Ella und Charlotte, bekannt als Two Kiwi Birds, reisen in einem Toyota Land Cruiser Troop Carrier von 2003 durch die Welt. Ihren „Blue“ fanden sie mit gerade einmal 69.000 Kilometern in Neuseeland, bauten ihn während acht Monaten zum Reisefahrzeug aus und machten sich auf den Weg.
Heute gehören Berge, Kletterfelsen, wilde Stellplätze, griechische Strände und gelegentlich auch eine ziemlich schiefe Nacht im schottischen Schlamm zu ihrem Alltag. Nebenbei studieren beide online, Charlotte arbeitet remote – und gemeinsam beweisen sie ziemlich überzeugend, dass man nicht auf den perfekten Zeitpunkt warten muss.
In den OLLI Stories sprechen wir mit Menschen, die ihr Leben anders leben – bewusst, mutig und auf ihre ganz eigene Art. Keine Floskeln. Kein Hochglanz. Sondern ehrliche Antworten auf die Fragen, die man sich erst stellt, wenn das Lagerfeuer brennt und der Smalltalk vorbei ist. Geschichten, die zeigen: Es geht auch anders.
"Girls can do anything."
Die Idee, nach dem Studium nicht einfach in den normalen Alltag einzusteigen, war bei Ella und Charlotte schon lange da. Während der Uni sprachen die beiden immer wieder darüber, nach dem Abschluss etwas Radikales, Herausforderndes zu machen. Gespart wurde schon während des Studiums. Aber eine Idee ist noch keine Reise. Dann kauften sie Blue.
Wir haben mit Ella und Charlotte darüber gesprochen, wie es ist, als zwei junge Frauen in einem alten Toyota durch die Welt zu reisen, warum weniger Planung manchmal der bessere Plan ist – und weshalb Angst ein ziemlich schlechter Reiseleiter wäre.
Wer steckt hinter Two Kiwi Birds?
Wir sind Ella und Charlotte aus Neuseeland, beste Freundinnen, Abenteuerfans und inzwischen ziemlich daran gewöhnt, auf wenigen Quadratmetern miteinander zu leben. Wir lieben Klettern, Bergsteigen, gutes Essen und eigentlich alles, was draußen stattfindet. Unterwegs reisen wir in unserem Toyota Land Cruiser Troop Carrier „Blue“, arbeiten und studieren online und versuchen, möglichst viel Zeit abseits der klassischen Touristenrouten zu verbringen.
Ursprünglich wollten wir bis in die Mongolei fahren. Irgendwann haben wir allerdings festgestellt, dass wir lieber Berge besteigen und länger an einem Ort bleiben, als jeden Tag stundenlang im Auto zu sitzen. Also haben wir den Plan geändert. Die Mongolei läuft uns nicht weg.
Könnt ihr euch noch an den Moment erinnern, in dem ihr wusstet: „Wir machen das jetzt.“?
Wir wussten eigentlich immer, dass wir nach dem Studium wegwollten und etwas machen wollten, das ein bisschen radikal und herausfordernd ist. Während der Uni haben wir ständig darüber gesprochen und gleichzeitig gespart. Aber wirklich real wurde es erst, als wir Blue gekauft hatten und der Ausbau innen und außen langsam Form annahm. Da gab es diesen Moment: „Wow. Okay … das passiert jetzt wirklich.“
Welcher Satz oder Gedanke hat euer Leben verändert?
„Girls can do anything.“ Ein einfacher Satz, aber wir haben immer daran geglaubt. Er prägt auch die Art, wie wir an Abenteuer herangehen.Wenn wir etwas machen wollen, finden wir heraus, wie wir es möglich machen.
Wie haben eure Familien und Freunde reagiert?
Unsere Familien waren natürlich etwas besorgt, was wir auch verstehen können. Insgesamt haben sie uns aber unglaublich unterstützt. Es gab definitiv ein paar „Seid ihr euch da wirklich sicher?“-Momente. Trotzdem haben sie immer hinter uns gestanden und uns ermutigt.
Wer von euch musste eigentlich wen überzeugen?
Niemand niemanden. Wir lieben beide Abenteuer und konnten es kaum erwarten, endlich loszukommen. Ella ist eher der Typ: „Komm, wir machen das einfach und finden unterwegs heraus, wie es funktioniert.“ Charlotte ist eher: „Moment. Vielleicht sollten wir wenigstens so etwas Ähnliches wie einen Plan haben.“ Eigentlich eine ziemlich gute Kombination.
Was war das Schwierigste daran, tatsächlich loszufahren?
Das Losfahren selbst war beängstigend. Es war unsere erste wirklich große Reise, die uns so weit von zu Hause wegführte. Und Neuseeland liegt nun einmal nicht gerade um die Ecke. Man fliegt nicht mal eben übers Wochenende nach Hause. Wir wussten, dass wir unsere Familien und Freunde sehr lange nicht sehen würden. Als wir tatsächlich den Schlüssel umdrehten, wurde plötzlich alles real. Es war eine seltsame Mischung aus Vorfreude, Nervosität und Traurigkeit.
Aber wir wussten: Wir sind bereit.
„Wenn wir etwas machen wollen, finden wir heraus, wie wir es möglich machen.“
Womit seid ihr unterwegs – und warum ausgerechnet damit?
Mit einem Toyota Land Cruiser Troop Carrier von 2003. Wir haben Blue gebraucht in Neuseeland gefunden – mit gerade einmal 69.000 Kilometern auf dem Tacho. Der ursprüngliche Besitzer hatte ihn gekauft, weil er mit seiner Frau durch Afrika reisen wollte. Dazu kam es allerdings nie. Er baute das Auto nicht aus, die Reise fand nicht statt – und der Land Cruiser stand mehr als zehn Jahre praktisch unberührt in seiner Garage. Als wir die Anzeige sahen, dachten wir sofort: Der ist perfekt.
Der Ausbau dauerte ungefähr acht Monate. Einen Teil haben wir selbst gemacht, andere Arbeiten haben wir vergeben. Dass es ein Toyota werden sollte, war ziemlich bewusst entschieden. Der Ruf dieser Fahrzeuge in Sachen Zuverlässigkeit ist schwer zu schlagen.
Wir wollten außerdem ausdrücklich das ältere Modell mit dem 4,2-Liter-Dieselmotor und nicht den V8. Unsere Überlegung war simpel: Je einfacher die Technik, desto größer die Chance, unterwegs jemanden zu finden, der sie reparieren kann – und desto leichter sollten Ersatzteile aufzutreiben sein.
Was wäre ohne Blue wahrscheinlich nie passiert?
Fast alles. Wir reden oft darüber, wie glücklich wir uns schätzen, so viel Zeit draußen verbringen zu können und wirklich in der Natur zu leben. Blue gibt uns die Freiheit, irgendwo völlig abgelegen aufzuwachen, den ganzen Tag draußen unterwegs zu sein und am Abend einen schönen Platz zu unserem Zuhause für die Nacht zu machen.
Wir glauben beide sehr daran, wie gut es einem tut, viel Zeit draußen und in der Natur zu verbringen. Ohne Blue würden wir Reisen vollkommen anders erleben.
Wie reagieren die Menschen auf euer Auto?
Die meisten sind schon überrascht, irgendwo auf der Welt plötzlich ein Fahrzeug aus Neuseeland zu sehen. Dann kommen die Fragen: Wie habt ihr das Auto hierherbekommen? Wo seid ihr gestartet? Wo wollt ihr hin? Und wenn die Leute merken, dass da zwei junge blonde Frauen am Steuer sitzen, wird es meistens noch interessanter. Blue ist ein ziemlich guter Gesprächsöffner. Wir haben dadurch unglaublich viele Menschen kennengelernt.
Was liebt ihr an Blue – und was bringt euch zur Verzweiflung?
Wir lieben die Streifen. Sie geben ihm diesen coolen Vintage-Look. Unser Lieblingsdetail ist aber wahrscheinlich das Hubdach. Wenn man dauerhaft in einem Auto lebt, fühlt es sich plötzlich wie purer Luxus an, drinnen tatsächlich stehen oder vernünftig sitzen zu können. Spätestens im schottischen Winter waren wir dafür ziemlich dankbar.
Weniger großartig: Blue ist ziemlich kopflastig. Wenn eine 4x4-Piste seitlich abfällt, werden wir entsprechend nervös. Unsere größte Angst ist, ihn umzuwerfen. Es gab durchaus Situationen, in denen wir beide im Auto saßen und dachten: „Okay … wie viel weiter kann der sich eigentlich noch neigen?“ Und Momente, in denen eine von uns rausgesprungen ist und sich als letzte verzweifelte Maßnahme auf eine Ecke des Bullbars gehängt hat.
Würdet ihr heute wieder genau dieses Fahrzeug wählen?
Absolut. Blue hat uns bisher nie im Stich gelassen. Er passt perfekt zu unserer Art zu reisen. Wir können damit abseits der normalen Routen unterwegs sein, haben alles dabei, was wir brauchen, und inzwischen ist er unser kleines Zuhause auf Rädern. Wir könnten uns diese Reise kaum in einem anderen Fahrzeug vorstellen.
Obwohl: Ein Elektroauto wäre beim Thema Dieselkosten vielleicht keine ganz schlechte Idee gewesen ...
„Wir wollen nicht, dass Angst uns davon abhält, die Welt zu erleben.“
Wie sieht ein normaler Tag unterwegs aus?
Wir stehen meistens ziemlich früh auf, ungefähr um sechs, trinken ein paar Kaffee und gehen erst einmal laufen. Je nachdem, wo wir gerade sind, verbringen wir den Tag beim Wandern, Klettern oder am Strand. Im europäischen Sommer inzwischen definitiv häufiger Letzteres. Wir versuchen, spätestens gegen 18 Uhr einen Schlafplatz gefunden zu haben, damit noch etwas Zeit bleibt, den Abend zu genießen.
Wir stehen zu 99 Prozent wild. Einen geeigneten und vor allem halbwegs ebenen Platz zu finden, kann deshalb manchmal eine ziemliche Mission werden. Gekocht wird fast immer selbst. Wir sind beide echte Foodies – entsprechend gehört das Abendessen meistens zu den Höhepunkten des Tages.
Wo seid ihr viel länger geblieben als ursprünglich geplant?
Eigentlich war unser Ziel die Mongolei. Unterwegs haben wir allerdings eine gewisse Sucht nach dem Bergsteigen entwickelt. Gleichzeitig merkten wir, dass uns langsames Reisen sehr viel besser gefällt, als jeden Tag stundenlang im Auto zu sitzen. Irgendwann haben wir beschlossen, das große Endziel kleiner zu machen. Wir wollten die Reise erleben und nicht ständig nur dem nächsten Ziel hinterherfahren.
Nächstes Jahr wollen wir wieder anknüpfen. Dann haben wir hoffentlich mehr Zeit – und vielleicht schaffen wir es tatsächlich bis in die Mongolei.
Erzählt uns von einer Nacht, die ihr nie vergessen werdet.
In der Nähe von Ullapool in Schottland haben wir Blue beim Offroaden komplett im Schlamm versenkt. Es wurde langsam dunkel und es war offensichtlich, dass wir uns aus eigener Kraft nicht mehr befreien würden. Also blieb nur eine Möglichkeit: dort schlafen, wo wir feststeckten. Blue stand unglaublich schief, aber irgendwie haben wir es geschafft, die Nacht darin zu verbringen. Am nächsten Morgen kam ein Abschleppwagen und zog uns heraus. Nicht unbedingt die bequemste Nacht unseres Lebens. Heute aber eine ziemlich gute Geschichte.
Wann habt ihr gedacht: „Was zur Hölle machen wir hier eigentlich?“
Als wir beschlossen haben, drei Nächte mitten in London zu campen. Wir standen in Clapham und Tooting vor den Häusern von Freunden. Wir wollten sie besuchen und Urban Camping erschien uns als die günstigste Übernachtungsmöglichkeit. Als wir dann auf der Straße unser Abendessen gekocht und unser Camp aufgebaut haben, gab es einige ziemlich irritierte Blicke. Da haben wir uns schon angeschaut und gedacht: „Was zur Hölle machen wir eigentlich?“ Wir sind damit durchgekommen.
Und wann dachtet ihr genau das Gegenteil: „Genau deshalb machen wir das.“?
Als wir Mitteleuropa hinter uns gelassen hatten und weiter Richtung Osten fuhren. Mitteleuropa ist wunderschön, aber Wildcampen ist in einigen Regionen nicht ganz einfach – und der Diesel war auch nicht gerade billig. Dann kamen wir nach Griechenland. Wir konnten Blue direkt an unglaubliche Strände fahren und hatten einige dieser Plätze fast vollständig für uns. Später haben wir Blue sogar auf Fähren mit auf verschiedene griechische Inseln genommen.
Wenn du morgens die Tür öffnest und vor dir liegt praktisch dein eigener Strand, dann schaust du dich an und weißt: Genau deshalb machen wir das.
„Einige der besten Erlebnisse passieren genau dann, wenn man keine Ahnung hat, was als Nächstes kommt.“
Welche Geschichte glaubt euch zu Hause kaum jemand?
Wahrscheinlich, dass wir mitten in London im Auto gewohnt haben. Oder dass wir Blue mit auf einige der griechischen Partyinseln genommen haben. Wir standen mit unserem Land Cruiser zwischen Beach Clubs, gingen abends feiern und kamen anschließend zurück, um in unserem Truck zu schlafen. Das sorgt regelmäßig für Lacher und Kommentare à la: „Ihr seid doch verrückt.“
Welchen Zwischenfall findet ihr heute lustig?
Unsere ersten Versuche im Gelände. Es gab Situationen, in denen wir überzeugt waren, dass wir komplett feststecken. Bis wir feststellten, dass wir schlicht vergessen hatten, die Freilaufnaben zu verriegeln. Damals etwas peinlich. Heute ziemlich lustig.
Was war die teuerste Lektion eurer Reise – nicht nur finanziell?
Plane niemals zu weit voraus. Irgendwie scheint genau dann etwas kaputtzugehen oder sich der komplette Plan zu ändern, wenn man etwas lange im Voraus gebucht und bereits bezahlt hat. Das ist uns inzwischen ein paar Mal passiert. Also bleiben wir heute möglichst flexibel und schauen, was kommt.
Was würdet ihr heute komplett anders machen?
Vielleicht doch die Elektroversion kaufen. Unser Dieselbudget würde sich freuen. Aber ernsthaft: Eigentlich würden wir nicht viel ändern. Viele unserer Fehler und Missgeschicke sind heute unsere besten Geschichten. Dinge unterwegs herauszufinden, gehört für uns inzwischen einfach zum Abenteuer.
„Wir probieren lieber etwas aus, machen ein paar Fehler und haben anschließend großartige Geschichten zu erzählen.“
Gab es Menschen unterwegs, die euch geholfen haben, obwohl sie überhaupt keinen Grund dazu hatten?
Ständig. Vielleicht haben wir einfach Glück. Oder wir sind ziemlich gut darin, wie zwei hilflose Frauen auszusehen. Während wir diese Antworten schreiben, kommen wir gerade aus einer kleinen Werkstatt an der türkischen Schwarzmeerküste. Wir wollten bei Blue Öl und Ölfilter wechseln lassen. Die Männer dort hätten kaum herzlicher sein können. Sie haben uns ständig Essen und Getränke angeboten, wollten viel zu wenig Geld für ihre Arbeit und haben uns am Ende sogar noch zusätzliches Campinggas mitgegeben. Wir waren dort einfach zwei Fremde, die unangekündigt in ihre Werkstatt gefahren sind. Und trotzdem haben sie uns so behandelt. Genau solche Erlebnisse bleiben hängen. Sie erinnern uns immer wieder daran, wie viele unglaublich gute Menschen es da draußen gibt.
Gab es eine Begegnung, die eure Sicht auf die Welt verändert hat?
Nicht diese eine große Begegnung. Es ist eher die Summe. Immer wieder haben uns völlig fremde Menschen geholfen, ohne dafür etwas zu erwarten. Wenn man durch unbekannte Länder reist, kann sich das vorher manchmal beängstigend anfühlen. Unterwegs wurden wir aber immer wieder daran erinnert, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen gut ist – und helfen möchte.
Wie finanziert ihr dieses Leben?
Wir haben beide vor unserer Abreise in Neuseeland ziemlich konsequent gespart. Damit hatten wir eine solide Grundlage für die Reise. Charlotte arbeitet außerdem in Teilzeit remote und wir studieren beide während der Reise Vollzeit online. Wir gehören offensichtlich zu den Menschen, die gerne beschäftigt sind und das Gefühl brauchen, auf irgendetwas hinzuarbeiten.
Langfristig würden wir gerne auch mit unserem Social-Media-Kanal Geld verdienen und damit einen Teil dieses Lebens finanzieren. Das ist definitiv eines unserer Ziele.
Was ist unterwegs echter Luxus, obwohl es nichts kostet?
Connectivity. Wir hatten vor der Abreise darüber nachgedacht, Starlink in Blue einzubauen. Am Ende war das kaum notwendig. Mit 5G können wir uns an überraschend vielen Orten verbinden. Dass wir von ziemlich abgelegenen Plätzen arbeiten und studieren können, fühlt sich für uns wie ein riesiger Luxus an. Ohne diese Infrastruktur wäre unser Lebensstil kaum möglich.
Und: Spotify-Hörbücher. Ein gutes Hörbuch herunterladen und gemeinsam an einem langen Fahrtag hören – inzwischen einer unserer liebsten kleinen Luxusmomente.
Was ist das Schönste daran, gemeinsam unterwegs zu sein?
Wir lachen eigentlich ständig über irgendetwas oder planen schon das nächste lächerliche Video. Es hilft natürlich, dass wir so viele Interessen teilen: Klettern, gutes Essen, draußen sein und das nächste Abenteuer suchen. Wenn deine beste Freundin dabei ist, machen sogar die ganz normalen Tage Spaß.
Und was ist manchmal richtig beschissen?
Ein Kater, wenn man in einem Truck lebt. Und Wäsche waschen. An beidem ist wirklich überhaupt nichts glamourös, wenn dein gesamtes Zuhause nur ein paar Quadratmeter groß ist.
Worüber streitet ihr?
Wer abwäscht. Egal wie oft wir das Geschirr machen: Irgendwie wartet schon wieder die nächste Ladung.
Wäre die Reise alleine anders?
Völlig. Wir glauben, dass es manchmal unglaublich einsam wäre. Gerade weil wir gerne die touristischen Orte verlassen und irgendwo abseits unterwegs sind. Genau das macht Reisen für uns spannend, kann aber gleichzeitig ziemlich isolierend sein. Die beste Freundin neben sich zu haben, ist dann ein riesiges Geschenk. Egal ob gerade alles schiefgeht oder man irgendwo sitzt und denkt: „Wie verdammt viel Glück haben wir eigentlich?“ – wenn jemand diesen Moment mit dir teilt, wird er besser. Geteilte Erinnerungen sind einfach wertvoller.
„Fang klein an. Mach etwas, das dir ein bisschen Angst macht. Geh raus. Und schau, wohin es dich führt.“
Welche Frage könnt ihr wirklich nicht mehr hören?
„Ist es nicht gefährlich, so als zwei Frauen herumzureisen?“ Wir verstehen, warum die Leute fragen. Aber ja: Wir hören diese Frage ziemlich oft.
Was glauben viele Menschen über euer Leben, obwohl es nicht stimmt?
Dass es unglaublich gefährlich sein muss, wenn zwei Frauen alleine durch die Welt reisen. Natürlich gibt es Risiken. Wie überall. Und wir sind nicht naiv. Aber wenn man vernünftige Vorsichtsmaßnahmen trifft, seinem Bauchgefühl vertraut und kluge Entscheidungen darüber trifft, wohin man fährt und wo man übernachtet, kann man sehr viel dafür tun, sicher unterwegs zu sein. Wir wollen nicht, dass Angst uns davon abhält, die Welt zu erleben. „Wir wollen nicht, dass Angst uns davon abhält, die Welt zu erleben.“
Was romantisiert Social Media am Reisen?
Dass man jeden Morgen an einem unglaublichen Ort aufwacht und sofort ins nächste Abenteuer startet. Manchmal braucht man schlicht einen freien Tag. Oder einen verkaterten Tag, an dem man im Campingstuhl sitzt und überhaupt nichts macht. Uns geht es unterwegs nicht jeden Tag großartig. Wir haben schlechte Tage und Tage, an denen wir uns beschissen fühlen – genau wie alle anderen.
Und in einem Truck zu leben kann anstrengend sein. Wenn du krank oder völlig erschöpft bist und weder ein richtiges Bett noch ein Badezimmer oder viel Privatsphäre hast, ist das ziemlich mies.
Social Media zeigt die epischen Wanderungen, die wunderschönen Stellplätze und Sonnenuntergänge. Dazwischen liegen jede Menge ziemlich unglamouröse Tage.
Was hat euch das Reisen beigebracht, das keine Schule der Welt vermitteln könnte?
Wie viel ein kleines bisschen Freundlichkeit bewirken kann. So viele völlig fremde Menschen haben uns geholfen, willkommen geheißen oder einfach versucht, unseren Tag ein bisschen besser zu machen – obwohl sie überhaupt nichts davon hatten. Wir haben dadurch verstanden, wie viel selbst eine winzige Geste für einen anderen Menschen bedeuten kann. Das wollen wir mitnehmen. Egal, wohin wir noch fahren.
Welche Meinung hattet ihr vor der Reise und würdet heute das Gegenteil behaupten?
Dass man alles geplant haben muss, bevor man losfährt. Früher hielten wir einen soliden Plan für die vernünftige Art zu reisen. Heute wissen wir, dass einige der besten Erlebnisse genau dann passieren, wenn man keine Ahnung hat, was als Nächstes kommt. Die Freiheit, spontan die Richtung zu ändern, länger irgendwo zu bleiben oder den kompletten Plan über den Haufen zu werfen, gehört inzwischen zu unseren liebsten Dingen am Reisen.
Welchen Satz würdet ihr euch selbst vor der Abreise mitgeben?
Alles dauert viel länger, als du glaubst. Also mach langsamer, lass Platz für Dinge, die schiefgehen werden, und versuche nicht, zu viel in zu wenig Zeit zu packen.
Wann denkt ihr: „Verdammt, was haben wir für ein Glück?“
Eigentlich ständig. Und meistens braucht es dafür gar nichts Spektakuläres. Vielleicht sitzen wir nach einem langen Tag einfach draußen vor Blue, essen unser Abendessen, schauen uns um und realisieren: Das hier ist heute unser Zuhause.
Es gab so viele Momente, in denen wir uns angesehen und gefragt haben: „Wie kann das eigentlich wirklich unser Leben sein?“
An einem neuen Ort aufzuwachen, unsere Tage draußen mit Dingen zu verbringen, die wir lieben, und all das mit der besten Freundin teilen zu können – das nehmen wir definitiv nicht als selbstverständlich hin.
Was bedeutet für euch „One Life. Live It.“?
Nicht auf den „perfekten“ Zeitpunkt zu warten, um die Dinge zu tun, die man wirklich tun möchte. Es wird immer Gründe geben, nicht loszufahren. Geld. Arbeit. Nervosität. Die Meinung anderer Menschen. Aber man hat tatsächlich nur dieses eine Leben.
Wir probieren lieber etwas aus, machen dabei ein paar Fehler und haben anschließend großartige Geschichten zu erzählen, als irgendwann zurückzublicken und uns zu wünschen, wir wären ein bisschen mutiger gewesen.
Wenn jemand eure Geschichte liest und dadurch selbst den Mut findet loszufahren – was möchtet ihr dieser Person sagen?
Sei mutig und geh raus. Und glaube nicht alles, was du online liest. Bevor wir losgefahren sind, haben wir gemerkt, dass viele Artikel und Geschichten natürlich von den schlimmsten Szenarien handeln. Dadurch kann die Welt viel beängstigender wirken, als sie tatsächlich ist. Natürlich soll man recherchieren, Vorsichtsmaßnahmen treffen und seinen gesunden Menschenverstand benutzen. Aber lass nicht die Angst alle Entscheidungen treffen.
Unsere Reise hat uns immer wieder gezeigt, dass die meisten Menschen wirklich gut, freundlich und hilfsbereit sind. Und Abenteuer muss nicht so aussehen wie unseres. Du musst keinen Geländewagen um die halbe Welt verschiffen. Du musst nicht alles kündigen.
Fang klein an. Mach etwas, das dir ein bisschen Angst macht. Geh raus. Und schau, wohin es dich führt.
Für uns bestand eine der wichtigsten Lektionen darin, häufiger Ja zu sagen, sich weniger Gedanken darüber zu machen, ob schon alles geklärt ist – und Dinge einfach auszuprobieren.
„Girls can do anything“ war immer ein Motto für uns.
Wenn unsere Reise auch nur eine andere Person dazu bringt, an sich zu glauben und das Abenteuer anzugehen, von dem sie schon lange träumt – insbesondere eine andere junge Frau –, dann wäre das ziemlich großartig.
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