Jolisa: 60 Jahre altes Tuk Tuk. 1000 Pannen und unendlich viel Optimismus.

Jolisa: 60 Jahre altes Tuk Tuk. 1000 Pannen und unendlich viel Optimismus.

Ein 60 Jahre altes Tuk Tuk, das schon bei der ersten Testfahrt nach einem Kilometer liegen bleibt. Ein Auspuff, der in acht Tagen viermal bricht. Und Jolisa van Leeuwen, die trotzdem Richtung Pakistan aufbricht. Sie hat einen ziemlich eigenen Kopf, jede Menge Humor und offenbar ein besonderes Talent dafür, unterwegs liegen zu bleiben. Zum Glück. Denn die besten Geschichten beginnen manchmal genau dort, wo nichts mehr geht.

OLLI Friends sind Menschen, die rausgehen und ihr eigenes Ding machen. Wir erzählen ihre Geschichten – vom Unterwegssein, vom Ankommen und von allem, was dazwischen passiert.

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Erzähl mal, wer bist du? Und was machst du, wenn du nicht gerade mit deinem Tuk Tuk unterwegs bist?

Ich bin Jolisa van Leeuwen und habe mich mit 17 Jahren ins Reisen und in die Berge verliebt. Seitdem habe ich meine freie Zeit und mein Geld fürs Reisen ausgegeben. Ich habe auf Google Maps nach Orten mit Bergen gesucht – und genau dorthin bin ich gefahren.

Mein Geld verdiente ich mit der Organisation von Festivals. Zwischen den Projekten war ich so oft wie möglich unterwegs und entdeckte neue Orte. Irgendwann begann ich, als Reiseleiterin zu arbeiten. Neben Abenteuerreisen begleitete ich auch Reisen für Menschen mit Lernbehinderung. Und genau das mache ich am allerliebsten!

Als ich während der Corona-Pandemie meine freiberufliche Arbeit in der Festival- und Reisebranche verlor, kauften meine Schwester, zwei Freundinnen und ich einen englischen Doppeldeckerbus aus den 70er-Jahren und bauten ihn zu einem fahrenden Hostel um.

Heute, fünf Jahre später, organisieren meine Schwester und ich noch immer jedes Jahr aktive Reisen und Roadtrips in ein anderes Land. Wir organisieren sowohl „reguläre“ Reisen als auch Reisen für Menschen mit Lernbehinderung und für Menschen mit Sehbehinderung.

Wir denken gerne in Möglichkeiten und überlegen uns, was wir für Menschen organisieren können, die normalerweise weniger Möglichkeiten zur Auswahl haben. Und außerdem können wir selbst unglaublich viel von ihnen lernen!

"Nicht aufzugeben ist eine Sache. Zu erkennen, wann es Zeit für Plan B ist, eine andere."



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Erinnerst du dich an den Moment, in dem du wusstest: „Ich mache das wirklich“? Mit einem Tuk Tuk!

Ich war schon einmal im Iran und habe das Land absolut geliebt. Seitdem wusste ich, dass ich mehr von dieser Region sehen wollte – und dass ich auf dem Landweg dorthin reisen wollte.

Zuerst dachte ich, ich würde die Reise mit unserem Doppeldeckerbus machen. Als ich mich aber genauer mit der Route beschäftigte, wurde mir schnell klar, dass ich auf dieser Reise keine Gäste dabei haben wollte – egal, wie sehr ich sie mag. Ich wollte einfach für niemanden verantwortlich sein. Das hätte mir mein Gefühl von Freiheit genommen.

Der Plan, nach Pakistan zu reisen, stand also fest. Jetzt musste ich nur noch das richtige Fahrzeug finden. Ich wusste, dass ich ein sehr offenes Fahrzeug wollte, das keine Grenze zwischen mir und meiner Umgebung schafft. In einem Auto oder Van hat man immer noch seinen komfortablen, abgeschlossenen Raum, in den man sich zurückziehen kann, sobald es kalt wird oder regnet. Auf einem Motorrad trägt man wiederum einen Helm – auch das schafft für mich eine Grenze zwischen den Menschen und mir. Ich dachte an ein Moped. Das hatte ich schon einmal in Norwegen gemacht. Aber ich wusste, dass ich auf dieser Reise zumindest zeitweise andere Menschen mitnehmen wollte.

Dann saß ich in Sri Lanka in einem Tuk Tuk.

Und plötzlich wusste ich: Genau damit will ich reisen! Es ist offen, hat einen freundlichen Charakter, man kann Menschen mitnehmen und es lässt sich sogar zu einem Camper umbauen. Perfekt! Für mich hat das Reisen mit einem Tuk Tuk von Anfang an Sinn ergeben.

"Es gibt immer einen Grund, etwas aufzuschieben. Aber irgendwann muss man einfach los."



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Wie haben Familie und Freunde reagiert? Begeistert oder Kopf geschüttelt?

Sie waren nicht besonders überrascht. Sie kennen mich schließlich ziemlich gut. ;)


Was war das Schwierigste daran, tatsächlich loszufahren? 

Eigentlich nicht viel. Für mich war es schwieriger, nicht zu früh loszufahren. Haha.

Meine Freunde sagten zu mir: „Solltest du nicht noch ein bisschen daran arbeiten? Es ist doch noch gar nicht richtig fertig!“ Aber ich finde, es gibt immer irgendeinen Grund, etwas nicht zu tun oder aufzuschieben. Irgendwann muss man einfach los.

Die meisten Dinge kann man unterwegs lösen. Und solange man daran glaubt, dass am Ende alles gut wird, kommt man ziemlich weit.

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Wie verliefen die ersten Wochen mit deinem 60 Jahre alten Tuk Tuk?

Im Februar 2025 startete ich zu meiner Solo-Tuk-Tuk-Reise. Ich hatte ein 60 Jahre altes Tuk Tuk gekauft, das nicht funktionierte, es mit Hilfe eines Freundes repariert und zu einem kleinen Camper umgebaut.

Dann ging es los – nachdem ich bei der ersten Testfahrt schon nach einem Kilometer liegen geblieben war. Und ehrlich gesagt hatte ich danach ungefähr jeden zweiten Tag eine Panne.

Mein Auspuff brach in den ersten acht Tagen viermal, der Motor überhitzte, meine Bremsen funktionierten nicht, und als ich Köln erreichte, konnte ich nicht mehr schalten. Die Zündung funktionierte nicht mehr und auch die Elektrik begann auszufallen.

Nachdem ich einige Tage lang versucht hatte, die Probleme selbst zu lösen, wurde mir klar, dass ich noch nicht genug über die Mechanik meines Tuk Tuks wusste und Hilfe brauchte.

Ich fuhr zur Werkstatt von Freunden, bestellte einige Ersatzteile aus Thailand, und dort erklärten sie mir, wie ich die Probleme beheben konnte. Ich setzte ihre Tipps um und reparierte alles selbst – perfekt, um zu lernen!

Danach war ich wieder bereit für die Straße. Nachdem ich zwei Wochen an meinem Tuk Tuk gearbeitet hatte, wusste ich viel besser, wie ich zukünftige Probleme selbst lösen konnte.

Und zukünftige Probleme gab es.

Das Tuk Tuk hatte weiterhin ständig Pannen. Wirklich jedes einzelne Teil meines Tuk Tuks ging irgendwann kaputt. Alles zwischen Tank und Auspuff. Und dann waren da noch die Bremsen.

Als ich auf die Karte schaute, wusste ich: Spätestens bevor ich die Alpen erreiche, müssen meine Bremsen funktionieren. Salzburg war meine Deadline.

Schließlich musste ich Bremsbacken aus Thailand bestellen. Nach zwei Tagen hatte ich es geschafft, sie einzubauen, und ich war bereit zur Weiterfahrt.

Jetzt kamen die Alpen. Keine Ahnung, ob mein Tuk Tuk solche Berge überhaupt hochkommen würde!

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Wo bist du viel länger geblieben als geplant – einfach weil du nicht mehr wegwolltest?

Oft bin ich länger geblieben, weil mein Tuk Tuk kaputt war. Aber in Bad Ischl, wo ich zwölf Tage festsaß, habe ich auch die wunderschöne Berglandschaft wirklich sehr genossen!

Inzwischen war meine Schwester zu mir gestoßen. Sie wollte mich vier Wochen lang begleiten. Wir begannen den ersten Anstieg, verloren aber schon bald an Leistung. Ein Blick in den Motor zeigte: Wir hatten den Luftfilter verloren. Also begannen wir, mein Tuk Tuk den Berg hinaufzuschieben.

Ein freundlicher Fremder hielt an und bot uns seine Hilfe an. „Wir müssen nur bis ganz nach oben kommen. Danach können wir hinunterrollen“, sagten wir ihm. Er war so nett und bot uns an, uns auch später zu helfen, falls wir ihn brauchen sollten.

Nachdem wir den Berg hinuntergerollt waren, fuhr Tuk allerdings nicht mehr schneller als zehn Kilometer pro Stunde.

Am Ende übernachteten wir bei ihm und seiner Freundin.

„Nur für eine Nacht.“ Zwölf Tage später fuhren wir weiter.

Inzwischen kannten wir sämtliche Besitzer der Auto- und Motorradteileläden, hatten uns mit dem Bruder ihres pensionierten Nachbarn angefreundet, der 40 Jahre lang eine Motorenwerkstatt betrieben hatte, zwei wunderbare neue Freunde gefunden, etwas über die Jagd gelernt – und es sogar in die Lokalzeitung geschafft.

Zwölf Tage Trial and Error. Jedes Mal, wenn wir einen Fehler fanden, gab es Hoffnung: Da war etwas, das wir reparieren konnten! Und jedes Mal, wenn die Reparatur anschließend keinen Unterschied machte, kam die Frustration.

Mittlerweile war wirklich jedes andere Fortbewegungsmittel schneller als mein Tuk Tuk. Sogar der 80-jährige Mann, der mit seinem Spazierstock an uns vorbeiging.

Ich war kurz davor aufzugeben. Und dann funktionierte ausgerechnet das Allerletzte, was wir ausprobierten. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich vor Glück geweint.

Inzwischen war auch meine Mutter zu uns gestoßen. Perfektes Timing: Das Tuk Tuk funktionierte wieder und wir standen kurz davor, diese wunderschönen Alpen zu überqueren. Also ging es zu dritt weiter, unsere Koffer auf dem Dach. 

Wir verabschiedeten uns von Xenia, Moritz und Albert, die inzwischen genauso sehr mit unserem Tuk Tuk mitfieberten wie wir.

Es war Zeit weiterzufahren. Zeit, die Bremsen und die Leistung von Tuk auf die Probe zu stellen und die Alpen zu bezwingen. Auch wenn zwei von uns zwischendurch immer wieder aussteigen mussten: Wir schafften es tatsächlich die Serpentinen hinauf. Angefeuert von den anderen Verkehrsteilnehmern – und von uns selbst – kamen wir bis ganz nach oben!

Oben angekommen, boten uns die Stammgäste einer Bar nach unzähligen Fotos erst einmal einen Drink an. Tuk brauchte ohnehin eine Pause – und wir nahmen das Angebot sehr gerne an.

Nach einigen weiteren Schwierigkeiten schafften wir es schließlich bis nach Slowenien – woopwoop – der nächste Meilenstein!

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Und wie ging es nach Slowenien weiter?

Von Slowenien führte meine Reise durch die Berge weiter nach Kroatien, wo uns nachts die Bären wach hielten. Danach ging es entlang der wunderschönen Küste, wo die Berge direkt auf das Meer treffen. Wir hatten die Straße sogar fast für uns allein – ganz anders, als wenn man im Sommer hier unterwegs ist.

Von dort kroch ich langsam weiter nach Bosnien, während immer mehr Dinge ihren Dienst aufgaben. Inzwischen musste ich ungefähr alle zehn Kilometer die Zündkerzen wechseln, um überhaupt noch etwas Leistung zu haben.

Auch die Zahl der Male, die ich die Berge hinauf geschleppt werden musste, nahm stetig zu. Also beschloss ich, einen zusätzlichen Abschlepphaken an mein Tuk Tuk zu schweißen.

Und ich kann euch sagen: Der wurde noch ziemlich nützlich, hahaha.

Ich bin unzählige Berge mit ausgeschaltetem beziehungsweise nicht mehr funktionierendem Motor hinuntergerollt, bevor ich es schließlich bis nach Srebrenica schaffte.

Dort nahm Rob mich auf und gab mir einen Platz, an dem ich an meinem Tuk arbeiten konnte.

Wieder musste ich Ersatzteile aus Thailand bestellen. Und diesmal beschloss ich: Das ist das letzte Mal.

Jede Bestellung kostete mich Zeit und Geld, und bei so vielen Pannen – inzwischen waren wir wieder bei praktisch einer pro Tag – wollte ich es noch genau einmal mit neuen Teilen versuchen.

Danach würde Plan B kommen. Was auch immer Plan B sein würde.

Ich musste mehrere Wochen auf die Ersatzteile warten und beschloss deshalb, in der Zwischenzeit durch Montenegro zu wandern.

Anschließend kaufte ich einem Straßenhändler in Albanien ein gebrauchtes Fahrrad ab. Es war vermutlich ungefähr so alt wie mein Tuk Tuk und mit seinem Stahlrahmen entsprechend schwer. Aber es glitzerte, und in Pink und Lila stand „Libertas“ darauf. Damit war die Sache entschieden: Das war mein Fahrrad!

Ich kaufte es und fuhr damit durch Albanien und Griechenland. Unterwegs lernte ich alles über seine Gangschaltung und seine Bremsen – denn man lernt ja immer etwas über die Dinge, die kaputt gehen.

Es scheint ein wiederkehrendes Thema zu sein: Gangschaltungen und Bremsen.

Danach kehrte ich zu meinem Tuk Tuk nach Bosnien zurück und versuchte mehrere Wochen lang gemeinsam mit Kudra in Sarajevo, es zu reparieren. Elf Tage lang schlief ich auf seinem Dachboden.

Jeden Tag hofften wir, Tuk endlich reparieren zu können. Und jedes Mal funktionierte es leider wieder nicht.

Dann begann es zu schneien.

Und ich wusste: Es ist Zeit für Plan B.

Nicht aufzugeben ist eine Sache. Aber man muss auch erkennen können, wann das Verhältnis überhaupt nicht mehr stimmt und es Zeit ist, weiterzugehen.

"Ohne Zeitdruck und festen Plan wird alles, was passiert, und jeder Mensch, dem du begegnest, Teil deines Abenteuers."

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Und wie sah Plan B aus?

Ich flog nach Kambodscha, kaufte mir ein neues Tuk Tuk, baute es wieder zu einem Camper um und passte alles so an, dass es für die Reise bereit sein würde.

Ich baute zusätzlich zum LPG-System eine Benzinversorgung ein, besorgte Ersatzreifen und all die Ersatzteile, von denen ich dachte, dass ich sie unterwegs brauchen könnte.

Was für ein Luxus!

Der Plan war, damit von Kambodscha bis zurück in die Niederlande zu fahren. Aber Pläne sind schließlich dazu da, geändert zu werden. Wer weiß also, wo ich am Ende landen würde.

Ich schaffte es, das Tuk Tuk auf meinen Namen zuzulassen, zerlegte es und baute es wieder zusammen, um die Mechanik dieses speziellen Typs kennenzulernen. Danach war ich mehr als bereit, Richtung Laos aufzubrechen.

Zunächst genoss ich aber Kambodscha mit meinem Tuk Tuk. Ich fuhr einfach in irgendwelche winzigen Dörfer, in denen manche Menschen noch nie zuvor einen Touristen gesehen hatten.

Die Kinder und Frauen fassten meine Armhaare an und betrachteten meine Nase, als wäre sie etwas völlig Merkwürdiges.

"Wenn sie sahen, dass ich oben auf dem Dachgepäckträger meines Tuk Tuks schlief, konnten sie kaum glauben, was sie da sahen."

Oft wachte ich am nächsten Morgen auf und ein Teil des Dorfes stand um mein Tuk Tuk herum.

Kurz bevor ich Kambodscha verlassen wollte, war ich nahe der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha, als Thailand Bomben auf Kambodscha abwarf – nur wenige Hundert Meter von dem Ort entfernt, an dem ich in meinem Tuk Tuk schlief.

Die Grenzen wurden geschlossen und meine einzige Möglichkeit, Kambodscha zu verlassen, war plötzlich Laos.

Ich dachte, dort würde ich keine Probleme bekommen, fuhr zur Grenze – und stellte fest, dass man mich nicht passieren lassen wollte. Vier Tage verbrachte ich dort und versuchte alles, damit sie mich über die Grenze ließen.

Nachdem ich allerdings nicht bereit war, auf ihren Deal einzugehen und zu bezahlen, hatte ich keine Chance mehr. Sie begannen, mich zu ignorieren, über mich zu lachen, irgendwelche Gründe zu erfinden und mich anschließend noch mehr zu ignorieren. Ich blieb geduldig, während sie ihre Autorität demonstrierten.

Aber nachdem sie mich sechs Stunden hatten warten lassen, konnte ich irgendwann nicht anders, als an ihrem Grenzposten in meiner Tuk-Tuk-Küche ein Ei zu braten.

Vermutlich fanden sie es nicht besonders lustig, dass ich mitten an der Grenze mein Ei briet und dabei ungefähr die Hälfte der Durchfahrt blockierte.

Ich fürchte also, sie werden sich nächstes Jahr noch an mich erinnern.

Da dies aber der einzige Grenzübergang aus Kambodscha ist, solange die thailändische Grenze geschlossen bleibt, arbeitet das nicht unbedingt zu meinen Gunsten.

Da nichts funktionierte, flog ich schließlich nach Neuseeland, wanderte einen Teil des Te Araroa auf der Südinsel und kehrte anschließend für einige La-Karavana-Reisen, die ich organisiere, in die Niederlande zurück.

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"Manchmal zeigen dir wildfremde Menschen, wie viel Freundlichkeit und Offenheit in dieser Welt steckt."

Würdest du heute noch einmal mit einem Tuk Tuk aufbrechen? Und was kommt als Nächstes?

Ich möchte wieder mit meinem Tuk Tuk reisen – allerdings ohne den alten, seltenen Motor, der mir so viele Probleme bereitet hat.

Momentan bereite ich mich auf meinen nächsten Aufbruch mit dem Tuk Tuk Anfang 2027 vor. Ich möchte es auf Elektroantrieb umbauen und mit Solarenergie durch die Welt reisen. Ich glaube, das wäre genial!

Denn eigentlich hat es genau das gemacht, was ich mir erhofft hatte – abgesehen von den mechanischen Problemen, hahaha.

Es ist eine fantastische Art zu reisen, Menschen kennenzulernen und all diese unterschiedlichen Länder durch die Einheimischen zu entdecken, denen man unterwegs begegnet.


Gab es auf deiner Reise Momente, die ohne dein Tuk Tuk wahrscheinlich niemals passiert wären – im Guten wie im Schlechten?

Einfach alles.

Die vielen Menschen, die ich kennengelernt habe. Die besonderen Menschen, denen ich gerade wegen meiner unzähligen Pannen begegnet bin.

Ehrlich gesagt drehte sich meine gesamte Reise um das Tuk Tuk – und seine Pannen.


Wie reagieren die Menschen auf dein Gefährt? Gab es Begegnungen, die gerade deshalb entstanden sind?

Alle winken und lächeln.

Und ich konnte eigentlich nirgendwo anhalten, ohne dass Menschen mit mir ins Gespräch kamen – egal ob an einer Tankstelle, vor einem Supermarkt oder sogar an einer roten Ampel.

An einer Ampel wurde ich sogar zum Abendessen eingeladen und bekam einen Schlafplatz angeboten.

"Das Leben besteht aus Kapiteln. Jedes davon hält etwas Neues bereit – und wir haben nur eine begrenzte Anzahl von Jahren, um sie zu erleben."

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Wie sieht ein typischer Tag unterwegs bei dir aus?

Meistens hatte ich keine Ahnung, wo ich am selben Abend schlafen würde.

In Deutschland war es allerdings noch Winter und ich wurde von unglaublich netten Menschen aufgenommen. Ich kannte keinen von ihnen persönlich – es waren alles Kontakte über irgendwelche Ecken.

In dieser Zeit wusste ich also meistens, wo mein Tag enden würde. Ansonsten fuhr ich einfach los, wenn ich Lust dazu hatte, und hielt an, wenn mir danach war.

Nach der ersten Woche wurde mir klar: Ich werde mich nicht mehr beeilen. Und wenn man keinen Zeitdruck und keinen festen Plan hat, wird alles, was passiert, und jeder Mensch, dem man begegnet, zu einem Teil des Abenteuers.


Erzähl uns von einem Abend, den du nie vergessen wirst.

Das war wahrscheinlich die Nacht, in der ich von Bombeneinschlägen um mich herum geweckt wurde. Ich war in Kambodscha, an der Grenze zu Thailand, und schlief allein in meinem Tuk Tuk, als ich mitten in der Nacht plötzlich unglaublich laute Geräusche hörte.

Ich erinnere mich noch, wie ich aufwachte und dachte: „Was zur Hölle machen denn die Nachbarn?“ So nah war das! Beim zweiten Einschlag wurde mir klar, dass es etwas anderes sein musste. Ich stieg aus meinem Tuk Tuk und ging zum Strand, etwa 50 Meter entfernt. Dort wurden einige Bungalows vermietet.

Die anderen waren ebenfalls aufgewacht, und ich fragte: „Ist das etwa der Krieg, von dem ihr sprecht …?“ Wir blickten aufs Meer hinaus und sahen Lichtblitze von einem Schiff, das vielleicht ein paar Hundert Meter von uns entfernt war.

Dann fiel der Strom aus. Und das WLAN gleich mit. Die wenigen, die noch etwas Empfang hatten, konnten eine Nachricht lesen, in der Trump behauptete, er habe „Frieden zwischen Thailand und Kambodscha ausgehandelt“. Dabei schlugen die Bomben direkt vor unserer Nase ein!

Ich ging zur Straße und sah immer mehr Kambodschaner auf ihren Motorrollern vorbeifahren. Sie flohen in die Nacht, mit nichts als einer kleinen Tasche und oft einem Kind auf dem Arm.

Das machte mich unglaublich traurig. Sie ließen alles zurück, ohne zu wissen, wann oder ob sie jemals wieder nach Hause zurückkehren könnten. Ich konnte einfach mit meinem Tuk Tuk wegfahren. Aber für die Menschen dort waren die Auswirkungen ungleich schlimmer. Es war das erste Mal, dass ich die Folgen eines Krieges aus nächster Nähe erlebte. Es ist immer die Zivilbevölkerung, die unter all diesen sinnlosen Kriegen am meisten leidet.

"Reisen zu können, wohin man möchte, ist ein Privileg. Für viele Menschen ist diese Freiheit unerreichbar."

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Wann hast du gedacht: „Was zur Hölle mache ich hier eigentlich?“ Was ist passiert?

Als ich mit acht Kilometern pro Stunde einen Berg hochfuhr, während der Regen wie verrückt auf mich herunterprasselte und Blitz und Donner den Himmel erhellten.


Und wann dachtest du genau das Gegenteil: „Genau deshalb mache ich das“?

Jedes Mal, wenn ich wunderbare Menschen getroffen habe. Also eigentlich fast jeden Tag.


Welche Geschichte erzählst du immer wieder – obwohl zu Hause inzwischen wirklich jeder sie kennt?

Haha, ich liebe die Frage. Da gibt es einige. Ich habe einfach viel zu viel zu erzählen. Aber mal sehen …

Als ich mit meinem ersten, gelben Tuk Tuk durch Deutschland fuhr, lernte ich Janine kennen. Sie hielt mich am Straßenrand an, um mir den Weg zu zeigen. 

Zehn Minuten später überholte sie mich wieder und hielt erneut an. Sie sagte: „Ich habe zwei Dinge vergessen: dich nach einem Foto zu fragen – und dich zu fragen, ob du irgendetwas brauchst. Essen, einen Schlafplatz, irgendetwas.“

Wir redeten weiter miteinander und ich war berührt davon, dass ein Mensch, den ich überhaupt nicht kannte, mir so etwas anbot. Sie erzählte mir, dass ihr Verlobter gerade gestorben war und bei ihr selbst kurz zuvor Krebs diagnostiziert worden war. Sie wollte sich trotzdem noch einen Camper kaufen und nach Schottland reisen.

Wir sprachen darüber, dass das Leben zu kurz ist und dass wir es genießen sollten, solange es dauert. Es war ein wunderschönes Gespräch zwischen zwei Menschen, die sich eigentlich überhaupt nicht kannten. Und es ist mir immer im Gedächtnis geblieben.

Einige Monate später war ich in Kambodscha und suchte gerade nach einem Namen für mein neues pinkfarbenes Tuk Tuk, als ich eine Nachricht von Janines Nichte bekam.

Sie schrieb mir, dass Janine gestorben war. Ich fragte sie, ob Janine es noch nach Schottland geschafft hatte. Leider hatte sie es nicht.

Also beschloss ich, mein neues Tuk Tuk nach Janine „Jannie“ zu nennen. Gemeinsam würden wir trotzdem noch die Welt bereisen.

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"Manchmal reicht ein Abend am Esstisch fremder Menschen, um die eigene Welt mit anderen Augen zu sehen."

Mal ehrlich, was war die teuerste Lektion, die dir deine Reise beigebracht hat – und damit meinen wir nicht nur finanziell?

Ich würde es nicht als teure Lektion bezeichnen.

Schon als ich zu dieser Reise aufbrach, wusste ich, dass sie nicht einfach und auch nicht immer nur schön werden würde. So zu reisen ist nicht der einfache Weg – aber das ist okay.

Ich glaube, dass alles Schlechte oder Negative, das einem passiert, immer auch davon abhängt, wie schlimm man es selbst werden lässt.

Gleichzeitig lernt man aus allem, was man erlebt. Auch – oder gerade – wenn es schwierig war. Das ist für mich ein beruhigender Gedanke, weil dadurch alles ein bisschen „weniger schlimm“ wird.


Was würdest du heute komplett anders machen – und warum?

Vielleicht würde ich dafür sorgen, ein paar mehr Ersatzteile dabeizuhaben. Ich hatte nämlich gar keine. Aber ansonsten würde ich nichts ändern.

Ich bin froh, dass ich losgefahren bin, obwohl mein Tuk Tuk noch nicht fertig war. Unterwegs habe ich so viele großartige Dinge erlebt, die ich niemals erlebt hätte, wenn ich zu Hause geblieben wäre und weiter an meinem Tuk Tuk gearbeitet hätte.

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Wer ist der eine Mensch, an den du noch immer denken musst? Warum?

Janine. Von ihr habe ich ja bereits erzählt.

Und während ich hier sitze, denke ich wieder an all die wunderbaren Menschen, die ich unterwegs kennengelernt habe. Sie alle sind Menschen, die ich niemals vergessen werde. Es ist wunderschön zu erleben, wie hilfsbereit und freundlich Menschen sein können, wenn man Hilfe braucht.


Hat dir unterwegs jemand geholfen, obwohl es eigentlich überhaupt keinen Grund dafür gab?

Ständig.

Einige der ganz besonderen Menschen waren: Xenia, Moritz und Albert in Bad Ischl. Milan und Polona in Ljubljana. Rob in Srebrenica. Kudra in Sarajevo.


Gab es eine Begegnung, die dich verändert hat?

Ehrlich gesagt fällt mir keine einzelne Begegnung ein. Aber was ich an dieser Reise so sehr schätze, ist, dass man ganz unangekündigt im Leben anderer Menschen auftaucht und dadurch einen kleinen Einblick in ihren Alltag bekommt.

Man sitzt mit ihnen am Esstisch und spricht über die großen Dinge: Politik, ihr Land, ihre Überzeugungen. Aber gleichzeitig auch über ganz alltägliche Dinge. Man sieht, wie sie leben, wie ihre ganz normalen Abende aussehen und wie anders das oft im Vergleich zu meiner eigenen Welt ist.

All diese kleinen Einblicke in das Leben anderer Menschen helfen mir immer wieder, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

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Wie finanzierst du dieses Leben? Und wie gehst du mit der Unsicherheit um, die manchmal dazugehört?

Der wichtigste Trick ist, nicht zu viel Geld auszugeben. Mein Leben in den Niederlanden ist deutlich teurer als mein Leben unterwegs. Auf Reisen gebe ich vielleicht 15 Euro am Tag aus.

Ich schlafe und koche in meinem Tuk Tuk und übernachte oft in den Gärten von Menschen oder campe wild.

Meine Wohnung untervermiete ich, sodass diese hohen Kosten wegfallen.

Außerdem habe ich noch meinen Bus und organisiere eine Beach-Clean-up-Tour. Beides bringt mir etwas Einkommen.

Dadurch ist auch die finanzielle Unsicherheit relativ gering, weil meine Lebenshaltungskosten unterwegs so niedrig sind.


Was war der größte Luxus, den du unterwegs erlebt hast, obwohl er keinen einzigen Cent gekostet hat?

Keine Termine und keinen Plan zu haben.

Einfach frei zu sein und tun zu können, was man möchte.

Zum Beispiel endlich wieder Zeit zu haben, Bücher zu lesen!

"Mittlerweile war wirklich jedes andere Fortbewegungsmittel schneller als mein Tuk Tuk. Sogar der 80-jährige Mann, der mit seinem Spazierstock an uns vorbeiging."

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Du reist allein. Was ist das Beste daran?

Wie viele Menschen man dadurch kennenlernt – und die Freiheit, die damit verbunden ist.


Und was nervt manchmal richtig?

Keine Freunde um mich zu haben, wenn ich selbst einmal einen schlechten Tag habe. Zum Glück passiert das nicht besonders oft. Aber das ist definitiv die Schattenseite.


Glaubst du, deine Reise wäre anders verlaufen, wenn du sie mit jemandem geteilt hättest?

Ja, definitiv. Ich hätte weniger Menschen kennengelernt. Andererseits wäre manches sicherlich auch einfacher gewesen.


Hand aufs Herz: Welche Frage kannst du wirklich nicht mehr hören?

Eigentlich stört mich keine Frage. Aber eine höre ich sehr oft: „Hast du keine Angst, als Frau alleine zu reisen?“


Was glauben die meisten Menschen über dein Leben unterwegs, obwohl es einfach nicht stimmt?

Dass es beängstigend und gefährlich ist. Für mich fühlt es sich überhaupt nicht so an. In 99 Prozent der Fälle wollen die Menschen helfen – wahrscheinlich sogar noch eher, weil ich eine Frau bin.


Was romantisieren Social Media am Reisen, obwohl die Realität ganz anders aussieht?

Morgens aufzustehen, wenn man wirklich dringend pinkeln muss – und ausgerechnet an einem Ort geparkt zu haben, an dem schon alle mit ihren Hunden spazieren gehen.

Es ist eben nicht immer dieses „In Unterwäsche im Bett liegen und aufs Meer schauen“ Foto.

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Was hat dir das Reisen beigebracht, was dir keine Schule der Welt hätte beibringen können?

Nicht unbedingt dem zu folgen, was sie einem in der Schule beibringen ;) Das Leben besteht aus Kapiteln. Jedes davon hält etwas Neues bereit – und wir haben nur eine begrenzte Anzahl von Jahren, um sie zu erleben.

Solange man daran glaubt, dass am Ende alles gut wird, traut man sich mehr. Und dadurch erlebt man unglaublich viele wunderschöne Begegnungen und Erfahrungen.


Welche Meinung hattest du vor deiner Reise, der du heute komplett widersprechen würdest?

Ich dachte, Jäger würden sich nicht besonders um Tiere kümmern. Aber tatsächlich tun sie das sehr wohl. Wahrscheinlich sogar mehr als viele Menschen, die ihr Fleisch einfach im Supermarkt kaufen. Es gibt viele Regeln und ethische Grundsätze, und die Jäger, die ich kennengelernt habe, verwerten alles, was sie erlegen.


Wenn du deinem Ich vor der Reise nur einen einzigen Satz mitgeben könntest – welcher wäre es?

Wenn ich jemand anderem einen Rat geben könnte, wäre es: Fahr einfach los! Es gibt immer Gründe, etwas nicht zu tun. Aber manchmal muss man einfach los. „Was ist das Schlimmste, das passieren könnte?“ ist oft eine ziemlich gute Frage, die man sich selbst stellen kann.


Wann hast du zuletzt gedacht: „Verdammt … was habe ich für ein Glück, dieses Leben führen zu können“? Was ist in diesem Moment passiert?

Letzte Woche, als ich mit meinem Doppeldeckerbus und Menschen mit Lernbehinderung durch Irland gereist bin.

Mit ihnen unterwegs zu sein, macht mich unglaublich glücklich. Zum einen, weil ich ihnen diese Reise ermöglichen kann. Aber genauso sehr, weil ich selbst mit ihnen reisen darf und wir voneinander lernen können.

Und ganz grundsätzlich denke ich ziemlich oft darüber nach, was für ein großes Privileg es ist, in den Niederlanden geboren zu sein.

Unser Pass ist sehr stark und ermöglicht uns, praktisch überallhin zu reisen, wohin wir möchten. Das ist ein Luxus – und leider für sehr viele Menschen überhaupt nicht selbstverständlich.

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Was bedeutet „One Life. Live It.“ für dich persönlich?

Janine hat mich tief berührt. Obwohl wir uns kaum kannten, begegnete sie mir mit einer unglaublichen Herzlichkeit. Sie hatte selbst gerade erfahren, wie kostbar und zerbrechlich das Leben ist – und wollte endlich ihre Träume leben. Dazu kam es leider nicht mehr.

Sie hat mich daran erinnert, dass wir nicht warten sollten, bis es irgendwann passt. Wir haben nur ein Leben. Wir sollten es leben, solange wir können.

Deshalb trägt mein zweites Tuk Tuk nun ihren Namen: JANNIE. Gemeinsam werden wir die Welt entdecken. ❤️


Wenn jemand deine Geschichte liest und dadurch endlich den Mut findet, zu seinem eigenen Abenteuer aufzubrechen – was möchtest du diesem Menschen sagen?

YES! Das allein wäre doch schon großartig, oder? Ich würde sagen: Mach dir nicht zu viele Sorgen. Genieß es, sei offen gegenüber fremden Menschen – und am Ende wird alles gut.


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