29.200 Kilometer, 19 Länder, 11 Monate unterwegs. Und ein Auto, das dafür eigentlich niemand auf dem Zettel hat.
2024 startet Nikolai Fromm in Deutschland und fährt los. Über den Balkan und durch Europa geht es nach Afrika – und von dort weiter über Westafrika bis nach Südafrika. Nach Tausenden Kilometern hätte die Reise enden können – stattdessen fährt er weiter. Heute blickt er auf 29’200 Kilometer durch 19 Länder zurück. Unterwegs in einem BMW X3 von 2006.
Zur Story: Mit einem BMW X3 durch Afrika
Wir sprechen mit Menschen, die ihr Leben anders leben – bewusst, mutig, manchmal radikal. Nicht, um zu beeindrucken. Sondern um zu inspirieren, zu hinterfragen und zu zeigen: Es geht auch anders. Und das ist okay.
Hier geht es nicht um Floskeln. Sondern um echte Antworten auf die Fragen, die man sich stellt, wenn es ruhig wird und nur noch das bleibt, was wirklich zählt. Denn wer unterwegs ist, hat etwas zu erzählen – und oft mehr zu geben, als er selbst denkt.
Niko & sein BMW X3 – 29.200 Kilometer durch Afrika, allein unterwegs, ohne zu wissen, wo es endet.
Wir haben mit ihm darüber gesprochen, warum er nicht auf das „richtige“ Fahrzeug gewartet hat, was unterwegs wirklich zählt – und was passiert, wenn man einfach losfährt.
Durch Afrika mit einem BMW X3. Echt jetzt? Was sagt das über dich aus – Sturheit, Optimismus oder einfach: „Ich mach halt“?
Herausforderung, Abenteuer und Mut zu etwas Neuem. Mit einem Defender oder Land Cruiser kann ja jeder um die Welt fahren – und ich bin ja nicht jeder. Das war mein Motto. Der X3 kann viel mehr, als man ihm ansieht. Oft wird man deshalb auch belächelt – aber nur von Leuten, die noch nie einen gefahren sind.
Warum Afrika? Und warum genau dieser X3 – war das Plan oder eher: „Der steht halt da“?
Wirklich geplant war das alles nie. Am Anfang wollte ich einfach ausprobieren, ob mir diese Art zu reisen überhaupt liegt – und ich hatte den X3 sowieso schon.
Nach der ersten fünfmonatigen Reise durch den Balkan bis nach Griechenland wollte ich mir eigentlich ein geländegängigeres Auto anschaffen. Der X3 war zu dem Zeitpunkt noch komplett Serie, mit Sommerreifen. Ich habe dann monatelang gesucht und verschiedene Fahrzeuge probegefahren – aber am Ende hat mich nichts wirklich überzeugt. Also habe ich entschieden, den X3 umzubauen und vorerst dabei zu bleiben.
Gab’s unterwegs Pannen? Und konntest du die vor Ort lösen – oder wurde improvisiert?
Größere Probleme gab es eigentlich nie. Dreimal hatte ich einen schleichenden Platten – einmal habe ich ihn direkt am Straßenrand selbst geflickt, die anderen beiden Male in einer Werkstatt für ein paar Euro.
In Namibia, am Sandwich Harbour, habe ich mir dann den Kühler zerschossen. Mit Hilfe eines Freundes konnte ich ihn innerhalb von vier Stunden direkt am Strand ausbauen und flicken. Danach bin ich die 30 Kilometer zurück zur Asphaltstraße gefahren – und weiter ging’s.
Gab es Momente, in denen du dachtest: „Das war jetzt vielleicht keine gute Idee“?
Ja, eine Situation hätte richtig schiefgehen können. Die Straße nach Jaunde in Kamerun war im Bau, es gab immer wieder Umleitungen durch den Busch. Es hat stark geregnet, und bei einer dieser Umleitungen stand plötzlich alles unter Wasser.
Ich bin langsam hineingefahren, weil ich davon ausgegangen bin, dass andere Fahrzeuge da auch durchkommen. Nach ein paar Metern ging es plötzlich steil nach unten, und das Wasser schwappte über die Motorhaube. Ich habe sofort den Motor ausgemacht, damit er kein Wasser ansaugt. Das Wasser stand schon fast im Innenraum. Es hat weiter geregnet. Nach ein paar Sekunden habe ich mir die Situation angeschaut und es dann geschafft, rückwärts wieder rauszufahren.
Welches Land hat dich im Nachhinein am meisten beeindruckt?
Überrascht hat mich nichts komplett, weil ich mich vorher gut informiert hatte. Aber meine Highlights waren Marokko, Ghana, Angola und Namibia. Dort habe ich auch die meiste Zeit verbracht – und die besten Fotos gemacht.
Du warst allein unterwegs. Bewusst so gewählt?
Ja. Ich reise schon immer alleine und bin das gewohnt. Ich brauche diese Freiheit und Unabhängigkeit. Meine Reisen haben immer auch ein gewisses Risiko, das gehört für mich dazu.
Wovor hattest du am meisten Respekt – vor der Strecke, vor den Menschen oder vor dir selbst?
Am Anfang hatte ich tatsächlich eher Bedenken, nicht genug zu essen zu finden. Das hat sich schnell erledigt. In fast jeder größeren Stadt gibt es Supermärkte, in denen man alles bekommt.
Die größte Herausforderung war eine andere: die Strecke von Nigeria nach Kamerun. Es gibt dort nur wenige Möglichkeiten, und alle sind anspruchsvoll. Ich bin über eine Hochebene gefahren, etwa 100 Kilometer, mit den schwierigsten Straßenverhältnissen der ganzen Reise. Dafür habe ich vier Tage gebraucht. Am Ende habe ich die Strecke aber ohne Schäden am Fahrzeug geschafft.
Sicherheit ist ein großes Thema, wenn es um Afrika geht. Was davon stimmt – und was nicht?
Ich hatte keine großen Bedenken, weil ich vorher schon länger in Ghana gelebt und gereist bin. Man hört immer viele negative Dinge, aber das entspricht oft nicht der Realität. Ich sage immer: Es ist wahrscheinlicher, in Frankfurt abgestochen zu werden, als in Afrika.
Auf der ganzen Reise hatte ich keine gefährlichen Situationen oder Zwischenfälle. Es kommt viel darauf an, wie man selbst auftritt und mit den Menschen umgeht.
Würdest du es wieder machen – und wieder mit dem X3?
Auf jeden Fall. Auch mit dem X3. Ich habe jetzt noch mehr Vertrauen in das Auto und weiß genau, was er kann und wo ich aufpassen muss.
Was ist aus dem X3 geworden?
Ich habe ihn von Südafrika nach Rotterdam verschiffen lassen. Ich brauche ihn noch für die nächsten Reisen – ich gebe ihn jetzt erst recht nicht mehr her. Die nächsten Pläne nehmen langsam Form an. Skandinavien. Tadschikistan.
Zum Schluss: Was bedeutet „One Life. Live it.“ für dich?
Einfach machen. Nicht zu lange überlegen, nicht warten, bis alles perfekt ist. Losfahren, Erfahrungen sammeln und den eigenen Weg gehen.
Folge Nikolai auf: