Chaos Tours: Auf der Spur der letzten Köhler des Balkans

Chaos Tours: Auf der Spur der letzten Köhler des Balkans

FIELD NOTES sind Geschichten und Erfahrungen unserer OLLI Friends. Direkt von draußen.

Schmale, kurvenreiche Straßen führen Sylvia Furrer und Holger Hoffmann durch dichte Buchenwälder zu abgelegenen Dörfern, in denen seit Generationen das uralte Handwerk des Köhlerns gepflegt wird.

Seit fast fünf Jahrzehnten reisen Sylvia Furrer und Holger Hoffmann gemeinsam als Chaos Tours um die Welt. Ihre Neugier gilt nicht den Orten, sondern den Menschen. Sie suchen Begegnungen mit Menschen, die altes Wissen bewahren, Traditionen leben und Geschichten erzählen können, die sonst kaum jemand hört. Ihre Reportagen sind deshalb weit mehr als Reiseberichte – sie dokumentieren Lebensweisen und Handwerke, bevor sie vielleicht für immer verschwinden.

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Sylvia und Holger sind seit Jahren mit ihrem Land Cruiser "Monsterli" unterwegs
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Köhlerei in Serbien

Von allen Menschen, denen man auf Reisen begegnen kann – warum sucht ihr ausgerechnet Köhler?

Sylvia: Uns begeistern Menschen, die ihre Kultur, ihre Lebensweise oder ihr Wissen über Generationen weitergeben. Wir möchten verstehen, warum sie das tun, wie sich ihr Alltag verändert und welche Zukunft ihre Traditionen haben.

Es sind aber nicht nur Köhler, die uns interessieren. Wir sind sehr fasziniert vom Alltag der Nomaden oder von den Kulturen abgeschieden lebender Völker, wie denen der Kalashi, Kogi, Korowai oder Naga.

Diese Auseinandersetzung hat bei uns auch ein zunehmendes Interesse an der heimischen Kultur geweckt: an Alpabzügen, Viehschauen, Schwingfesten, Hornussen, Fasnachtsbräuchen, Silvesterchläusen – und so auch an den Köhlern im Entlebuch.

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Köhlerei in Bosnien
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Köhlerei in Bosnien

Aber warum ausgerechnet die Köhlerei? Was hat euch an diesem Handwerk so fasziniert, dass ihr ihm durch drei Länder gefolgt seid?

Holger: Das Handwerk der Köhlerei und die einzelnen Abläufe sind schon sehr spannend. Es beginnt mit dem Aufschichten des Holzes, dann kommt das Abdecken mit Tannenreisig und Lösche, einem Gemisch aus Erde, Sand und Kohlestaub und schließlich das Anzünden. Das ist ein ganz besonderer Moment für die Köhler.

Auch das Ausräumen und Absacken der fertigen Holzkohle ist interessant. Am spannendsten ist aber, den eigentlichen Verkohlungsprozess zu beobachten, vor allem gegen Ende hin. Jede einzelne Phase hat zudem eine ungeheure Ästhetik.

Sylvia: Als wir das erste Mal mit dem Monsterli – so nennen wir unseren Land-Cruiser-Camper – direkt neben einem Meiler übernachten durften, wurden wir nachts von der Köhlerin Doris Wicki immer wieder geweckt, wenn sie den Meiler kontrollierte. Dabei stieß sie neue Löcher in die Wand des Meilers. Der austretende Rauch kräuselte sich im fahlen Licht des Mondes und hatte je nach Verkohlungsgrad unterschiedliche Farbtöne.

Danach waren wir der Köhlerei „verfallen“.

Holger: Mittlerweile haben wir bereits fünf Köhlern im Entlebuch bei der Arbeit zuschauen dürfen. Und dann ist es nicht nur bei den Köhlern in der Schweiz geblieben. Wir sind nach Sachsen und Sachsen-Anhalt gefahren, wo sie mit Stahlglocken und Schamottöfen köhlern, und dreimal in den Wienerwald, wo sie mit Langmeilern Kohle herstellen – eine sehr spannende Methode.

Außerdem waren wir zweimal in Gujarat, in Rumänien und jetzt auf dem Balkan. Als nächste Ziele sind die Köhler in Äthiopien und Kalabrien geplant.

Sylvia: Es ist auch spannend, den Köhlern zuzuhören. Sie berichten, wie sie ständig daran arbeiten, die Qualität zu verbessern. Nicht immer kommt es so heraus wie gewünscht. Aber es ist auch schön, die Freude in ihren Gesichtern zu sehen, wenn es gut gekommen ist und sie dir stolz ein blau-metallisch glänzendes Stück Holzkohle entgegenstrecken.

Überhaupt hinterlässt die Köhlerei bei mir viele schöne Bilder von großer Ästhetik. Der Meiler hat ja die Form einer Halbkugel: Zuerst ist er hellbraun vom aufgeschichteten Holz, dann hellgrün vom Tannenreisig und danach schwarz von der Lösche.

"Sind wir erst einmal unterwegs, lassen wir uns gerne von neuen Optionen leiten, die sich für uns unerwartet auftun."

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Köhlerei in Bosnien
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Köhlerei in Bosnien

Wie seid ihr überhaupt auf Gertrud Wieser gestoßen? War sie von Anfang an Teil eurer Recherche oder eher eine Zufallsbegegnung?

Sylvia: Norma, die Köhlerin in Eisenhammer in Sachsen-Anhalt, hat von den Langmeilern in Österreich und den beiden Köhlerbrüdern mit ihren Frauen geschwärmt. Auch Doris Wicki, die Vizepräsidentin des Europäischen Köhlerverbandes, hat bestätigt, dass die Langmeiler ganz anders funktionieren als ihre im Entlebuch.

Holger hat daraufhin im Internet recherchiert und die Wiesers per E-Mail kontaktiert. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen und haben viel von ihrer Liebe zur Natur und insbesondere zum Wald mitbekommen. Gertrud Wieser hat eine Sammlung von etwa 30 Kohlestücken der unterschiedlichsten Baumarten. Jedes unterscheidet sich in Struktur und Glanz.

Wie findet man überhaupt die letzten Köhler des Balkans?

Sylvia: Die Spur begann im Wienerwald. Dort lernten wir Gertrud Wieser kennen, eine der letzten Köhlerinnen Österreichs. Bei unserem ersten Besuch schrieb sie einen Namen und eine Adresse auf einen Zettel: Janez Medved, Dole pri Litiji. Den müssten wir unbedingt besuchen. Zwei Tage später waren wir unterwegs nach Slowenien.

Holger: Und von dort wurden wir weitergereicht.

"Janez Medved: Den müssten wir unbedingt besuchen. Zwei Tage später waren wir unterwegs nach Slowenien."

Ein Name. Ein Ort. Mehr nicht. Reicht euch das wirklich, um einfach loszufahren?

Holger: Ja, in dem Fall schon. Slowenien kannten wir bis dahin nur vom Durchfahren. Was Gertrud erzählte, klang aber vielversprechend, und wir wollten sowieso weiter in Richtung Rumänien fahren.

Von unseren vorherigen Recherchen im Internet wussten wir, dass es noch Köhler in Rumänien gibt. Von den Köhlern in Slowenien, Bosnien und Serbien wussten wir bis dahin nichts.

Sylvia: Das ist aber schon typisch für den Reisestil von Chaos Tours. „Chaos“ bedeutet für uns Selbstorganisation. Wir sammeln im Vorfeld so viele Informationen wie möglich zu einem Thema oder einer potenziellen Reisedestination, sei es im Internet, in Büchern oder über persönliche Kontakte. Wenn es uns nicht packt, verwerfen wir die Idee …

Holger: … was sehr häufig passiert.

Sylvia: Sind wir erst einmal unterwegs, lassen wir uns gerne von neuen Optionen leiten, die sich für uns unerwartet auftun.

Holger: Das sind dann auch die Erlebnisse, die meist am stärksten in Erinnerung bleiben.

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Köhlerei in Serbien
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Köhlerei in Serbien

In Slowenien trefft ihr Janez Medved zum ersten Mal. Was hat euch an ihm beeindruckt?

Holger: Schon der Weg zu seinem Hof war ein schönes Erlebnis: durch dichte Wälder, an Bachläufen entlang, hie und da ein Schild, das vor Bären warnt oder darauf hinweist, dass wir uns im Land der Köhler befinden.

Als wir auf seinem Hof ankommen, begrüßt uns zuerst ein aus Holz geschnitzter, lebensgroßer Bär. Janez Medved, Anfang sechzig, sitzt vor dem Haus mit einem seiner Enkel auf dem Schoß.

Er ist in erster Linie Landwirt mit Viehzucht und Milchproduktion, bewirtschaftet 40 Hektar Wald, produziert Rotwein aus dem eigenen Weinberg und brennt Sliwowitz. Mittlerweile hat er den Hof seinem Sohn übergeben und hat nun mehr Zeit fürs Köhlern, das Schnitzen von Holzschalen und seine Enkelkinder.

Sylvia: Wir werden freundlich von ihm aufgenommen, mit Sliwowitz bewirtet und anschließend zum 300 Meter entfernten Meilerplatz am Waldrand geführt. Nicht ohne Stolz zeigt er uns seinen gerade fertiggestellten Rundmeiler mit rund 200 Ster Holz – den größten, den wir bis dahin gesehen haben.

Natürlich wollen wir sofort wissen, wann er den Meiler anzündet. In vier Tagen, am Vorabend ihres Nationalfeiertags, verbunden mit einer kleinen Feier mit Ansprachen, Musik und einem Imbiss bei ihnen auf dem Hof. Wenn wir können, sollen wir kommen. Wir seien herzlich eingeladen.

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Köhlerei in Slowenien

Und wie wurde dann aus einem Besuch plötzlich eine Spurensuche?

Sylvia: Vier Tage später sind wir wieder in Dole pri Litiji. In der Zwischenzeit ließen wir uns von den Sehenswürdigkeiten Sloweniens begeistern, die uns Janez’ Tochter empfohlen hatte.

Vor dem Anzünden des Meilers hält Jože Prah, der Präsident des slowenischen Köhlerverbandes, eine Ansprache. Beim Imbiss schlägt er vor, auch die Köhler rund um Selca zu besuchen, und schreibt uns die Adresse von Janez Pegam auf.

Holger: Nachdem wir uns in Dole pri Litiji noch zwei weitere Köhlerplätze angeschaut und abends das Open-Air-Folk-Konzert zum Nationalfeiertag besucht haben, fahren wir über schmale, kurvenreiche Straßen nach Selca.

Unterwegs übernachten wir bei der auf einem Felsvorsprung gelegenen Kirche von Jamnik mit einem atemberaubenden Blick auf die Steiner Alpen. Als der Eigentümer des Stellplatzes erfährt, was uns hierher verschlagen hat, teilt er uns freudig mit, dass sein Nachbar 500 Meter entfernt gerade einen Meiler am „Kochen“ habe.

Sylvia: Auch dieser Meiler ist wunderschön in die Landschaft eingebettet.

Holger: Der erste Köhler, den wir in Selca ausfindig machen können, steckt uns in seinen Lieferwagen und führt uns zu allen Köhlerplätzen rund ums Dorf. Es sind fünf, in verschiedenen Stadien.

Zuletzt landen wir bei Janez Pegam, groß, kräftig, Ende dreißig und mit einem gutmütigen Lächeln. Sein Hof sei klein, erzählt er uns in der Küche. Er habe 25 Hektar Wald, acht Hektar Wiese und zehn Kühe. Er brenne drei bis vier Meiler pro Jahr, das gebe einen guten Zuverdienst.

Unser Gespräch wird unterbrochen. Janez Pegams Handy klingelt. Jože Prah ist am anderen Ende und erkundigt sich, ob wir ihn gefunden hätten.

Sylvia: Wir können mit unserem Monsterli bei ihm auf dem Hof übernachten. Zuvor werden wir zum Nachtessen eingeladen und mit eigenem, blumig-aromatischem Honig beschenkt.

Am nächsten Morgen bringt Janez uns zum Köhlerplatz seines Schwagers Pavel. Hier sind bereits seit dem frühen Morgen ein Dutzend Männer damit beschäftigt, den Meiler auszuräumen und die Holzkohle abzusacken.

"Reich sind die Köhler nicht. Doch unzufrieden war niemand, den wir getroffen haben."



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Köhler in Slowenien

Hattet ihr irgendwann das Gefühl, dass die Geschichte euch selbst weiterträgt? Dass ihr gar nicht mehr sucht, sondern gefunden werdet?

Holger: Ja, „weiterträgt“ trifft es recht gut – wie eine Welle beim Surfen. Wie lange die Welle einen trägt, weiß man immer erst im Nachhinein. Auf dieser Reise hat die Welle uns lange getragen.

Es braucht schon etwas Glück, aber man muss offen für die manchmal überraschenden Angebote sein, den Menschen und sich selbst vertrauen können und dann auch etwas daraus machen. Es reicht nicht, darauf zu hoffen, dass einen die richtige Welle findet.

Wichtig ist immer, dass man den Menschen zeigt, dass man sich für sie und ihre Tätigkeit interessiert. Idealerweise bringt man genügend Zeit und gewisse Vorkenntnisse mit, aber auch die Neugier, von ihnen noch mehr zu erfahren.

Von Jože Prah hatten wir zwar gehört, dass in Zentralbosnien auch noch Holzkohle hergestellt werde, aber anders als bei ihnen, nämlich in gemauerten Kohleöfen. Wo genau die Köhler lebten, wusste er nicht.

Da wir gemauerte Kohleöfen erst einmal in Gujarat gesehen hatten, interessierte uns das. Ich suchte im Internet und fand dank eines auf Bosnisch verfassten Artikels die Kohleöfen auf Google Maps – rund 60 Kilometer nordwestlich von Sarajevo, in kleinen Dörfern mit für uns kaum aussprechbaren Namen wie Podstijena, Rizvići, Vladići, Dragačići, Vukeljići und Živčići, an den Hängen beidseits des noch jungen Flusses Kozica.

Bei meiner Recherche stieß ich auch noch auf die Köhler in Serbien, die in der Umgebung von Klokočevac ebenfalls in gemauerten Öfen Kohle produzieren.

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Köhlerei in Slowenien

"Bei einem erfolgreichen Meiler ist das wie bei einer gelungenen Reise: Es braucht eine sorgfältige Vorbereitung und Durchführung sowie Geduld. Negative Überraschungen gilt es zu akzeptieren. Nicht nur der Erfolg macht Freude, sondern bereits der Prozess."



Und, hat euch die Welle auch in Bosnien und Serbien weitergetragen?

Holger: Doch, ich denke schon. Wir hatten zwar weniger persönliche Kontakte, aber die, die wir hatten, waren ebenfalls sehr herzlich.

Der erste Kohleofen in Bosnien, bei dem wir Halt machen, wird von Omer Hadžić betrieben. Er ist gerade damit beschäftigt, im Ofen das Holz aufzuschichten. Daneben liegen die gefüllten Kohlesäcke vom letzten Brennvorgang. Sie warten auf den Abtransport.

Omer lädt uns auf einen türkischen Kaffee ein, den uns seine Frau Hatidža am Gartentisch serviert. Es dauert nicht lange, da sitzt Bahrudin mit am Tisch, ein Nachbar, der seit 15 Jahren in der Nähe von München lebt und gerade auf Urlaub in seinem Heimatdorf ist.

Dank seiner guten Deutschkenntnisse erfahren wir, dass es früher in der Gegend Hunderte Holzkohleöfen gegeben habe. Heute werden die meisten nicht mehr benutzt und dem langsamen Verfall überlassen. Im Dorf sei Omer noch einer der wenigen, die das Köhlerhandwerk betreiben.

Sylvia: Als wir im serbischen Klokočevac ankommen, fragt Holger einen der Männer, die vor dem Lebensmittelgeschäft ihr Bier trinken, wo wir Miodrag Danilović finden können. Seinen Namen hatte er im Internet gefunden.

Einer der Männer steigt zu uns ins Auto und weist uns den Weg. Miodrag Danilović sitzt auf einem Stuhl vor seinem Hof, als habe er auf uns gewartet. Er freut sich über den Besuch aus der Schweiz, gibt uns aber zu verstehen, dass er nicht mehr der Jüngste sei und bereits die übernächste Generation die Köhlertradition fortführe.

Maja, die Frau seines Enkels, führt uns zum Köhlerplatz, der aus drei gemauerten Holzkohleöfen besteht. Keiner ist aktuell in Betrieb. Maja empfiehlt uns deshalb, noch den Köhlerplatz von Jaroslav Stevanović zu besuchen. Es sei der größte im Dorf und nur zwei Kilometer von hier entfernt.

Holger: Beim Köhlerplatz von Jaroslav Stevanović erwarten uns sechs Kohleöfen, aufgereiht in einer Linie. Einer davon ist am „Brennen“. Kein Mensch weit und breit.

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Köhlerei in Slowenien

Ihr wart in drei Ländern unterwegs. Was hat euch an den Menschen überall berührt?

Holger: Alle Köhler leben in abgeschiedenen, hügeligen Waldgebieten mit nur geringen Acker- und Weideflächen. Sie sind alle seit Generationen auf den Zuverdienst durch die Köhlerei angewiesen. Alternative Einkommensquellen gibt es in diesen Gegenden nur wenige.

Reich sind sie nicht. Doch unzufrieden war niemand, den wir getroffen haben. Alle hatten Freude an dem, was sie machten – zumindest, was die Köhlerei betrifft.

Sylvia: Überall wurden wir herzlich aufgenommen. Die Köhler nahmen sich Zeit für uns, bewirteten und beschenkten uns.

Am meisten beeindruckt mich die Selbstverständlichkeit, mit der sie mit den Möglichkeiten umgehen, die ihnen ihre Umgebung bietet, ganz nach dem Motto: Hast du viel Holz, mach Kohle daraus.

"Uns begeistern Menschen, die ihre Kultur, ihre Lebensweise oder ihr Wissen über Generationen weitergeben."

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Köhlerei in Slowenien

Ihr habt die Köhlerei in verschiedenen Ländern erlebt. Was ist überall gleich geblieben – und was war völlig anders?

Holger: Die Art, Holzkohle herzustellen, ist unterschiedlich. In Slowenien begegneten wir den großen Rundmeilern, in Bosnien den gemauerten Kohleöfen, meist nur einem pro Bauernhof, und in Serbien immer mehreren, bis zu sechs, die in Reih und Glied stehen.

Gemeinsam war allen, dass es Familienbetriebe sind, das Wissen von Generation zu Generation weitergegeben wird und die Köhlerei bis heute Teil des täglichen Lebens ist.

Überall mangelt es an Nachwuchs.

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Köhlerei in Slowenien

Wenn ihr an diese Reise zurückdenkt: An wen denkt ihr als Erstes? Und warum?

Sylvia: Beeindruckt hat mich die junge Serbin Maja, die mit ihren beiden blonden Töchtern auf den Kohleöfen herumturnt und im nächsten Moment ihre Freude an ihrem Blumengarten zeigen kann.

Für mich ist sie Ausdruck einer neuen Generation, die im Wissen darum, dass die Köhlerei ein anstrengendes Handwerk ist, die Freude daran nicht verloren hat.

Zum Abschied gibt Maja mir noch zwei riesige Salatköpfe aus ihrem Gemüsegarten mit.

Holger: Mich hat Jože Prah beeindruckt. Er ist Mitte fünfzig, von kleiner Statur, aber voller Energie. Er arbeitet als Förster beim Slowenischen Forstdienst und ist dort Berater für Holzbiomasse und Tourismusentwicklung in Waldgebieten.

Neben dem Präsidium des Slowenischen Köhlervereins ist er noch Vizepräsident des Slowenischen Tourismusverbandes. Wenn er von der Köhlerei berichtet, leuchten seine Augen vor Begeisterung.

Er lobbyiert erfolgreich bei Behörden und Politikern für das Fortbestehen und die Förderung des Köhlerhandwerks, wie wir es bisher in keinem anderen Land gesehen haben.

Für Janez Pegam ist „Jože a small man, but a great person!“

"Als nächste Ziele sind die Köhler in Äthiopien und Kalabrien geplant."



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Köhlerei in Slowenien

Was können wir von den Köhlern lernen – auch wenn wir selbst nie einen Meiler bauen werden?

Holger: Vielleicht die Parallele zwischen einem „erfolgreichen“ Meiler, bei dem alles Holz hochwertig verkohlt wurde, und einer gelungenen Reise: Eine zündende Idee allein reicht nicht.

Es braucht sorgfältige Vorbereitung und Durchführung. Man muss ständig dranbleiben, um rechtzeitig zu reagieren, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert.

Es braucht Geduld, anstatt etwas erzwingen zu wollen, und es empfiehlt sich, Risiken zu minimieren. Erfahrung hilft dabei. Negative Überraschungen gilt es zu akzeptieren.

Nicht nur der Erfolg macht Freude, sondern bereits der Prozess.

Sylvia (schmunzelt): Es ist immer besser, die „Kohle“ selbst zu produzieren …


Die Autoren Sylvia Furrer (Text) und Holger Hoffmann (Fotos) haben seit 1977 gemeinsam über 60 Länder ausserhalb Europas bereist. In den letzten Jahren haben sie sich vermehrt mit traditionellen Kulturen auseinandergesetzt und immer wieder private «Forschungsreisen» in abgelegene Gebiete gemacht.

Folgt Sylvia & Holger auf: 

Spannende Beiträge über ihre Besuche bei besonderen Menschen: 

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Köhlerei in Slowenien
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Köhlerei in Slowenien

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