurück geschafft.“ Und weiter.
Der X3 wird unterwegs nicht zu etwas anderem. Er bleibt ein SUV. Aber er bekommt ein anderes Gewicht. „Der X3 kann viel mehr als man ihm ansieht, und oft wird man deshalb auch belächelt – aber nur von Leuten, die noch nie einen gefahren sind.“ Das ist kein Fazit. Es ist das, was übrig bleibt, wenn man lange genug unterwegs war, um nicht mehr über Theorie zu sprechen.
Am Ende steht Kapstadt. Ein Flughafen. Der Rückflug nach Deutschland. Das Auto folgt später per Schiff. „Ich habe den X3 von Südafrika nach Rotterdam verschiffen lassen, denn ich brauche ihn noch für meine nächsten Trips.“ Und dann dieser eine Satz: „Jetzt gebe ich ihn erst recht nicht mehr her!“
Skandinavien. Tadschikistan. Keine großen Pläne, eher eine Richtung, die sich einfach fortsetzt. Am Ende bleibt nicht die Frage, ob das das richtige Auto war. Die Antwort darauf ist längst gegeben.
Spannender ist, wie viele dieser Reisen nie stattfinden, weil man sich vorher einredet, dass noch etwas fehlt. Dass man noch nicht so weit ist. Dass es ein besseres Fahrzeug braucht. Und wie oft genau dort alles stehen bleibt. Niko ist einfach gefahren.
Im Gespräch erzählt er, wie es wirklich war – unterwegs, allein, ohne Plan B.
Zum Interview mit Nikolai Fromm
Folge Nikolai auf: