Susi and the Elephants: 15 Jahre aufgeschoben. Dann einmal quer durch Afrika.

Susi and the Elephants: 15 Jahre aufgeschoben. Dann einmal quer durch Afrika.

Marie und Johnny, bekannt als Susi and the Elephants, fuhren mit ihrem Cocker Spaniel Susi im Toyota Land Cruiser HDJ80 auf der Transafrika-Westroute von Hamburg nach Kapstadt. In 140 Tagen legten sie rund 23.000 Kilometer durch 23 Länder zurück. Im Friends-of-OLLI-Interview erzählen sie vom Reisen durch West- und Zentralafrika, Offroad-Etappen, Grenzübertritten und Begegnungen unterwegs, vom Reisen mit Hund sowie von Kosten, Fehlern und den Erfahrungen, die ihre Sicht auf Afrika und das eigene Leben verändert haben.

In den OLLI Stories sprechen wir mit Menschen, die ihr Leben anders leben – bewusst, mutig und auf ihre ganz eigene Art. Keine Floskeln. Kein Hochglanz. Sondern ehrliche Antworten auf die Fragen, die man sich erst stellt, wenn das Lagerfeuer brennt und der Smalltalk vorbei ist. Geschichten, die zeigen: Es geht auch anders.

15 Jahre geträumt. Vier Monate später losgefahren.

Johnny hatte diesen Traum schon lange im Kopf. Spätestens seit er 2010 ein Jahr in Kapstadt verbracht hatte. Nur hatte er ihn für irgendwann aufgehoben.

Dann sitzen Johnny und Marie im Juli 2025 in einem kleinen Propellerflugzeug über der Serengeti. Unter ihnen ziehen Elefanten durch die Savanne. Hinter ihnen liegt eine Woche Safari, vor ihnen eigentlich der Rückflug nach Deutschland und der ganz normale Alltag. Doch irgendwo da oben wird beiden klar: Sie sind noch nicht fertig mit Afrika. Und auch nicht mit dem Abenteuer.

Im August fällt die Entscheidung für die Transafrika. Im September kaufen sie einen Toyota Land Cruiser HDJ80. Ab November ist die Wohnung untervermietet. Am 2. Dezember fahren Johnny, Marie und Cocker Spaniel Susi in Hamburg los.

Von der Entscheidung bis zur Abfahrt vergehen weniger als vier Monate. Von einem Traum zur Realität fünfzehn Jahre.

Wir haben mit Marie und Johnny darüber gesprochen, was passiert, wenn man aufhört, einen Traum für irgendwann aufzusparen – und einfach losfährt.

Wer steckt hinter Susi and the Elephants?

Wir sind Johnny (34), Marie (31) und Cocker Spaniel Susi, die mit acht Monaten ein echtes Abenteuer erlebt hat. Wir sind keine Profi-Abenteurer und hatten vor der Reise kaum Campingerfahrung. Wir haben ein Auto gekauft, beim Arbeitgeber unbezahlten Urlaub beantragt, die Wohnung untervermietet und sind losgefahren. In dieser Reihenfolge.

Am 2. Dezember 2025 ging es in Hamburg los, am 20. April 2026 standen wir in Kapstadt. Dazwischen lagen 140 Tage, rund 23.000 Kilometer und 23 Länder auf der Transafrika-Westroute.

Inzwischen sind wir wieder in Deutschland und ehrlich gesagt noch nicht ganz angekommen. Die Reise hat uns verändert, und wir suchen schon nach dem nächsten Abenteuer. Vielleicht fahren wir die Route noch einmal, vielleicht eine ganz andere. Was wir sicher wissen: Wir warten nicht wieder fünfzehn Jahre.

"Wir sind nach der Reise nicht spektakulär andere Menschen. Aber wir sind mutiger."



Immagini
Susi, der Cocker Spaniel, Johnny und Marie

Könnt ihr euch noch an den Moment erinnern, in dem ihr wusstet: “Wir machen das jetzt.”? Was ist damals passiert?

Im Juli 2025 sind wir in Tansania. Wir sitzen in einem kleinen Propellerflugzeug über der Serengeti, unter uns die endlose Savanne, wir sehen Elefanten. Nach einer Woche Safari sind wir auf dem Weg zurück nach Deutschland. Wir schauen uns an und denken dasselbe: Wir können jetzt nicht einfach zurück in den Alltag. Wir sind noch nicht fertig mit diesem Kontinent, mit Abenteuer. Die Entscheidung für die Transafrika ist dann im August 2025 gefallen. Im September haben wir das Auto gekauft. Ab November hatten wir frei und die Wohnung untervermietet. Von der Idee bis zur Abfahrt waren es weniger als vier Monate.


Welcher Satz, Gedanke oder Moment hat euer Leben verändert? Vielleicht war es ein Satz, den einer von euch gesagt hat. Vielleicht hat ihn jemand anderes gesagt. Oder vielleicht war es einfach dieser eine Moment, an dem plötzlich alles klar war.

Johnny hatte den Traum schon lange im Kopf, spätestens seit er 2010 ein Jahr in Kapstadt gewohnt hatte. Marie hat später gesagt: Er hatte diesen Traum für ein anderes Leben aufgespart, ohne je ernsthaft zu planen. Genau das ist ja das Problem an großen Träumen. Man verschiebt sie in eine Zukunft, die nie kommt.

Nach Tansania hat ihn der Traum eingeholt. Und der Satz, der am Ende alles entschieden hat, war banal: Wenn nicht jetzt, wann dann?


Wie haben Familie und Freunde reagiert? Eher: “Mega!” oder: “Ihr seid doch komplett verrückt.” 

"Seid ihr verrückt?" – "Das ist doch viel zu gefährlich!" – "Wie macht ihr das mit dem Job, das geht doch nicht."

Also: eher nicht "mega". Wir haben es ein Stück weit erklärt und ein Stück weit ignoriert. Geholfen hat der Blick auf andere: Wenn Leute diese Route alleine fahren oder sogar mit dem Fahrrad, dann schaffen wir das mit einem Land Cruiser doch wohl auch.

Womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten: wie viel Kraft es kostet, die Familie zu Hause zu beruhigen. Wir selbst haben uns fast immer sicher gefühlt und hatten deshalb wenig Bedürfnis nach täglichen Updates. Für die Familie war genau das das Problem.


Wer von euch musste den anderen eigentlich überzeugen? Oder wart ihr euch vom ersten Moment an einig?

Niemand. Marie brauchte keine Überzeugung, sie war sofort dabei, und hat dann die konkreten nächsten Schritte vorgegeben. Der Traum kam von Johnny, der Plan kam von Marie. Ohne diese Kombination würden wir wahrscheinlich noch heute auf der Couch sitzen und YouTube-Videos schauen. 


Was war das Schwierigste daran, tatsächlich loszufahren? Nicht zu träumen. Sondern wirklich den Schlüssel umzudrehen.

Die Entscheidung selbst. Ganz klar. Nicht die Visa, nicht das Auto, nicht die Grenzen, sondern der Moment, in dem man aufhört zu träumen und anfängt zu handeln.

Immagini
Juli 2025: Nachdem sie mit einem kleinen Propellerflugzeug über die Serengeti geflogen sind, wissen sie: “Wir sind noch nicht fertig mit diesem Kontinent, mit Abenteuer.”

Womit seid ihr unterwegs – und warum ausgerechnet damit? Gibt es eine Geschichte dahinter?

Mit einem Toyota Land Cruiser HDJ80, Baujahr 1991, mit 270.000 Kilometern auf dem Tacho. Gefunden haben wir ihn bei den Kleinanzeigen, nach einem Check auf der Hebebühne und einer Probefahrt haben wir ihn direkt mitgenommen. Zwei Monate später ging es Richtung Afrika.

Entschieden hat ein Satz, den viele kennen: "Nimm einen Defender, wenn du in den Busch fahren willst. Nimm einen Toyota, wenn du auch wieder zurückkommen möchtest."

Wir sind keinen einzigen Tag wegen des Autos liegen geblieben und haben die Wahl daher auch nie bereut. Am Ende der Reise haben wir das Auto wieder zurück nach Europa verschifft.


Gab es unterwegs Situationen, die ohne euer Fahrzeug wahrscheinlich nie passiert wären – im Guten oder im Schlechten?

Ehrlich gesagt: Die Transafrika kann man auch mit einem 4x2 fahren. Ein Großteil der Strecke ist dicht bewohnt, die Hauptstraßen sind meistens in Ordnung, und wer auf ihnen bleibt, ist fast immer nah an der nächsten Stadt. Das echte Abenteuer haben wir aber erst gefunden, wenn wir die Hauptstraße bewusst verlassen haben. Die Wüste Mauretaniens. Die Berge im Osten Nigerias. Die 200 Kilometer in der Demokratischen Republik Kongo zwischen Tombo und Luozi. Die Flussbetten Namibias. Das waren am Ende die Höhepunkte der ganzen Reise, und dorthin kommt man nur mit einem geländefähigen Auto, dem man vertraut. 

Es gab Momente, in denen wir dachten, jetzt ist es vorbei: Einmal standen wir so schräg, dass wir mit dem Umkippen gerechnet haben. Ein anderes Mal sind wir in einer Wasserdurchfahrt so tief eingesackt, dass wir uns schon festgefahren sahen. Passiert ist beides nicht. Wir haben uns auf der gesamten Reise kein einziges Mal ernsthaft festgefahren, und die Seilwinde haben wir nie benutzt. 


Wie reagieren Menschen auf euer Fahrzeug? Gibt es Begegnungen oder Geschichten, die genau deshalb entstanden sind?

Die Rückmeldung von lokalen Werkstätten war immer “strong car”. Das Auto ist bekannt und wird geschätzt, es ist extrem geländegängig, robust, einfach zu reparieren und dennoch komfortabel.


Was liebt ihr an eurem Fahrzeug? Und was bringt euch manchmal zur Verzweiflung?

Geliebt haben wir das Dachzelt. Man muss jedes Mal über die Leiter rein und raus, aber man schläft erhöht, sicher, oft mit einem unglaublichen Blick. Irgendwann wird das ein richtiges kleines Schlafzimmer.

Nicht ganz zufrieden waren wir mit unserem Strom-Setup und dem Kühlschrank. Beides Budget-Equipment, nicht besonders effizient und unterwegs mehrfach problematisch. Vom Solarpanel kamen statt 200 Watt oft nur 70 bis 90 an und der Kühlschrank ist mehrfach ausgefallen. Beides würden wir für die nächste Reise verbessern.


Wenn ihr heute noch einmal losfahren würdet: Würdet ihr wieder genau dieses Fahrzeug wählen? Warum?

Ja, ohne zu zögern. Der 80er hat permanenten Allrad, zwei Starrachsen, ist extrem geländegängig und gleichzeitig überraschend komfortabel: breite Sitze, viel Platz, Klimaanlage. In den 90ern wurde er als Luxus-SUV verkauft, und an manchen Tagen in der feuchten Hitze Westafrikas haben wir das sehr zu schätzen gewusst.

Immagini
Ihr geliebter Toyota Land Cruiser HDJ80, Baujahr 1991, mit 270.000 Kilometern auf dem Tacho

Wie sieht ein ganz normaler Tag bei euch unterwegs aus?

Aufwachen im Dachzelt, Susi herunterheben, nach ein paar Wochen ist sie uns schon in die Arme gesprungen, kaum war der Reißverschluss offen. Johnny macht Kaffee und Frühstück und plant die Route, Marie kümmert sich um Susi und übernimmt später die Grenzen, abends kocht sie. Diese klare Aufgabenteilung hat sich früh eingespielt und im Alltag enorm geholfen.

Dazwischen: fahren. Und die Fragen, die den eigentlichen Alltag ausmachen. Wo stehen wir heute Abend? Wo bekommen wir Wasser? Wo tanken wir? Was essen wir?

Das ist die Sache, die uns wirklich überrascht hat. Nicht die Grenzen oder die Pisten waren die Herausforderung, sondern die Logistik des Normalen. Die Zeit, ein Buch zu lesen oder in der Hängematte zu liegen, war deutlich knapper, als wir gedacht hatten.

An welchem Ort seid ihr viel länger geblieben als geplant – einfach weil ihr nicht mehr weg wolltet?


Erzählt uns von einem Tag, den ihr nie vergessen werdet.

Johnnys Geburtstag in der Demokratischen Republik Kongo, vielleicht der abenteuerlichste Tag der ganzen Reise. Geschlafen haben wir mit Blick auf den Kongo-Fluss, tagsüber sind wir die schwierigsten Offroad-Pisten der Reise gefahren, mittags ging es mit einer alten, rostigen Fähre über den Fluss, und am Abend lagen wir in einem Frauenkloster und haben beim Einschlafen noch die Gebete gehört. Das war alles an einem einzigen Tag. Wenn uns jemand fragt, wie sich diese Reise anfühlt, denken wir an diesen Tag.

Und dann die Nächte am Feuer, generell. Jedes Mal, wenn wir ein Lagerfeuer gemacht haben, war klar: Das ist ein guter Platz. In der Wüste Mauretaniens, am Wasserfall in Guinea, am Strand der Elfenbeinküste, im Urwald des Kongo, in den Weiten Angolas. Das waren die Momente, in denen wir realisiert haben, warum wir diese Reise angetreten sind.


Wann habt ihr unterwegs gedacht: “Was zur Hölle machen wir hier eigentlich?” Was war passiert?

Ghana, ungefähr Halbzeit. Wir waren zweieinhalb Monate unterwegs, hatten Marokko, die Westsahara, Mauretanien, Senegal, Gambia, Guinea und die Elfenbeinküste hinter uns und unfassbar viel erlebt. Und plötzlich stand die Frage im Raum: Was kann jetzt eigentlich noch kommen?

Es war nichts Dramatisches. Eher eine schleichende Erschöpfung. Die Abläufe waren eingespielt, aber ermüdend, ein- und auspacken, Stellplatz suchen, kochen, schlafen, am nächsten Tag von vorne. Zudem waren wir nie alleine, die Aufmerksamkeit kann ermüdend sein. Und die Erlebnisse begannen sich zu ähneln. Märkte gleichen sich, Gespräche folgen einem Muster, die Begeisterung für jede neue Situation flacht ab. Der Durchhänger hielt etwa zwei Wochen.


Und wann dachtet ihr genau das Gegenteil? “Genau deshalb machen wir das.”

An den Kambadaga-Wasserfällen in Guinea. Wir standen mit dem Auto im Flussbett auf großen Felsen, direkt vor einem riesigen Wasserfall, konnten schwimmen und waren komplett allein. Für uns vielleicht der beste Stellplatz der ganzen Reise. 

Aber auch alle anderen Abende am Lagerfeuer oder der Moment auf der Fähre über den Kongo.


Welche Geschichte erzählt ihr immer wieder – obwohl sie längst jeder in eurem Umfeld kennt?

Die drei Tage in der Demokratischen Republik Kongo. Vier Männer mit AK-47 an einer Schranke, die schwierigste Piste unserer Reise, eine rostige Fähre über den Kongo, ein Wasserfall ohne einen einzigen anderen Menschen und alles in 72 Stunden.

Immagini
In der Wüste Mauretaniens
Immagini
Immagini
Kennen keine Berührungsängste: die Kinder in Guinea

"Nicht die Grenzen oder die Pisten waren die Herausforderung, sondern die Logistik des Normalen."

Ernsthaft, welche Geschichte glaubt euch zuhause bis heute kaum jemand – obwohl sie genau so passiert ist?

Dass wir uns in Nigeria wohlgefühlt haben. Wir sind mit ordentlich Respekt eingereist, hatten uns extra einem anderen Overlander-Paar angeschlossen, um das Land im Konvoi zu durchqueren. Und dann waren die Menschen offen, herzlich und hatten eine unglaublich positive Energie.

Eine Lehrerin, mit der wir abends beim Gassigehen ins Gespräch kamen, hat uns für den nächsten Morgen in ihre Schule eingeladen. Wir wurden empfangen wie Popstars. Die Kinder haben unsere Haut und unsere Haare angefasst, tausend Fragen gestellt, tausend Selfies gemacht, am Ende haben wir verschwitzte T-Shirts und Telefonnummern getauscht.

Zuhause glaubt das kaum jemand, weil das Bild von Nigeria ein völlig anderes ist.


Erzählt uns von einem Zwischenfall, über die ihr heute selbst lachen könnt.

In Guinea haben ein paar Kinder Johnnys Schuhe aus dem Reserverad-Rucksack hinten am Auto entwendet. Wir sind ihnen hinterhergegangen, haben mit dem Hinweis auf den Dorf-Chef gedroht, und die Schuhe kamen sofort zurück. Wir waren erstaunt, wie gut das funktioniert hat. In dörflichen Strukturen hat der Chef noch echte Autorität, das hat sich an diesem Tag deutlich gezeigt. In dem Moment war es stressig, im Nachhinein eine lustige Geschichte.


Was war die teuerste Lektion eurer Reise? Nicht nur finanziell.

In der Werkstatt in Yaoundé wollten wir eigentlich nur ein Leck in der Klimaanlage abdichten lassen und einen kleinen Check durchführen. Am Ende wurde die komplette Frontachse revidiert, allerdings unsauber. In Luanda mussten wir dann eine Seite für 650 Euro nacharbeiten lassen, weil Wasser ins Differenzial gelaufen war. In Kapstadt kam die andere Seite dran.

Die eigentliche Lektion ist nicht das Geld, sondern die Haltung dahinter. Geht nur in eine Werkstatt, wenn ihr ein konkretes Anliegen habt. Wisst vorher genau, was gemacht werden soll, und steht daneben. 


Was würdet ihr heute komplett anders machen – und warum?

Mehr Zeit nehmen. Wir waren fünf Monate unterwegs und mussten ständig auf den Kalender schauen. Der Sweet Spot liegt rückblickend eher bei sechs bis acht Monaten. Dann hätten wir Umwege fahren, an schönen Orten länger bleiben und die mentale Halbzeitpause irgendwo richtig machen können. Sierra Leone und Liberia hätten wir gerne gesehen, ein paar Tage mehr im Kongo, vielleicht Kinshasa, vielleicht Gabun.

Gleichzeitig sind wir dankbar, überhaupt unterwegs gewesen zu sein. Wir haben die Zeit genutzt, die wir hatten.

Immagini
Nigeria
Immagini
Banyo Track in Nigeria

Welcher Mensch geht euch bis heute nicht mehr aus dem Kopf? Warum?

Dorfchef Gabriel im Senegal. Nach Tagen an der dicht bebauten Küste hatten wir einen Spot mitten in einem Mangrovenwald gefunden. Abends kamen Gabriel und ein paar Kinder vorbei. Wir haben sie zum Abendessen eingeladen, es gab frittierte afrikanische Tomaten, die wie Aubergine schmeckt. Am nächsten Morgen haben wir gemeinsam frische Austern gegessen, mittags hat er uns zu sich nach Hause eingeladen. Trotz Sprachbarriere haben wir viel Zeit miteinander verbracht. 

Die Kinder waren freundlich und respektvoll und haben behutsam mit Susi gespielt, ohne sie zu ärgern. Wir haben ihnen einen unserer beiden Fußbälle geschenkt, und am Ende haben wir eine Tafel Schokolade geteilt. Eine Begegnung, die komplett auf Respekt beruhte. Davon gab es nicht so viele.


Gab es eine Begegnung, die euch verändert hat? Eine Geschichte, die ihr nie vergessen werdet?

Der Schulbesuch in Nigeria, aber anders, als man denkt. Im Moment selbst war es überwältigend. Auf der Weiterfahrt kam dann ein ungutes Gefühl. Warum sind wir hier eigentlich die Attraktion? Weil so wenige Weiße herkommen? Weil weiße Haut in den Köpfen mit Reichtum verbunden ist? Weil ein altes koloniales Bild noch nachwirkt?

Wir haben darauf keine Antwort gefunden. Aber die Frage hat uns den Rest der Reise begleitet. Wir sind ein weißes deutsches Paar mit europäischem Pass und Bankkonto, und das öffnet Türen, die für die meisten Menschen vor Ort verschlossen sind. Wir können einreisen, wo andere nicht einreisen können. Wir können jederzeit wieder gehen. Wir können einen Arzt oder Tierarzt bezahlen, der für eine durchschnittliche Familie dort unbezahlbar ist.

Immagini
Bei Dorfchef Gabriel im Senegal

"Wenn man mal mit einem Liter Wasser geduscht hat, fühlt sich ein normaler Wasserhahn wie Dekadenz an."

Die Frage, die sich alle stellen: Wie finanziert ihr dieses Leben? Und wie geht ihr mit der Unsicherheit um, die damit vielleicht verbunden ist?

Ganz unromantisch: mit Erspartem und unbezahltem Urlaub. Wir hatten beide Jobs, haben nach dem Studium ein paar Jahre gearbeitet und die Reise aus Rücklagen bezahlt. Die Wohnung war untervermietet, das hat die Fixkosten zuhause aufgefangen.

Unterwegs haben wir rund 15.500 Euro ausgegeben, also gut 110 Euro pro Tag zu zweit plus Hund. Dazu kommt natürlich das Auto, die größte Ausgabe.


Was war unterwegs euer grösster Luxus – obwohl er kein Geld gekostet hat?

Eine Dusche. Ganz klar. Es gab Phasen, in denen wir vier oder fünf Tage am Stück nicht geduscht haben. Man gewöhnt sich überraschend schnell daran, schraubt seine Ansprüche herunter, trägt ein T-Shirt eben ein paar Tage länger oder wäscht sich mal in einem Fluss. Aber wenn dann irgendwo eine richtige Dusche wartet, in einem Camp, einem Hotel, einmal sogar im Büro eines Parkmanagers, dann ist das ein kleines Fest.

Habt ihr schon mal mit einem Liter Wasser komplett geduscht? Wir schon. Danach fühlt sich ein normaler Wasserhahn wie Dekadenz an.

Immagini
Beim Messum Crater in Namibia
Immagini

Was ist das Schönste daran, gemeinsam unterwegs zu sein?

Dass man merkt, wie gut man zusammen funktioniert. Wir haben früh eine Routine mit klar verteilten Aufgaben gefunden, und anstrengende Grenzen oder knifflige Situationen haben wir gemeinsam gelöst und danach auch bewusst gefeiert, mit einem High-Five oder einer kalten Cola.

Zudem ist geteilte Freude einfach schöner. Alleine wären die Erlebnisse nur halb so wertvoll. Gemeinsames Reisen ist ein Multiplikator für Freude.


Und was ist manchmal richtig beschissen?

Dass es keinen Rückzugsort gibt. Nirgends. Das war für uns der härteste Punkt der ganzen Reise, und er hat sich langsam aufgebaut. Man lebt auf wenigen Quadratmetern, damit kommt man klar. Schwerer war, dass man auch vor allen anderen nie allein ist. Wir dachten, in Westafrika gäbe es echte Einsamkeit. Tatsächlich taucht früher oder später überall jemand auf, im Regenwald, in der Savanne, in den Bergen. Ihr parkt an einem entlegenen Spot, denkt, ihr seid für euch, und zehn Minuten später stehen zehn Kinder aus dem nächsten Dorf neben dem Auto und schauen zu, wie ihr Wasser kocht. Meistens ist das nett. Nach einem langen Tag ist es einfach zu viel.


Worüber diskutiert ihr unterwegs regelmässig? 

Wir haben viele Erlebnisse abends noch mal besprochen und versucht einzuordnen. Immer wieder ging es dabei um die Frage, was wir eigentlich zeigen. Wir haben als Reisende eine Verantwortung, und als „Content Creator" noch mal eine eigene. Welche Begegnung gehört auf Instagram und welche nicht? 

Und dann gab es gelegentlich Streit über Banalitäten, weil wir müde waren. Wer macht Essen, wer geht mit Susi, wer verbraucht wie viel Wasser oder isst wie viel Schokolade.


Glaubt ihr, eure Reise wäre eine andere geworden, wenn ihr alleine unterwegs wärt?

Definitiv. Alleine hätten wir manches gar nicht gemacht und einfach ganz anders erlebt. Was uns unterwegs klar wurde: Andere Reisende sind die Einzigen, die wirklich verstehen, was man gerade erlebt. Freunde und Familie hören zu, sind aber Tausende Kilometer weg. Mit Einheimischen ist der ehrliche Austausch durch Sprache und ein spürbares Machtgefälle oft schwierig.

Zu zweit hat man das automatisch dabei. Jemanden, der genau denselben Tag hatte.

"Dass es keinen Rückzugsort gibt, war für uns der härteste Punkt der ganzen Reise."



Immagini

Ihr seid mit Hund gereist. Würdet ihr das wieder machen?

Ja, ohne zu zögern. Und das, obwohl die schwerste Woche der gesamten Reise wegen Susi war.

Susi war acht Monate alt, als wir losgefahren sind. Autofahren hat sie von Anfang an geliebt, am liebsten am offenen Fenster, Nase raus, Schlappohren im Wind. Jeden Morgen haben wir sie aus dem Dachzelt gehoben, und nach ein paar Wochen kam sie uns schon in die Arme gesprungen, kaum war der Reißverschluss offen. Die Bürokratie war dabei das kleinste Problem: Auf der gesamten Strecke wurde nur dreimal nach ihren Papieren gefragt.

Die Sorge um sie war dagegen größer als die Sorge um uns selbst. Afrika ist für einen Hund eine fordernde Umgebung: Hitze, Zecken, Schlangen und Straßenhunde. In Yaoundé wurde daraus Ernst. Susi hatte Erlichiose, eine durch Zecken übertragene Infektion, die unbehandelt lebensgefährlich ist. Wir haben eine Woche lang gezittert und zeitweise wirklich Angst um ihr Leben gehabt.

Eine Tierärztin vor Ort hat uns begleitet und ist abends sogar ins Hotel gekommen. Die Möglichkeiten und Ausstattung sind dort schlicht nicht auf dem Niveau, das wir kennen. Daher mussten wir ein paar Entscheidungen am Ende selbst korrigieren, mit eigener Recherche und einem befreundeten Tierarzt in den Niederlanden, der aus der Ferne mitgedacht hat. 

Und trotzdem: Der Hund hat diese Reise reicher gemacht, in einer Weise, die wir vorher nicht ahnen konnten. Die Bindung zu Susi ist so eng geworden, wie es zuhause nie möglich gewesen wäre. Sie über den Sand der Wüste flitzen zu sehen, im Meer schwimmen, im Regenwald schnüffeln, gehört zu unseren schönsten Bildern.

Immagini
Susi und Marie am Äquator in Tansania
Immagini
Susi beim Tierarzt in Kamerun

Hand aufs Herz: Welche Frage könnt ihr wirklich nicht mehr hören?

"War das nicht wahnsinnig gefährlich?"

Sicherheit war das Thema mit den meisten Fragen, vorher und hinterher. Auf der Reise selbst hatte es die kleinste Präsenz. Wir wurden nie bedroht, nie ernsthaft beklaut. Wir haben viele Waffen gesehen, vor allem an Militär-Checkpoints, aber keine einzige wurde auf uns gerichtet. Was bei uns stattdessen hängen geblieben ist, sind die Menschen. Wie offen und gastfreundlich uns überall begegnet wurde.

Das ist keine Verharmlosung, es gibt reale Risiken. Aber die Diskrepanz zwischen den Schlagzeilen und unserem tatsächlichen Alltag war über Monate hinweg enorm.

Was glauben viele Menschen über euer Leben unterwegs – obwohl es überhaupt nicht stimmt?


Was wird auf Social Media über das Reisen romantisiert, obwohl die Realität manchmal ganz anders aussieht?

Die feuchte Hitze sieht man auf keinem Foto. Trockene Wüstenhitze ist auszuhalten. Die feuchte Hitze in den Tropen ist etwas völlig anderes. Man ist komplett nass, sobald man sich einen Meter bewegt. Jede Aufgabe zieht sofort Energie, und meistens ist Sitzen das Einzige, was noch geht. Wir hatten Tage, an denen wir einfach gefahren sind, nur um im klimatisierten Auto zu sitzen.

Immagini
Immagini
Beim Kambadaga-Wasserfall in Guinea

Was hat euch das Unterwegssein beigebracht, das euch keine Schule der Welt hätte beibringen können?

Selbstvertrauen. Wir haben uns etwas vorgenommen, vor dem viele zurückschrecken, und wir haben es geschafft. Das verändert, wie man auf das eigene Leben schaut, auf den Job, auf die Pläne, auf all das, was man sich sonst nicht zutraut.

Wir sind nach der Reise nicht spektakulär andere Menschen. Aber wir sind mutiger. Wir trauen uns mehr zu fragen, mehr zu wollen, mehr zu wagen.


Welche Meinung hattet ihr vor eurer Reise – und würdet heute das komplette Gegenteil behaupten?

Dass man auf so einer Route ständig Bestechungsgelder zahlt. Wir hatten das aus jeder Doku über Westafrika mitgenommen. Tatsächlich gab es in fünf Monaten vielleicht zwei oder drei Situationen, in denen wir uns wirklich unter Druck gefühlt haben, am deutlichsten an einem Checkpoint im Senegal und an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo. Der Rest war Bürokratie und Wartezeit. Bestechungsgeld haben wir nie bezahlt.


Wenn ihr eurem “Ich” vor der Abreise einen einzigen Satz mitgeben könntet – welcher wäre das?

Hört weniger auf die anderen und mehr auf euch. Das soll nicht arrogant klingen, wir hatten nur das Gefühl, einfach selber viel richtig gemacht zu haben und das wurde uns später auch von anderen Reisenden so gespiegelt. 


Wann habt ihr unterwegs zuletzt gedacht: “Verdammt … was haben wir für ein Glück, dass wir dieses Leben führen dürfen.” Was ist in diesem Moment passiert?

Immer dann, wenn ein Feuer brannte. Und jedes Mal, wenn wir Susi zugeschaut haben, wie sie über den Sand der Wüste flitzt, im Meer schwimmt, im Regenwald tobt. Die Bindung zu ihr ist so eng geworden, wie es zuhause nie möglich gewesen wäre.

Die Heimkehr war übrigens schwerer als erwartet. Wir sind als Letzte aus dem Flugzeug ausgestiegen, weil wir noch einen Moment brauchten. Um uns herum Menschen in schicker Kleidung, mit Kopfhörern, Aktentaschen und silbernen Rollkoffern. Der erste Gedanke am Flughafen war: Das war es schon?

Am ersten Tag zuhause haben wir Ärger bekommen, weil unser Auto 20 Zentimeter zu weit vor einer Einfahrt stand. Und weil Susi den Rand eines Spielplatzes betreten hat.

Immagini
Festgefahren in Namibia

Was bedeutet für euch persönlich “One Life. Live It.”?

Dass man Träume nicht für ein anderes Leben aufspart. Genau das hatte Johnny fünfzehn Jahre lang gemacht.

Wir wissen inzwischen, dass wir nicht für immer in die alte Welt zurückwollen. Was daraus wird, ist noch offen. Sicher ist nur, dass etwas in uns geöffnet wurde, was vorher zu war. Wir haben nur ein Leben.

Ganz praktisch geworden ist das übrigens auch. Uns ist unterwegs aufgefallen, wie wenig wir am Handy hingen, wir haben in fünf Monaten keinen einzigen Film geschaut, obwohl wir extra welche heruntergeladen hatten. Zuhause haben wir daraus Regeln gemacht: kein Handy im Schlafzimmer, das Gerät liegt in einer Box an der Haustür. Wir stehen früher auf und richten den Tag mehr nach Sonne und Natur. Nicht spektakulär, aber unsere Art, die Reise nicht einfach abzuhaken.


Wenn jemand nach dem Lesen eurer Geschichte ebenfalls den Mut findet loszufahren – was möchtet ihr ihm oder ihr mit auf den Weg geben?

Wer auf den perfekten Moment wartet, fährt nie los. Es braucht eine Mischung aus Vorbereitung und Mindset. Bereitet euch vor, aber ihr braucht keinen Routenplan auf Tagesbasis. Wir mögen den Satz von Mike Tyson “Everyone has a plan until they get punched in the mouth”, vieles entscheidet sich unterwegs spontan. Ein Plan kann nur der Leitfaden sein.

Ein paar ehrliche Sätze noch, weil wir niemanden in etwas hineinreden wollen. Diese Reise ist nicht für jeden. Wer grundsätzlich Angst vor ihr hat, sollte sie nicht machen. Es gibt genug Momente an Grenzen und Checkpoints, in denen es lange dauert, jemand ein Gewehr in der Hand hält oder den Pass erst mal nicht rausrückt. Wer dabei in Panik gerät, erlebt mehr Stress als Abenteuer. Und wer Komfort bedingungslos braucht, wird hier nicht glücklich.

Wer aber mit Unsicherheit umgehen kann, neugierig bleibt und das Unvorhergesehene als Teil des Plans akzeptiert, bekommt etwas, das kaum eine andere Reise bietet.


Gibt es ein Projekt, einen Menschen oder eine Initiative, die euch unterwegs besonders ans Herz gewachsen ist? Oder etwas, das wir unbedingt mit der OLLI-Community teilen sollten?

Wir haben alles, was wir gelernt haben, in einen Reiseführer geschrieben, radikal ehrlich, mit echten Kosten, echten Fehlern und der Sicherheitsrealität statt der Schlagzeilen. Alles darin haben wir selbst erlebt, selbst bezahlt und selbst aufgeschrieben.

Und für alle, die die Strecke reizvoll finden, sie aber nicht allein angehen wollen: Wir bieten die Trans-Afrika-Route auch als geführte Expedition an, in einer kleinen Gruppe von vier bis sechs Fahrzeugen. Wir fahren voran, ihr folgt.

Beides findet ihr auf unserer Website.

Immagini
Hübscher Stellplatz am Strand der Elfenbeinküste
Immagini
Am Lagerfeuer in Mauretaniens Wüste
Immagini
In der marokkanischen Wüste

OLLI – ONE LIFE - LIVE IT!
Iscriviti alla newsletter

Niente cliché. Niente spam. Niente sciocchezze. Ma storie vere, nuovi veicoli, attrezzature fresche e tutto ciò che conta all’aperto. Diretto nella tua casella di posta – irregolarmente, regolarmente, ma sempre rilevante.

Cookie. Tutto qui.

Li usiamo per far funzionare OLLI – e per capire cosa ti appassiona davvero. Così trovi ciò che conta davvero per te. I tuoi dati restano con noi. Niente commercio. Niente trucchi. Niente magie. Niente stronzate. Maggiori informazioni nella nostra Cookie Policy