Anna Lena & Davide: Wir machen das jetzt.

Anna Lena & Davide: Wir machen das jetzt.

Sie wollten eigentlich nur etwas länger unterwegs sein. Aus Urlaub wurde ein Jahr, aus einem Auto ein Zuhause. Besonders wichtig sind ihnen kleine Strassen, ungeplante Begegnungen und die Freiheit, morgens noch nicht zu wissen, wo sie abends landen. 

In den OLLI Stories sprechen wir mit Menschen, die ihr Leben anders leben – bewusst, mutig und auf ihre ganz eigene Art. Keine Floskeln. Kein Hochglanz. Sondern ehrliche Antworten auf die Fragen, die man sich erst stellt, wenn das Lagerfeuer brennt und der Smalltalk vorbei ist. Geschichten, die zeigen: Es geht auch anders.

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Wir haben mit Anna Lena und Davide über Mut, Fernweh, Pannen, Gastfreundschaft und die Frage gesprochen, warum man manchmal einfach aufhören sollte, auf «später» zu warten.


Wer seid ihr? Seit wann seid ihr unterwegs? Was habt ihr bisher erlebt? Wo seid oder lebt ihr gerade? 

Wir sind Anna Lena und Davide, ein deutsch-italienisches Paar, und leben aktuell in der Nähe von Hamburg. Kennengelernt haben wir uns allerdings in London und Reisen war eigentlich von Anfang an ein wichtiger Teil unseres gemeinsamen Lebens. Gemeinsam mit dem Auto sind wir seit 2019 unterwegs. Angefangen hat alles mit unserem Land Rover Defender 110, mit dem wir in den folgenden Jahren mehr als 100.000 Kilometer zurückgelegt haben.

2022 haben wir uns dann einen großen Traum erfüllt und waren ein komplettes Jahr unterwegs. Dabei haben wir große Teile Europas bereist, waren auf dem Balkan und sind bis nach Georgien und Armenien gefahren. 2023 haben wir geheiratet und 2024 ging es für unsere Hochzeitsreise nach Marokko. Mit der Zeit hat sich auch unsere Art zu reisen verändert. Uns geht es immer weniger darum, möglichst viele Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Wir mögen kleine Straßen, abgelegene Gegenden, Dörfer, Landschaften, gutes Essen und vor allem die ungeplanten Dinge, die unterwegs passieren. Oft sind genau das am Ende die Momente, an die wir uns Jahre später noch erinnern.

Heute reisen wir mit einem Ineos Grenadier. Unser Zuhause ist weiterhin in Norddeutschland, aber ob das für immer so bleibt, wissen wir nicht. Wir könnten uns definitiv vorstellen, irgendwann nach Italien zu ziehen. Wir sind ganz klar lieber unterwegs als zu Hause. Gleichzeitig sieht unser Alltag momentan aber noch ziemlich normal aus: Wir haben beide unsere Hauptjobs und bauen parallel unser noch junges Projekt Wanderlust Overlanding auf, unter anderem mit eigenen On- und Offroad-Reiseführern. Reisen, Fahrzeuge und neue Ideen müssen schließlich auch finanziert werden.

Und was kommt als Nächstes?

Ganz sicher noch viele Kilometer. Vor allem Italien beschäftigt uns gerade sehr und besonders der Süden zieht uns immer wieder zurück. Basilikata, Kalabrien und Sizilien stehen dabei aktuell ziemlich weit oben auf unserer Liste.

Und meistens ist es sowieso so, dass während einer Reise schon wieder drei neue Ideen für die nächste entstehen.

„Wir sind zu zweit losgefahren und irgendwann zu viert wieder im Alltag angekommen.“

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Könnt ihr euch noch an den Moment erinnern, in dem ihr wusstet: „Wir machen das jetzt.“? Was ist damals passiert?

Es gab bei uns nicht diesen einen filmreifen Moment, in dem wir uns angesehen und gesagt haben: „Wir kündigen jetzt alles und fahren los.“ Es war eher ein Wunsch, der immer größer wurde. Wir waren schon vorher viel mit dem Defender unterwegs und haben jede freie Zeit für Kurztrips und längere Urlaube genutzt. Irgendwann haben wir aber gemerkt, dass uns genau das nicht mehr gereicht hat. Dieses Gefühl von Freiheit, das wir beim Reisen gesucht haben, stellte sich auf zwei oder drei Wochen irgendwann nicht mehr wirklich ein. Kaum war man richtig angekommen, musste man im Kopf schon wieder an die Rückfahrt und den Alltag denken.

In dieser Zeit haben wir angefangen, unglaublich viele YouTube-Videos von Menschen anzuschauen, die mehrere Monate oder sogar Jahre unterwegs waren. Und aus dem anfänglichen „Wie cool wäre das eigentlich?“ wurde ziemlich schnell eine ernsthafte Recherche.

Wir wollten wissen: Kann man das wirklich machen? Und wenn ja, wie? Was passiert mit der Wohnung? Wie funktioniert das mit Krankenversicherung und anderen Versicherungen? Was bedeutet ein Jahr Auszeit für die Rente? Wie viel Geld brauchen wir? Was kostet so eine Reise überhaupt? Was machen wir mit unseren Jobs? Und was muss am Fahrzeug verändert werden?
Je mehr wir recherchiert haben, desto mehr wurde aus diesem scheinbar riesigen Traum etwas Greifbares.

Auch unser Defender spielte dabei eine große Rolle. Den ersten Ausbau haben wir während des Corona-Lockdowns gemeinsam mit Anna Lenas Papa noch einmal komplett für die lange Reise überarbeitet und an das angepasst, was wir für ein Jahr unterwegs wirklich brauchen würden.
Und irgendwann war der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr hieß: „Das wäre irgendwann einmal schön.“

Sondern: Wir wollen das machen. Wir können das schaffen. Wir reisen ein Jahr. Davide hat gekündigt und Anna Lena ein Sabbatical beantragt. 2022 haben wir dann tatsächlich den Schlüssel umgedreht und sind losgefahren.

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Welcher Satz, Gedanke oder Moment hat euer Leben verändert? Vielleicht war es ein Satz, den einer von euch gesagt hat. Vielleicht hat ihn jemand anderes gesagt. Oder vielleicht war es einfach dieser eine Moment, an dem plötzlich alles klar war.

Wahrscheinlich war es irgendwann ganz einfach der Gedanke: Wenn wir es wirklich wollen, dürfen wir nicht immer auf „später“ warten. Man findet immer einen Grund, etwas aufzuschieben. Der Job passt gerade nicht, finanziell könnte es noch besser aussehen, vielleicht wäre nächstes Jahr der bessere Zeitpunkt. Und irgendwann haben wir verstanden, dass dieser perfekte Moment wahrscheinlich nie kommen wird.

Also haben wir aufgehört, nur darüber zu reden, und angefangen, es wirklich möglich zu machen. Heute können wir sagen: Diese Entscheidung war eine der besten unseres Lebens. Wir haben sie keinen einzigen Moment bereut.

Was wir allerdings unterschätzt haben, war die Rückkehr danach. Nach einem Jahr, in dem jeder Tag anders war, wir ständig draußen waren, neue Orte gesehen, neue Menschen kennengelernt und selbst entschieden haben, wohin wir am nächsten Morgen fahren, Schritt für Schritt wieder in einen normalen Alltag zurückzukehren, war unglaublich schwer. Denn wir kamen zwar zurück, aber wir waren nicht mehr dieselben Menschen, die ein Jahr zuvor losgefahren waren.

Unsere Vorstellung davon, wie wir leben möchten, hatte sich verändert. Freiheit, Zeit und das Unterwegssein hatten plötzlich einen ganz anderen Stellenwert. Wir wussten, dass wir nicht einfach so weitermachen wollten wie vorher und diese Erfahrung nur als schöne Erinnerung abhaken konnten.

Genau in dieser Zeit begann auch die Idee hinter Wanderlust Overlanding immer größer zu werden. Erst waren es einzelne Gedanken, dann immer mehr konkrete Ideen. Irgendwie war es unser Weg, etwas von dem, was dieses Jahr in uns verändert hatte, mit in unser normales Leben zu nehmen und vielleicht langfristig dafür zu sorgen, dass das Unterwegssein darin wieder mehr Platz bekommt.


Wie haben Familie und Freunde reagiert? Eher: „Mega!“ oder: „Ihr seid doch komplett verrückt.“ 

Tatsächlich viel positiver, als wir vorher gedacht hatten. Wir hatten uns innerlich schon auf eine ganze Reihe kritischer Fragen vorbereitet: Wie wollt ihr das finanzieren? Was ist mit den Versicherungen? Mit der Rente? Mit der Wohnung? Mit den Jobs?
Weil wir selbst so viel recherchiert und geplant hatten, waren wir auf all diese Fragen ziemlich gut vorbereitet. Am Ende waren sie aber viel schneller abgehakt, als wir erwartet hatten. Was uns wirklich überrascht und unglaublich gefreut hat, war der große Support von Familie und Freunden. Niemand hat versucht, uns die Reise auszureden. Im Gegenteil: Wir haben sehr viel Rückhalt bekommen.

Im Rückblick war dieser Support unglaublich wichtig. Denn auch wenn die Entscheidung schon gefallen war, fühlt sich so ein großer Schritt ganz anders an, wenn man weiß, dass die Menschen zu Hause hinter einem stehen.


Wer von euch musste den anderen eigentlich überzeugen? Oder wart ihr euch vom ersten Moment an einig?

Ganz klar: Davide musste Anna Lena überzeugen.

Anna Lena war nämlich nie der große Camping-Fan. Die Vorstellung von klassischem Camping, Campingplatz, Zelt und alles möglichst lange an einem Ort, hat sie ehrlich gesagt nie besonders gereizt. Davide hat dagegen schon früh gesehen, was mit einem Reisefahrzeug möglich ist, und war definitiv die treibende Kraft dahinter, es einfach auszuprobieren. Anna Lena hat dann ziemlich schnell gemerkt, dass das, was wir machen, mit ihrer Vorstellung von „Camping“ eigentlich gar nicht so viel zu tun hat.

Es ging nicht darum, irgendwo sein Lager aufzuschlagen und dort zwei Wochen zu bleiben, sondern darum, unterwegs zu sein. Jeden Tag weiterzufahren, neue Landschaften zu entdecken, spontan irgendwo abzubiegen und morgens oft noch nicht zu wissen, wo man abends landen würde.
Und genau dieses Gefühl hat Anna Lena dann sehr schnell lieben gelernt.

Als später der Wunsch entstand, nicht nur ein paar Wochen, sondern wirklich für längere Zeit unterwegs zu sein, mussten wir uns gegenseitig eigentlich nicht mehr überzeugen. Den Wunsch nach dieser Freiheit und nach einer großen Reise hatten wir beide längst in uns.

Davide war aber ganz klar derjenige, der immer wieder gesagt hat: „Wir können das wirklich machen.“ Und wahrscheinlich auch derjenige, der dafür gesorgt hat, dass aus dem Wunsch irgendwann ein konkreter Plan wurde.


Was war das Schwierigste daran, tatsächlich loszufahren? Nicht zu träumen. Sondern wirklich den Schlüssel umzudrehen.

Wahrscheinlich zu akzeptieren, dass man niemals auf alles vorbereitet sein wird.

Gerade vor unserer langen Reise 2022 hätten wir noch Monate weiter planen können. Irgendetwas hätte man immer noch am Fahrzeug optimieren, zusätzlich kaufen, recherchieren oder absichern können. Aber irgendwann muss man einfach losfahren.

Und genau das war vielleicht auch eine der wichtigsten Lektionen: Viele Probleme, über die man sich vorher den Kopf zerbricht, treten überhaupt nicht ein. Dafür passieren unterwegs Dinge, an die man vorher niemals gedacht hätte.

Dann muss man eben eine Lösung finden. Manchmal auch irgendwo mitten im Nirgendwo, ohne Handyempfang und mit einem Defender, der in einem Flussbett feststeckt.

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Nicht immer nur sagen: "Eines Tages machen wir das." Sondern: "Wir machen das jetzt.“


Womit seid ihr unterwegs – und warum ausgerechnet damit? Gibt es eine Geschichte dahinter?

Unsere Reisegeschichte ist ganz eng mit unserem Land Rover Defender 110 verbunden. Der Defender war für uns nie einfach nur ein Auto. Während des Corona-Lockdowns haben wir ihn gemeinsam mit Anna Lenas Papa in unzähligen Arbeitsstunden selbst zum Reisefahrzeug ausgebaut. Während draußen vieles stillstand, war das unser großes gemeinsames Projekt.

Für unsere einjährige Reise haben wir den ersten Ausbau später noch einmal komplett überarbeitet und richtig langstrecken- und Overlanding-tauglich gemacht. Dadurch kannten wir irgendwann jeden Winkel des Fahrzeugs. Vor allem hatte der Defender für uns aber einen ganz anderen emotionalen Wert als irgendein gekauftes Reisefahrzeug. Mit genau diesem Auto sind wir später rund 100.000 Kilometer gefahren und haben 2022 ein komplettes Jahr darin gelebt.

Heute reisen wir mit einem Ineos Grenadier. Der Wechsel war emotional, weil unglaublich viele Erinnerungen am Defender hängen. Gleichzeitig wollten wir nach all den Jahren etwas Neues ausprobieren und unsere Reisen mit einem moderneren (und komfortableren) Fahrzeug fortsetzen. 


Gab es unterwegs Situationen, die ohne euer Fahrzeug wahrscheinlich nie passiert wären – im Guten oder im Schlechten?

Definitiv. Eine unserer schönsten Begegnungen ist zum Beispiel nur durch den Defender entstanden.

In Griechenland haben wir einmal einen VW Polo gesehen, der sich im Sand festgefahren hatte. Die Fahrerin war Russin und sprach kein Englisch, aber es war ziemlich schnell klar, was das Problem war. Also haben wir den Polo mit dem Defender aus dem Sand gezogen. Damit war die Sache für uns eigentlich erledigt. Für sie offensichtlich nicht.

Am nächsten Tag kam sie plötzlich mit Kaffee bei uns vorbei, um sich noch einmal zu bedanken. Kurz darauf nahm sie uns mit zum Schnorcheln und zeigte uns einen Platz, den wir selbst wahrscheinlich niemals gefunden hätten. Bis heute war das einer der schönsten Orte, an denen wir je geschnorchelt haben. Das Wasser war traumhaft und wir wären ohne diese Begegnung wahrscheinlich niemals dort gelandet.

Aus einer eigentlich völlig banalen Situation, jemand steckt mit seinem Auto im Sand fest, entstand plötzlich eine Erinnerung, die Jahre später noch da ist. Ohne den Defender hätten wir den Polo vielleicht gar nicht herausziehen können. Und ohne den festgefahrenen Polo hätten wir diesen Ort vermutlich nie gesehen.


Wie reagieren Menschen auf euer Fahrzeug? Gibt es Begegnungen oder Geschichten, die genau deshalb entstanden sind?

Beim Defender war das tatsächlich etwas ganz Besonderes. Unterwegs andere Defender-Fahrer zu treffen, hatte fast immer etwas von einer kleinen Community. Man winkt sich zu, kommt sehr schnell ins Gespräch und hat sofort ein gemeinsames Thema.

Gerade auf längeren Reisen haben wir immer wieder erlebt, dass aus so einer zufälligen Begegnung innerhalb kürzester Zeit eine richtig nette Bekanntschaft wurde. Aus manchen Begegnungen sind sogar Freundschaften entstanden, die bis heute bestehen.

Defender-Fahrer waren für uns unterwegs irgendwie selten einfach nur „andere Autofahrer“. Oft fühlte es sich eher so an, als würde man jemanden aus derselben kleinen verrückten Familie treffen. Dieses Gemeinschaftsgefühl haben wir bei kaum einem anderen Fahrzeug so stark erlebt.


Was liebt ihr an eurem Fahrzeug? Und was bringt euch manchmal zur Verzweiflung? 

Jeder Defender-Fahrer kennt wahrscheinlich diese ganz eigenen kleinen Macken. Nach längeren Strecken tun die Knie von der Kupplung weh, die Türen gehen gefühlt nie weit genug auf, eine Zentralverriegelung sucht man vergeblich und irgendwo leckt eigentlich immer irgendetwas. Natürlich gab es Momente, in denen uns genau solche Dinge genervt haben. Trotzdem haben wir es geliebt, mit dem Defender unterwegs zu sein.

Er hatte einfach unglaublich viel Charakter. Für uns hat dieses Auto ein ganz besonderes Gefühl von Freiheit ausgelöst. Man hatte immer das Gefühl: Egal, welche Straße vor uns liegt, wir kommen irgendwie weiter. Und selbst wenn unterwegs etwas kaputt geht, findet sich fast überall eine Werkstatt oder jemand, der einen Defender reparieren kann. Für uns kam natürlich noch dazu, dass wir so viel Zeit, Arbeit und Erinnerungen in genau dieses Fahrzeug gesteckt hatten.

Beim Grenadier ist es aktuell fast umgekehrt: Beim Fahren haben wir uns ziemlich schnell verliebt. Er gibt uns ein sehr sicheres und komfortables Fahrgefühl, hat eine tolle Performance auf der Straße und macht auch Offroad genau das, was wir uns von ihm wünschen.

Was uns momentan noch etwas zur Verzweiflung bringt, ist unser Setup mit dem Dachzelt. Da haben wir noch nicht die perfekte Lösung gefunden und sind weiterhin am Ausprobieren und Optimieren. Aber wahrscheinlich gehört genau das auch dazu. Ein Reisefahrzeug entwickelt sich mit jeder Reise weiter und irgendwann weiß man sehr genau, was für einen selbst funktioniert und was nicht.


Wenn ihr heute noch einmal losfahren würdet: Würdet ihr wieder genau dieses Fahrzeug wählen? Warum?

Wenn wir uns heute das perfekte Reisefahrzeug zusammenstellen könnten, wäre es wahrscheinlich ganz einfach: der Grenadier mit unserem alten Defender-Ausbau. Am Defender haben wir dieses unglaublich praktische, über Jahre gewachsene Setup geliebt. Wir wussten genau, wo alles hingehört, was funktioniert und was wir unterwegs wirklich brauchen. Der Ausbau war auf uns zugeschnitten und hatte sich auf sehr vielen Kilometern bewährt.

Beim Grenadier lieben wir dagegen das Fahren. Er ist komfortabler, vermittelt ein sehr sicheres Fahrgefühl und funktioniert auch Offroad richtig gut. Für uns wäre die perfekte Kombination tatsächlich der Fahrkomfort und die Performance des Grenadiers mit der Einfachheit, Funktionalität und Vertrautheit unseres Defender-Ausbaus.

Ob wir heute wieder mit einem Defender auf die große Reise gehen würden? Wahrscheinlich trotzdem ja. Für genau diese Zeit war er für uns das richtige Auto und ist untrennbar mit dieser Reise verbunden.

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Wie sieht ein ganz normaler Tag bei euch unterwegs aus?

Das kommt tatsächlich sehr darauf an, wo wir gerade sind und natürlich auch auf das Wetter. Wir stehen unterwegs gerne früh auf, besonders dann, wenn wir uns etwas anschauen möchten. Unser persönliches Ziel ist eigentlich immer: vor den anderen Touristen da sein.

Während unserer einjährigen Reise 2022 war das besonders schön. Wir haben irgendwann fast komplett ohne Wecker gelebt und sind meistens einfach mit dem Sonnenaufgang wach geworden. Und das Verrückte war: Wir waren trotzdem ausgeschlafen. Dieses Gefühl, den eigenen Rhythmus wiederzufinden und nicht ständig nach der Uhr zu leben, war etwas ganz Besonderes.

Wir müssen aber auch zugeben, dass wir gerne fahren und längere Etappen für uns überhaupt kein Problem sind. Ein perfekter Reisetag sieht deshalb ungefähr so aus: früh losfahren, unterwegs etwas anschauen, mittags irgendwo in einem kleinen Restaurant einkehren, danach noch ein Stück weiterfahren und am Abend einen schönen Platz finden, an dem wir selbst kochen und den Tag ausklingen lassen.

Wenn wir heute für Wanderlust Overlanding in Italien recherchieren, sieht der Alltag natürlich etwas anders aus. Dann ist deutlich mehr geplant, weil wir nicht nur für uns unterwegs sind, sondern Orte, Strecken und Übernachtungsmöglichkeiten auch wirklich testen möchten. Dadurch landen wir zum Beispiel immer wieder auf Agriturismi oder an besonderen Stellplätzen, die wir später auch unseren Lesern guten Gewissens empfehlen können.

Uns ist dabei sehr wichtig, sich an die Regeln und Gegebenheiten des jeweiligen Landes anzupassen. Wenn Wildcamping irgendwo nicht erlaubt ist, dann machen wir es auch nicht. Für uns ist das eigentlich selbstverständlich.

Leider erleben wir immer wieder, dass das nicht von allen so gesehen wird. Genau dadurch gehen vielerorts Möglichkeiten verloren, weil Zufahrten gesperrt, Plätze geschlossen oder neue Verbote ausgesprochen werden. Für uns gehört zu dieser Art des Reisens deshalb nicht nur Freiheit, sondern genauso Respekt gegenüber dem Land, den Menschen und den Regeln vor Ort.


An welchem Ort seid ihr viel länger geblieben als geplant – einfach weil ihr nicht mehr weg wolltet?

Das war für uns ganz klar Kaş in der Türkei. Dieser Ort hat uns irgendwie sofort magisch angezogen. Die Menschen, das Essen, das unglaublich klare Wasser und diese entspannte Atmosphäre haben uns komplett erwischt.

Auf unserer langen Reise war Kaş für uns fast so etwas wie ein Urlaub vom Urlaub. Wir waren zwar schon seit Monaten unterwegs, aber dort haben wir zum ersten Mal seit Langem einfach bewusst einen Gang runtergeschaltet und sind länger geblieben, als wir ursprünglich geplant hatten.

Und vielleicht merkt man erst dann, wie sehr einen ein Ort wirklich berührt hat, wenn man zurückkommt. Zwei Jahre später waren wir wieder in Kaş. Und obwohl in der Zwischenzeit so viel passiert war, hat es sich sofort vertraut angefühlt. Fast ein bisschen wie nach Hause kommen. Es gibt Orte, die man schön findet. Und dann gibt es Orte, zu denen man eine Verbindung aufbaut. Kaş ist für uns definitiv so ein Ort.


Erzählt uns von einem Abend, den ihr nie vergessen werdet.

Einer dieser Abende war in Armenien, auf fast 3.000 Metern Höhe am Fuß des Mount Aragats. Wir standen dort gemeinsam mit unseren neuen südafrikanischen Defender-Freunden. Um uns herum war eigentlich nichts außer Bergen, Weite und Schafen. Wir waren ziemlich sicher, dass wir dort oben komplett für uns wären.

Bis am Abend plötzlich ein Meteorologe und sein Sohn bei uns auftauchten. Nicht weit von unserem Platz entfernt befand sich eine Wetterstation, in der der Vater den ganzen Sommer über lebte. Die beiden luden uns ein, mitzukommen. Wobei „einladen“ eigentlich zu höflich formuliert ist. Sie bestanden förmlich darauf.

Wir konnten uns gegenseitig praktisch mit keinem einzigen Wort verständigen, aber irgendwie spielte das an diesem Abend überhaupt keine Rolle. In der Wetterstation gab es selbstgemachten Schnaps, laute Musik, es wurde getanzt und versucht, sich mit Händen und Füßen zu verständigen. Die ganze Situation war so unerwartet und teilweise so skurril, dass wir eigentlich die meiste Zeit einfach nur lachen mussten.

Solche Begegnungen kann man nicht planen. Und genau deshalb gehören sie für uns zu den wertvollsten Erinnerungen unserer Reisen.

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„Man braucht erstaunlich wenig, um sich irgendwo auf der Welt zu Hause zu fühlen.“

Wann habt ihr unterwegs gedacht: „Was zur Hölle machen wir hier eigentlich?“ Was war passiert?

Während unserer großen Reise 2022 waren wir in Griechenland auf einer sehr abgelegenen Offroad-Piste unterwegs. Irgendwann führte die Strecke durch ein enges Flussbett und dort haben wir den Defender richtig schön festgesetzt. Kein Handyempfang. Kein Verkehr. Keine Menschen.

In Anna Lenas Kopf war die Reise in diesem Moment schon vorbei. Sie war gedanklich bereits dabei, unsere Versicherungsunterlagen herauszusuchen und zu überlegen, wie zur Hölle überhaupt irgendjemand ein Abschleppfahrzeug an diesen Ort bekommen sollte. Davide war zum Glück etwas lösungsorientierter. 

Wir haben angefangen, Steine zu sammeln und daraus unter dem Rad eine Art Treppenkonstruktion gebaut. Stein für Stein entstand eine Rampe, über die der Defender schließlich mit dem Hinterrad hochfahren konnte. Und irgendwann waren wir tatsächlich wieder frei. 

Das Beste an der Geschichte kam aber eigentlich vorher. Wer durch Griechenland reist, kennt wahrscheinlich diese kleinen Schreine und heiligen Stätten am Straßenrand, an denen Menschen anhalten, beten oder kleine Gaben hinterlassen. Kurz bevor wir uns festgesetzt haben, waren wir an einem solchen Ort vorbeigefahren und hatten dieses Mal nicht angehalten. Kurz danach: Defender im Flussbett. Seit diesem Tag haben wir diese kleinen Orte unterwegs jedenfalls sehr ernst genommen und immer gewürdigt. Man will das Schicksal schließlich nicht unnötig provozieren.


Und wann dachtet ihr genau das Gegenteil? „Genau deshalb machen wir das.“

Einer dieser Momente kam ziemlich am Anfang unserer langen Reise, auf Djerba in Tunesien. Wir hatten direkt am Strand übernachtet und wurden morgens mit dem Sonnenaufgang wach. Der Himmel war rötlich gefärbt, alles war noch ganz ruhig und nicht weit von uns zog eine Herde Kamele am Strand entlang.

Es war eigentlich gar nichts Spektakuläres passiert. Und trotzdem war genau das einer dieser Momente, in denen plötzlich alles zusammenkam. Wir saßen da, schauten auf das Meer, auf diesen Himmel und die Kamele und konnten kaum glauben, dass das gerade wirklich unser Morgen war.

Das war einer der ersten Momente auf dieser Reise, der bei uns ganz starke Glücksgefühle ausgelöst hat. So stark, dass die Augen tatsächlich ein bisschen feucht wurden. 

Und da war dieser Gedanke ganz klar: Genau deshalb machen wir das.


Welche Geschichte erzählt ihr immer wieder – obwohl sie längst jeder in eurem Umfeld kennt?

Eine davon spielt in Georgien. Wir waren dort mit neu gewonnenen Defender-Freunden bei einem Chacha- und Weintasting, bei dem wir gleichzeitig traditionelle georgische Gerichte gekocht haben. Es wurde gegessen, probiert, angestoßen und wir hatten einfach einen unglaublich lustigen Abend.

Offensichtlich so lustig, dass wir irgendwann komplett das Zeitgefühl verloren haben. Irgendwann fiel uns auf, dass es plötzlich ziemlich ruhig geworden war. Wir schauten uns um und stellten fest: Es war niemand mehr da. Die anderen Gäste waren längst gegangen, das Licht war teilweise schon aus und man hatte uns einfach weiter zusammensitzen lassen. Nur die Security war noch da. Niemand kam und sagte, dass wir jetzt gehen müssten. Wir durften einfach unseren Abend zu Ende bringen.

Das ist so eine kleine Geschichte, die für uns ganz viel über die Gastfreundschaft erzählt, die wir unterwegs erlebt haben. Und wir sind uns ziemlich sicher, dass uns das nicht an besonders vielen Orten passiert wäre. Jedenfalls erzählen wir die Geschichte bis heute gerne – auch wenn unsere Freunde sie wahrscheinlich inzwischen mitsprechen können.

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Erzählt uns von der Panne, über die ihr heute selbst lachen könnt.

Eine unserer eher absurden Pannen hatten wir in Spanien. Wir waren vorher Offroad unterwegs und hatten irgendwann unser Nummernschild verloren. Gemerkt haben wir das natürlich nicht sofort. Nein, wir haben erst ganz in Ruhe unseren Stellplatz aufgebaut, diskutiert, wie der Defender am besten stehen soll, die perfekten Steine zum Unterlegen gesucht und alles schön eingerichtet. Und dann fiel uns auf: Das Nummernschild ist weg.

Also alles wieder einpacken, Auto gerade machen, Steine wieder weg und zurück zur Polizei. Die Stimmung war entsprechend hervorragend. 😄 

Heute lachen wir darüber. Damals war es eher die Sorte Reisemoment, bei der man sich sehr liebt, aber vielleicht besser erst einmal fünf Minuten nicht miteinander spricht.


Was war die teuerste Lektion eurer Reise? Nicht nur finanziell.

Vielleicht war eine unserer wichtigsten Lektionen, wie schnell man sich von den Vorurteilen anderer beeinflussen lässt. Vor unserer langen Reise wurde uns über manche Länder sehr viel erzählt. Wir wurden gewarnt, bekamen Geschichten zu hören und natürlich auch ungefragte Ratschläge, warum wir dort besser nicht hinfahren sollten. Vieles davon hat im Vorfeld durchaus etwas mit uns gemacht. Und dann waren wir selbst dort.

Sehr oft haben wir genau das Gegenteil von dem erlebt, wovor man uns gewarnt hatte. Wir wurden herzlich empfangen, Menschen haben uns geholfen, Fremde haben uns eingeladen und wir haben uns an Orten unglaublich wohlgefühlt, über die wir vorher hauptsächlich negative Geschichten gehört hatten. Seitdem versuchen wir viel bewusster, uns selbst ein Bild zu machen und nicht vorschnell über ein Land, eine Kultur oder die Menschen dort zu urteilen.

Natürlich bedeutet das nicht, Risiken zu ignorieren oder unvorbereitet irgendwohin zu fahren. Aber zwischen einer realistischen Einschätzung und einem Vorurteil liegt ein großer Unterschied. Vielleicht ist genau das eine der wertvollsten Lektionen, die uns das Reisen beigebracht hat: weniger auf das hören, was „man so sagt“, und mehr selbst erleben.


Was würdet ihr heute komplett anders machen – und warum?

Komplett anders würden wir wahrscheinlich gar nichts machen. Für uns gehört es zum Reisen dazu, Erfahrungen zu sammeln, Dinge auszuprobieren und daraus zu lernen. Gerade beim Fahrzeug und beim Setup merkt man oft erst unterwegs, was wirklich funktioniert und was man beim nächsten Mal verändern möchte.

Und irgendwie wäre es auch schade, wenn von Anfang an alles perfekt wäre. Man entwickelt sich mit jeder Reise weiter und findet Schritt für Schritt heraus, was für einen selbst am besten funktioniert.
Eine Sache machen wir heute aber ganz bewusst mehr: den Kontakt zu den Menschen vor Ort suchen. Locals haben fast immer die besten Tipps, kennen Orte, die in keinem Reiseführer stehen, und geben einem einen ganz anderen Einblick in ein Land.

Und wenn wir heute an unsere schönsten Reiseerinnerungen zurückdenken, hängen erstaunlich viele davon nicht an einer Landschaft oder Sehenswürdigkeit, sondern an Menschen. An anderen Reisenden, an Einheimischen und an Begegnungen, die eigentlich gar nicht geplant waren.

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„Man muss nicht auf alles vorbereitet sein, bevor man losfährt.“

Welcher Mensch geht euch bis heute nicht mehr aus dem Kopf? Warum?

Da gibt es nicht nur einen. Vor allem denken wir an einige Menschen, die wir unterwegs kennengelernt haben und aus denen inzwischen echte Freundschaften geworden sind. Mit manchen haben wir auch Jahre später noch Kontakt und waren mittlerweile sogar wieder gemeinsam auf Tour.

Das ist wahrscheinlich eines der schönsten Dinge am Reisen: Man fährt irgendwo als Fremde hin und kommt mit Freunden wieder zurück.

Und dann gibt es natürlich Begegnungen, die nur einen Abend dauern und trotzdem für immer hängen bleiben. Unser Meteorologe in Armenien gehört definitiv dazu. Ein Mann, mit dem wir kein einziges gemeinsames Wort sprechen konnten, der uns trotzdem in seine Wetterstation auf fast 3.000 Metern eingeladen hat und mit dem wir einen Abend lang getrunken, getanzt und gelacht haben. 

Wir werden ihn wahrscheinlich nie wiedersehen. Aber vergessen werden wir ihn genauso wenig.


Gab es eine Begegnung, die euch verändert hat? Eine Geschichte, die ihr nie vergessen werdet?

Sehr viel mit uns gemacht haben die Begegnungen mit Straßentieren. Wer länger durch Länder reist, in denen viele Hunde und Katzen auf der Straße leben, kann irgendwann nicht mehr einfach daran vorbeisehen. Besonders berührt hat uns, wie viel Vertrauen und Liebe einem manche dieser Tiere entgegenbringen, obwohl ihr Leben oft alles andere als einfach ist.

Irgendwann haben wir angefangen, grundsätzlich Futter im Auto dabeizuhaben. Bis heute gehört das für uns zur Reiseausrüstung. Und aus einer Begegnung wurde sogar noch sehr viel mehr: Von unserer großen Reise 2022 haben am Ende zwei ehemalige Straßenkatzen den Weg mit uns nach Deutschland gefunden und leben heute bei uns zu Hause.

Vielleicht ist das die Begegnung, die unser Leben tatsächlich am nachhaltigsten verändert hat. Wir sind damals zu zweit losgefahren und irgendwann zu viert wieder im Alltag angekommen.


Gab es unterwegs jemanden, der euch geholfen hat, obwohl er eigentlich keinen Grund dazu hatte? Was ist passiert?

Ja, und eine unserer liebsten Geschichten dazu spielt an der türkischen Schwarzmeerküste. Wir waren gemeinsam mit neu gewonnenen Overlanding-Freunden in einer kleinen Stadt, in die sich vermutlich nur sehr selten ausländische Touristen verirren. Wir wollten eigentlich nur unsere Wäsche waschen und hatten bei Google Maps eine Wäscherei gefunden.

Also fuhren wir mit zwei vollbepackten Defendern in diese winzige Straße. Innerhalb kürzester Zeit wurden wir gefühlt von jedem Balkon aus beobachtet. Dann kam plötzlich ein Mann auf uns zu und sprach uns in gebrochenem Deutsch mit österreichischem Dialekt an. Er erzählte, dass er früher Lkw gefahren und viel in Österreich unterwegs gewesen sei. Als wir ihm erklärten, dass wir die Wäscherei suchten, nahm er kurzerhand sein Telefon und rief den Besitzer für uns an.

Während wir auf ihn warteten, wurden wir erst einmal mit ordentlich Çay versorgt. Nach der Menge Tee war an Schlaf für die kommende Nacht eigentlich nicht mehr zu denken. Bezahlen durften wir natürlich nichts. „Ihr seid Gäste“, hieß es nur.

Der Besitzer der Wäscherei kam schließlich extra für uns und öffnete den Laden. Wir waren ursprünglich davon ausgegangen, dort einfach ein paar Waschmaschinen vorzufinden und nach einer Stunde wieder weiterzufahren.

Ganz so lief es nicht.

Wir gaben unsere Wäsche ab und wurden anschließend erst einmal zum Mittagessen in ein kleines lokales Restaurant geschickt. Das Essen war köstlich und danach hatten wir plötzlich mehrere Stunden Zeit, diese für uns ziemlich skurrile kleine Stadt zu erkunden.

Rund sechs Stunden später konnten wir unsere Sachen wieder abholen. Frisch gewaschen, getrocknet und sogar gebügelt.

Wir wollten eigentlich nur Wäsche waschen und bekamen stattdessen Tee, Mittagessen, eine kleine Stadtbesichtigung und eine dieser Begegnungen, die man niemals planen könnte. Genau solche Tage sind es, die uns bis heute daran erinnern, wie unglaublich viel Gastfreundschaft wir unterwegs erfahren haben.

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Plötzlich zu viert ;)
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Wie finanziert ihr dieses Leben? Und wie geht ihr mit der Unsicherheit um, die damit vielleicht verbunden ist?

Ganz unspektakulär: Wir arbeiten. Wir haben beide weiterhin unsere normalen Hauptjobs und finanzieren damit unser Leben und natürlich auch unsere Reisen.

Unsere einjährige Reise 2022 haben wir vor allem aus Erspartem finanziert. Zusätzlich konnten wir unsere Wohnung für diese Zeit vermieten, was uns natürlich sehr geholfen hat. Wir hatten im Vorfeld ziemlich genau gerechnet, was wir monatlich brauchen würden, und versucht, uns einen realistischen finanziellen Rahmen zu setzen.

Und im Endeffekt war das Jahr auch gar nicht so teuer, wie man vielleicht zunächst denkt. Gerade außerhalb Europas waren viele laufende Kosten deutlich niedriger. Diesel war für uns teilweise wesentlich günstiger und auch für Lebensmittel haben wir oft deutlich weniger ausgegeben als zu Hause. Natürlich hängt das immer stark davon ab, wie man reist und welchen Komfort man erwartet.

Wanderlust Overlanding ist noch ein sehr junges Projekt und wir bauen es parallel Schritt für Schritt auf. Davon können wir momentan noch nicht leben und wir wollen auch nicht so tun, als wäre das bereits der Fall.

Vielleicht unterscheidet uns das auch ein bisschen von dem Bild, das man auf Social Media oft sieht. Wir sind keine klassischen Vollzeitreisenden, die alles verkauft haben und seit Jahren ausschließlich unterwegs sind. Wir haben einen normalen Alltag, Jobs, Verpflichtungen und ein Zuhause in Deutschland und versuchen gleichzeitig, dem Reisen so viel Raum wie möglich zu geben.

Unsicherheit gehört natürlich dazu. Gerade bei so einem Schritt fragt man sich vorher ständig, ob das Geld reicht, ob alles klappt und was passiert, wenn etwas Unvorhergesehenes kommt.

Aber genau da haben wir auch gelernt: Irgendwie schafft man es dann doch.

Man findet Lösungen, passt seine Pläne an und merkt unterwegs oft, dass man viel weniger braucht, als man vorher gedacht hat. Und am Ende war dieses Jahr für uns jeden gesparten Euro wert.


Was war unterwegs euer größter Luxus – obwohl er kein Geld gekostet hat?

Ganz klar: Freiheit. Keine Termine zu haben, nicht ständig auf die Uhr schauen zu müssen und den Tag weitgehend selbst bestimmen zu können, war wahrscheinlich der größte Luxus überhaupt.

Natürlich hatten wir auch unterwegs unseren Alltag und unsere kleinen Sorgen. Wo schlafen wir heute? Haben wir noch genug Essen? Reicht der Diesel? Müssen wir Wasser auffüllen?

Aber im Vergleich zu den Sorgen und Verpflichtungen des normalen Alltags fühlte sich das unglaublich leicht an. Das Verrückte ist, dass uns dieser Luxus während der Reise oft gar nicht so bewusst war. Nach einigen Monaten wurde auch dieses freie Leben ganz selbstverständlich und damit irgendwie Alltag.
Erst im Nachhinein, besonders nach der Rückkehr, haben wir wirklich verstanden, wie besonders es war, morgens aufzuwachen und zu wissen: Heute müssen wir eigentlich nirgendwo sein.

„Auf Social Media sieht man den Sonnenuntergang – nicht die zwei Stunden, in denen man vorher nach dem Stellplatz gesucht hat.“

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Was ist das Schönste daran, gemeinsam unterwegs zu sein?

Dass wir all diese Erinnerungen miteinander teilen. Wenn wir heute über irgendeinen kleinen Ort in Georgien, eine Straße in Italien oder eine absurde Situation irgendwo unterwegs sprechen, weiß der andere sofort, was gemeint ist.

Außerdem kennen wir uns nach all den Kilometern und besonders nach unserem Jahr unterwegs wahrscheinlich ziemlich gut. 2022 haben wir ungefähr ein Jahr auf rund sechs Quadratmetern zusammengelebt. 2023 haben wir geheiratet. Wir sagen deshalb gerne: Wer das schafft, ohne sich zu trennen, kann anschließend eigentlich bedenkenlos heiraten.


Und was ist manchmal richtig beschissen? Worüber diskutiert ihr unterwegs regelmäßig? 

Die tägliche Diskussion ist bei uns ziemlich eindeutig: Wie steht das Auto zum Schlafen? Wir diskutierten darüber wirklich fast jeden Abend. Ist es gerade genug? Steht die Kopfseite höher? Müssen wir noch einmal umparken? Reicht ein Stein unter dem Reifen oder doch lieber zwei? Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen, bei denen wir uns sofort einig sind. Das Thema begleitet uns so zuverlässig, dass es sogar Teil von Anna Lenas Ehegelübde geworden ist. 😄

Und dann gibt es natürlich die ganz normalen Herausforderungen, wenn zwei Menschen auf sehr wenig Raum zusammenleben. Im Defender bedeutete das zum Beispiel, sich teilweise im halben Liegen anzuziehen.

Dafür hatten wir irgendwann ein ziemlich eingespieltes System: Einer liegt möglichst still und macht sich klein, während der andere versucht, sich irgendwie anzuziehen. Danach geht der Erste raus und der Zweite bekommt seinen Platz. Klingt absurd, wird aber erstaunlich schnell zum Alltag. Und wahrscheinlich lernt man auf sechs Quadratmetern auch ziemlich schnell, über Dinge zu lachen, die einen zu Hause vermutlich wahnsinnig machen würden.


Glaubt ihr, eure Reise wäre eine andere geworden, wenn ihr alleine unterwegs wärt?

Definitiv. Anna Lena wäre wahrscheinlich gar nicht erst alleine zu so einer Reise aufgebrochen. Für sie war von Anfang an klar, dass dieses Abenteuer etwas ist, das wir gemeinsam erleben wollen. Und auch Davide hätte die Reise alleine vermutlich ganz anders empfunden. Denn ein großer Teil dessen, was Reisen für uns ausmacht, ist nicht nur das Erleben selbst, sondern es im selben Moment miteinander teilen zu können.

Einen besonderen Sonnenaufgang sehen, eine absurde Situation erleben, über eine Panne lachen oder abends einfach sagen: „Was war das bitte für ein Tag?“ Genau dieses gemeinsame Erleben würden wir beide sehr vermissen.

Vielleicht wäre man alleine manchmal spontaner oder würde andere Entscheidungen treffen. Aber für uns wäre die Reise dadurch nicht intensiver geworden, sondern eher unvollständiger. Wir mögen einfach das Gefühl, am Ende sagen zu können: Das haben wir zusammen erlebt.

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Welche Frage könnt ihr wirklich nicht mehr hören?

Wahrscheinlich sind es gleich zwei. 😄

Zum einen: „Wie könnt ihr euch das eigentlich leisten?“ Die Frage ist natürlich verständlich, aber irgendwann wird sie etwas mühsam, weil dahinter oft die Vorstellung steckt, dass man für längeres Reisen unglaublich viel Geld haben muss. Dabei haben wir einfach lange gespart, unsere Wohnung während der großen Reise vermietet und unterwegs gemerkt, dass so ein Leben teilweise deutlich günstiger sein kann, als man denkt.

Und dann kommt sehr häufig: „Ist euch denn nie etwas Gefährliches passiert?“ Gerade wenn wir von Ländern erzählen, vor denen viele Menschen Respekt haben, scheint die Erwartung manchmal fast zu sein, dass wir unbedingt eine schlimme Geschichte mitgebracht haben müssen. Natürlich gab es auch bei uns brenzlige Situationen, zum Beispiel in Marokko. Wir wollen das überhaupt nicht schönreden. Aber solche Momente waren eben nicht das, was unsere Reisen insgesamt geprägt hat. Viel stärker in Erinnerung geblieben sind uns Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft und all die Begegnungen mit Menschen, die uns völlig selbstverständlich geholfen oder willkommen geheißen haben.


Was glauben viele Menschen über euer Leben unterwegs – obwohl es überhaupt nicht stimmt?

Dass Reisen immer Urlaub ist. Natürlich gibt es wunderschöne Tage. Aber unterwegs sein bedeutet genauso organisieren, einkaufen, waschen, Dinge reparieren, Routen planen, Grenzen überqueren, nach Wasser suchen und manchmal stundenlang fahren. Und wenn man länger unterwegs ist, wird auch das Außergewöhnliche irgendwann Alltag. Das macht es nicht weniger schön. Nur sehr viel realer als das Bild, das man auf Social Media häufig sieht


Was wird auf Social Media über das Reisen romantisiert, obwohl die Realität manchmal ganz anders aussieht?

Wahrscheinlich vor allem die Vorstellung, dass Reisen immer leicht und wunderschön ist. Die Freiheit, die wir unterwegs empfinden, ist für uns absolut real und tatsächlich einer der größten Gründe, warum wir das Reisen so lieben. Aber Freiheit bedeutet eben nicht, dass jeder Tag perfekt ist.

Auf Social Media sieht man den Sonnenuntergang am einsamen Stellplatz. Was man meistens nicht sieht, ist, dass man vorher vielleicht zwei Stunden nach diesem Platz gesucht hat, das Auto schief steht, überall Mücken sind und plötzlich festgestellt wird, dass das Wasser knapp wird. Man sieht die traumhafte Offroad-Piste, aber nicht unbedingt die Diskussion davor, ob man da wirklich reinfahren sollte, oder die Stunden danach, in denen alles voller Staub ist.

Und natürlich gibt es auch Tage, an denen man müde ist, sich gegenseitig nervt, etwas kaputt geht oder einfach gar nichts so läuft, wie man es sich vorgestellt hat. Das macht das Reisen für uns aber nicht weniger schön. Im Gegenteil: Genau diese Mischung aus Freiheit, kleinen Herausforderungen, Chaos und den unglaublich schönen Momenten macht es am Ende so besonders.

„Man fährt irgendwo als Fremde hin und kommt mit Freunden wieder zurück.“

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Was hat euch das Unterwegssein beigebracht, das euch keine Schule der Welt hätte beibringen können?

Dass es fast immer irgendeine Lösung gibt. Unterwegs kann man Probleme nicht ewig analysieren oder verschieben. Wenn man irgendwo steht und etwas nicht funktioniert, muss man mit dem arbeiten, was gerade da ist. Man lernt außerdem sehr schnell, dass die eigene Art zu leben und Dinge zu sehen eben nur eine von vielen ist. Je mehr Länder wir bereist haben, desto weniger glauben wir, dass es nur einen richtigen Weg gibt, sein Leben zu führen.


Welche Meinung hattet ihr vor eurer Reise – und würdet heute das komplette Gegenteil behaupten?

Vor unserer Reise hätten wir wahrscheinlich gesagt, dass Zuhause ein bestimmter Ort ist. Die eigene Wohnung, die gewohnte Umgebung, Freunde und Familie in der Nähe. Heute würden wir das komplett anders beantworten. Nach einem Jahr, in dem unser Defender unser Zuhause war und sich der Ausblick vor der Tür ständig verändert hat, haben wir gemerkt, dass Zuhause für uns viel weniger mit einem festen Ort zu tun hat, als wir früher gedacht haben.

Unterwegs wurden wir von Familie und Freunden immer wieder gefragt, ob wir Zuhause vermissen oder ob wir uns darauf freuen, irgendwann wieder zurückzukommen. Und ehrlich gesagt: beides eigentlich nicht. Was wir vermisst haben, waren die Menschen. Familie, Freunde und die gemeinsamen Momente mit ihnen. Davide ist Anna Lenas Zuhause und Anna Lena ist Davides.

Ob wir gerade in Deutschland sind, irgendwo in Griechenland am Meer stehen, in Armenien in den Bergen oder irgendwann vielleicht in Italien leben, ist dabei gar nicht das Entscheidende. Natürlich lieben wir es, einen Ort zu haben, an den wir zurückkehren können. Aber dieses ganz tiefe Gefühl von Zuhause entsteht für uns inzwischen vor allem dadurch, dass wir zusammen sind. Vielleicht war das eine der schönsten Erkenntnisse dieser Reise: Man braucht erstaunlich wenig, um sich irgendwo auf der Welt zu Hause zu fühlen.


Wenn ihr eurem „Ich“ vor der Abreise einen einzigen Satz mitgeben könntet – welcher wäre das?

Mach dir weniger Gedanken darüber, was alles schiefgehen könnte. Du wirst sowieso nicht auf die Dinge vorbereitet sein, die tatsächlich passieren. Und trotzdem wirst du fast immer eine Lösung finden.

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Was bedeutet für euch persönlich „One Life. Live It.“?

Für uns bedeutet es, offen und neugierig zu bleiben und dem Leben Raum für Dinge zu geben, die man nicht komplett planen kann. Es müssen dabei gar nicht immer die großen Abenteuer sein. Oft sind es gerade die kleinen Entscheidungen, die etwas verändern: noch einmal abzubiegen, mit jemandem ins Gespräch zu kommen, länger an einem Ort zu bleiben oder einfach etwas auszuprobieren.

One Life. Live It. bedeutet für uns deshalb nicht, ständig etwas Spektakuläres erleben zu müssen. Es bedeutet, das eigene Leben nicht nur irgendwann leben zu wollen. Nicht immer nur sagen: „Eines Tages machen wir das.“ Sondern irgendwann zu sagen: „Wir machen das jetzt.“


Wenn jemand nach dem Lesen eurer Geschichte ebenfalls den Mut findet loszufahren – was möchtet ihr ihm oder ihr mit auf den Weg geben?

Man muss nicht sofort ein Jahr kündigen, ein Expeditionsfahrzeug kaufen oder ans andere Ende der Welt fahren. Einfach anfangen. Die erste Reise kann genauso gut ein Wochenende sein. Die erste Piste kann zehn Kilometer von zu Hause entfernt liegen. Man muss auch nicht auf alles vorbereitet sein, bevor man losfährt. Vieles lernt man sowieso erst unterwegs. Und wahrscheinlich ist genau das der Punkt.


Gibt es ein Projekt, einen Menschen oder eine Initiative, die euch unterwegs besonders ans Herz gewachsen ist? Oder etwas, das wir unbedingt mit der OLLI-Community teilen sollten?

Ein einzelnes Projekt können wir gar nicht nennen. Was uns aber auf unseren Reisen sehr ans Herz gewachsen ist, sind zum einen die vielen Straßentiere, denen wir begegnen. Seit unserer großen Reise haben wir deshalb immer Futter im Auto und zwei ehemalige Straßenkatzen sind heute sogar Teil unserer Familie. Gleichzeitig liegt uns verantwortungsvolles Reisen sehr am Herzen. Gerade beim Overlanding merken wir immer häufiger, dass schöne Orte und Strecken verloren gehen, weil Regeln ignoriert, Plätze vermüllt oder Grenzen nicht respektiert werden.

Für uns bedeutet Reisen aber auch, Gast in einem Land und in der Heimat anderer Menschen zu sein. Dazu gehört, Regeln zu respektieren, Rücksicht zu nehmen und einen Ort so zu hinterlassen, wie man ihn selbst gerne vorfinden würde. Wenn wir der OLLI-Community also etwas mitgeben möchten, dann vielleicht genau das: 

Genießt diese Freiheit, aber immer mit Respekt vor den Menschen, der Natur und den Orten, die euch diese Erlebnisse überhaupt ermöglichen.

Folge Anna Lena und Davide auf: 

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