Mit einem BMW E34 durch Afrika – und das, was wirklich zählt

Mit einem BMW E34 durch Afrika – und das, was wirklich zählt

2025 kündigt Emanuel seinen Job und fährt los. Erst Richtung Zentralasien. Nach 26.000 Kilometern hätte die Reise enden können – stattdessen fährt er weiter. Heute ist er allein in Afrika unterwegs. In einem BMW E34 von 1988, den er einfach „Theodor“ nennt. Ein Fahrzeug, das auf dem Papier für vieles gemacht ist – aber sicher nicht für diese Art von Reise.

Wir sprechen mit Menschen, die ihr Leben anders leben – bewusst, mutig, manchmal radikal. Nicht, um zu beeindrucken. Sondern um zu inspirieren, zu hinterfragen und zu zeigen: Es geht auch anders. Und das ist okay.

Hier geht’s nicht um Floskeln. Nicht um Hochglanz. Sondern um echte Antworten – auf die Fragen, die man sich am Lagerfeuer stellt, wenn keiner mehr Smalltalk macht. Denn wer unterwegs ist, hat viel zu erzählen. Und oft mehr zu geben, als man denkt.

Emanuel & Theodor – mit einem BMW E34 durch Afrika, ohne zu wissen, wo es endet

Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was jemanden dazu bringt, so loszufahren, warum Vertrauen manchmal wichtiger ist als Vorbereitung und was passiert, wenn man beginnt, sich nicht mehr an Plänen zu orientieren, sondern an dem, was sich unterwegs richtig anfühlt.

Über dich und deine Reise


Emanuel, wer bist du – und was hast du gemacht, bevor du dich entschieden hast, dein Leben gegen diese Reise einzutauschen?

Ich bin seit April 2025 Vollzeit unterwegs. Davor habe ich als Regionalverkaufsleiter für ein deutsches Unternehmen gearbeitet. Es war ein klassischer Job mit klarer Struktur, Verantwortung und einem ziemlich durchgetakteten Alltag. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mich das zwar fordert, aber nicht mehr wirklich erfüllt. Die Idee zu reisen war schon länger da, aber sie wurde immer wieder verschoben. Bis zu dem Punkt, an dem klar wurde, dass es keinen perfekten Moment geben wird.


Deine Reise begann nicht in Afrika, sondern in Richtung Zentralasien. Ursprünglich war das als abgeschlossene Etappe gedacht. Was hat sich unterwegs verändert?

Nach der Tour durch Zentralasien war eigentlich geplant, wieder nach Hause zu fahren. Die Strecke, die Erfahrungen, das Unterwegssein – das alles war intensiv, aber ich hatte das Gefühl, dass es damit einen runden Abschluss gibt. Und genau dieses Gefühl hat gefehlt. Stattdessen hat es sich falsch angefühlt, einfach aufzuhören. Ich bin dann weiter Richtung Dakar gefahren, eher aus einem Impuls heraus, ohne großen Plan. Dort angekommen war aber schnell klar, dass auch das kein Endpunkt ist. Also ging es weiter Richtung Süden, bis nach Südafrika.

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Emanuel und Theodor (im Hintergrund)
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What a challenge!! Mit einem BMW E34 durch Afrika und Asien.
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Im Dschungel von Kamerun.

Du bist mit einem BMW E34 unterwegs. Kein klassisches Overlanding-Fahrzeug. Warum genau dieses Auto?

Ich habe den BMW seit 2018. Ich kenne das Auto, ich weiß, wie es sich verhält, und ich habe Vertrauen in die Substanz. Für mich war das wichtiger als jedes theoretisch „bessere“ Fahrzeug. Natürlich gibt es Autos, die für solche Reisen besser geeignet sind, aber am Ende geht es darum, womit man sich wohlfühlt und worauf man sich verlassen kann. Dieses Vertrauen hat sich auch bestätigt. Von Deutschland bis Angola hatte ich keine einzige Panne.


Was hast du technisch angepasst, um ihn auf diese Reise vorzubereiten?

Es sind keine extremen Umbauten. Eine leichte Höherlegung, ein stabiler Unterfahrschutz für die Ölwanne und vor allem ein guter Allgemeinzustand ohne Wartungsstau. Ich wollte kein komplett umgebautes Fahrzeug, sondern eines, das solide ist und bei dem ich weiß, worauf ich mich einlasse.


Du sagst, du vertraust deinem Fahrzeug. Gab es unterwegs Momente, in denen dieses Vertrauen wirklich auf die Probe gestellt wurde?

Ja, definitiv. In Tadschikistan ist mir auf etwa 4.200 Metern Höhe der Kühler geplatzt. Das war kein Ort, an dem man einfach Hilfe bekommt. Ich musste mir selbst helfen und eine provisorische Lösung finden, um überhaupt weiterzukommen. Das war einer dieser Momente, in denen man merkt, ob man sich auf das Fahrzeug und auf sich selbst verlassen kann. Später, in Sibirien, ist noch ein Radlager kaputt gegangen. Das musste dann in einer Werkstatt gemacht werden, weil dafür einfach das richtige Werkzeug nötig war. Aber insgesamt waren das auf über 50.000 Kilometern die einzigen echten Pannen.

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Du planst bewusst nur grob und entscheidest vieles unterwegs. Ist das für dich Freiheit – oder auch etwas, das man erst lernen muss auszuhalten?

Ich glaube, es ist beides. Natürlich ist es Freiheit, weil man nicht an einen festen Plan gebunden ist. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass man Unsicherheit akzeptieren muss. Wenn man zu viel im Voraus plant, läuft man schnell Gefahr, nur noch einem Plan hinterherzufahren. Dann geht es nicht mehr darum, die Reise zu erleben, sondern sie abzuarbeiten. Ich lege mir deshalb nur eine grobe Richtung fest und entscheide vieles spontan. Das funktioniert für mich besser.


Gab es Dinge, die unterwegs deutlich einfacher waren, als du erwartet hast – und andere, die dich mehr Kraft gekostet haben als gedacht?

Überraschend einfach war tatsächlich, mit dem BMW durch Gelände zu fahren, für das er eigentlich nicht gemacht ist. Man passt sich an, fährt vorsichtiger und kommt oft weiter, als man denkt. Deutlich mühsamer waren dagegen manche Visa-Prozesse, zum Beispiel in Nigeria. Das kostet Zeit, Geduld und manchmal auch Nerven.


Gab es einen Moment, in dem du ernsthaft gezweifelt hast – nicht an der Reise an sich, sondern daran, ob das gerade eine gute Idee ist?

Ja, in Marokko. Ich bin im weichen Sand steckengeblieben, relativ nah an der algerischen Grenze, auf einer alten Strecke der Paris-Dakar. Ich habe dort übernachtet, weil ich einfach nicht mehr rausgekommen bin. Erst etwa 20 Stunden später kam ein Toyota Hilux vorbei und hat mich herausgezogen. In solchen Momenten merkt man schon, dass man sich sehr weit aus der Komfortzone entfernt hat.

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Du bist inzwischen durch sehr unterschiedliche Regionen gefahren – von Zentralasien über Russland bis nach Afrika. Was ist dir von diesen Etappen besonders geblieben?

Es sind oft die Orte, die schwer in Worte zu fassen sind. In Tadschikistan war ich auf 4.655 Metern unterwegs, das ist eine Landschaft, die man so kaum kennt. Die Durchquerung der Sahara war beeindruckend, genauso wie der Dschungel in Kamerun. Und dann gibt es diese Momente wie die Überquerung des Äquators, die eigentlich unspektakulär sind, aber sich trotzdem besonders anfühlen, weil man weiß, wo man gerade steht.


Und die Menschen? Gab es Begegnungen, die dir besonders geblieben sind?

Ja, vor allem in Zentralasien und Russland. Ich habe im Altai-Gebirge einige Tage mit einer russischen Familie verbracht, wir haben zusammen gezeltet und Zeit miteinander verbracht, obwohl wir uns vorher nicht kannten. Diese Art von Gastfreundschaft ist mir sehr positiv in Erinnerung geblieben. Generell habe ich unterwegs viele offene und hilfsbereite Menschen getroffen.


Afrika gilt für viele als schwierig oder sogar gefährlich. Du hast gesagt, die Warnungen seien nicht einfach Unsinn. Wie erlebst du das konkret vor Ort?

Man muss das differenziert sehen. Überfälle und Entführungen kommen in einigen Regionen vor, das ist Realität. Auch Korruption gehört in vielen Ländern zum Alltag, ich wurde unzählige Male von Polizisten aufgefordert, Geld zu zahlen. Ich habe aber nie jemanden bestochen. Wenn man respektvoll auftritt, ruhig bleibt und sich anpasst, kommt man in den meisten Situationen gut durch. Es ist wichtig, die Risiken ernst zu nehmen, ohne sich davon komplett einschränken zu lassen.

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Die einzigen richtigen Pannen auf über 50.000 Kilometern: In Tadschikistan ist auf etwa 4.200 Metern Höhe Theodors Kühler geplatzt. Und später, in Sibirien, ist noch ein Radlager kaputt gegangen.

Hat sich dein eigenes Bild von Afrika unterwegs verändert?

Teilweise hat es sich bestätigt, teilweise auch verändert. Afrika ist extrem vielfältig und lässt sich nicht über einen Kamm scheren. Es gibt Regionen, die sehr herausfordernd sind, und andere, die unglaublich offen und angenehm sind. Viele Vorstellungen, die man in Europa hat, sind zu pauschal.


Wie haben Familie und Freunde auf deine Reise reagiert – gerade am Anfang?

Am Anfang gab es natürlich Sorgen, was ich auch verstehen kann. Allein durch Afrika zu fahren klingt für viele erst einmal riskant. Mit der Zeit hat sich das aber geändert. Mein Umfeld hat gesehen, dass ich mit den Situationen umgehen kann, und inzwischen ist das Vertrauen deutlich größer.


Wenn du auf die Reise zurückblickst: Würdest du es wieder machen – und wenn ja, wieder mit dem gleichen Auto?

Ich glaube nicht, dass ich Afrika unbedingt ein zweites Mal komplett durchqueren muss. Wenn ich es noch einmal machen würde, dann aber auf jeden Fall mit dem gleichen Fahrzeug. Der BMW hat sich bewährt, und ich würde mich wieder dafür entscheiden.


Zum Schluss: „One Life. Live It.“ – was bedeutet das für dich persönlich, wenn man es ernst nimmt?

Für mich bedeutet es, dass jeder für sein eigenes Glück verantwortlich ist. Man kann lange warten, planen und überlegen, aber am Ende muss man irgendwann einfach losgehen. Ich wollte für mich selbst herausfinden, ob so eine Reise auch mit einfachen Mitteln möglich ist. Dass man dafür kein perfektes Setup braucht, sondern den Mut, es zu machen. Genau das ist für mich Freiheit.


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